Frischer Wind für weißrussische Medienlandschaft

Freie Medien gibt es in Belarus faktisch nicht, die freie Berichterstattung ist massiv behindert, einzig im Internet findet sich ein Forum für halbwegs freie Meinungsäußerung. Was bei der staatlichen Kontrolle der traditionellen Medien den westlichen Beobachter vielleicht ein wenig verwundern mag, ist, dass nicht nur der Inhalt sondern auch die

belsat.jpgFreie Medien gibt es in Belarus faktisch nicht, die freie Berichterstattung ist massiv behindert, einzig im Internet findet sich ein Forum für halbwegs freie Meinungsäußerung. Was bei der staatlichen Kontrolle der traditionellen Medien den westlichen Beobachter vielleicht ein wenig verwundern mag, ist, dass nicht nur der Inhalt sondern auch die Form zensiert wird. Fernsehen und Radio in Belarus nutzen ausschließlich die russische Sprache und dies aus gutem Grund.

Der Kurs des Präsidenten Alexandr Lukaschenka kann eindeutig als pro-russisch bezeichnet werden. Daher gehört auch die Bekämpfung der weißrussischen Sprache und Kultur zu seinen erklärten Zielen. Zwei Sender gehen gegen diese Tendenz an – natürlich senden sie außerhalb der weißrussischen Staatsgrenzen. Der Radiosender Radio Racja und der Fernsehsender Belsat versuchen aus Bialystok in Ostpolen Alternativen zum weißrussischen Medienangebot zu liefern. Wie auch die Mitarbeiter von Radio Racja wissen die Journalisten von Belsat, dass Sprache und Musik durchaus Macht darstellen – zumindest ein kleines Gegengewicht zu den sonst staatlich kontrollierten weißrussischen Medien.

Für mehr Vielfalt in der weißrussischen Medienlandschaft

“Eine freie Stimme für Weißrussland” will Radio Racja sein. Seit zwei Jahren sendet Radio Racja von Bialystok nur 30 Kilometer von der weißrussischen Grenze entfernt. Die Journalisten gehören zur weißrussischen Minderheit im Grenzgebiet, aber auch Korrespondenten berichten über das Leben in Minsk und dem Rest des Landes. Seit letzter Woche ist das Programm nicht mehr nur auf Kurzwelle, sondern auch über UKW zu empfangen und erreicht so knapp eine Millionen Hörer in Weißrussland.

Alternative Informationen will das Programm bieten – Alternativen zu den staatlich kontrollierten Medien in Weißrussland. Doch als parteipolitischer Oppositionskanal versteht sich Radio Racja nicht: Chefredakteur Viktor Stakhviuk betont den Anspruch der ausgewogenen Berichterstattung. “Wir bemühen uns bei politischen Themen stets um eine Stellungsnahme der offiziellen weißrussischen Seite: sei es vom Außenministerium, vom Generalkonsulat oder auch von der weißrussischen Botschaft in Polen.”

Journalismus unter erschwerten Bedingungen

Doch diese Arbeit wird ihnen von den offiziellen Stellen oftmals erschwert. Auf die Anfragen folgt leider nur selten eine Antwort, zu Pressekonferenzen in Minsk bekommt man keinen Zugang. Doch es neben dieser Benachteiligung versucht man die Mitarbeiter von Radio Racja auch ganz gezielt einzuschüchtern: Razzien, Festnahmen und Verhöre seien ebenfalls jederzeit möglich, sagt der Chefredakteur. “Die Sicherheit unserer weißrussischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist ein großes Problem.”

Von der Razzia betroffen waren auch die Korrespondenten des belarussischen Fernsehsenders Belsat. Am 27. März ging die Meldung vom Sendeschluss für viele, freie Radiomacher in Belarus um die Welt. Der weissrussische KGB verhaftete mehr als 30 lokale Radiomacher von Radio Free Belarus/Radio Liberty, von Belaruskaje Radyjo Razyja und dem TV-Sender Belsat. Doch die Macher von Belsat gaben nicht auf und sendeten von Polen weiter. Die Zuspruch beim weißrussischen Publikum wächst stetig: Knapp acht Prozent der Weißrussen sagen mittlerweile, dass sie den Sender kennen. Das ist ein Erfolg für Agnieszka Romaszewska, Gründerin und Chefredakteurin des Senders. Sie selbst ist keine Weißrussin, hat aber früher als Korrespondentin in Minsk gearbeitet hat.

Fraglos bringen diese neuen Angebote frischen Wind in die staatlich dominierte Medienlandschaft von Belarus und könnten mit einer noch stärkeren Verbreitung unter den Weißrussen vielleicht zu einer stärker differenzierenden wie informierten Gesellschaft führen.

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Quelle: Deutsche Welle

Photo Quelle/ Copyright: yuzle.com

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