Mit Holland spielen wir bei der EM: Dieses kleine Land, das der Welt gezeigt hat, wie man dem Meer Land abringt, hat gestern Abend in Bern den Italienern eine Sturmflut geschickt, bis alle Deiche brachen. Da hatten auch Luca Toni und Andrea Pirlo keine Mittel mehr.
Vor dem Turnier rechneten die meisten Experten lediglich mit einem lauen Nordsee-Lüftchen: 15 Tore in den Qualifikationsspielen zur Fußballeuropameisterschaft sprachen für eine Sturmflaute, alle anderen Mannschaften, die in der Schweiz und in Österreich dabei sind, hatten für mehr Wind im gegnerischen Strafraum gesorgt.
Launisches Wetter
Doch das Wetter an der Nordsee ist launisch – wie die Mannschaft von Marco van Basten, die gegen den Weltmeister so gut gelaunt war, dass sich Ruud van Nistelrooy von Gianluigi Buffon zwar aus dem Tritt bringen ließ, aber nur kurz an Fahrt verlor. Hat da der Welttorhüter der Jahre 2003, 2004, 2005 und 2006 schon geahnt, dass es für ihn kein Entrinnen mehr gab?
Wie Wellen zu brechen sind, wissen die Niederländer. Kam eine auf ihr Tor zu, sprangen sie oben drauf, setzten der Hilflosigkeit der Italiener die Krone auf und versenkten den Ball zum 1:0.
Hilflos auf dem Meer
Nach diesem Treffer trieb sogar die italienische Sportzeitung “Corriere dello Sport” hilflos auf dem Meer und behauptete bis zum Schlusspfiff: “Abseitstor”. Als Roberto Donadoni nach dem Unwetter diese Behauptung wiederholte, bewies er nur, dass er keine Planken mehr unter den Füßen hatte. Merke: Wenn ein italienischer Verteidiger von einer holländischen Sturmflut aus dem Feld gespült wird, zählt er bis zur Beerdigung noch zu den Überlebenden.
“Wenn das so weitergeht”, haben die Fans in Oranje nach dem Spiel gesungen – die Franzosen jedoch werden am Freitag auf anderes Wetter hoffen. Sommerfußball wie gegen Rumänien reicht nicht. Raymond Domenech muss seiner Mannschaft schnellstens beibringen, dass Franck Ribéry nur einer von elf Leuten ist, die den Vizeweltmeister am 13. Juni vor Seenot bewahren müssen.
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