Euro 2008: Freilos
Nähme man uns Deutschen Michael Ballack und Lukas Podolski weg, könnten wir in etwa nachvollziehen, welche Melancholie gerade durch das neutralste aller nationalistischen Völker weht. Der Schweiz wurde im Eröffnungsspiel Alexander Frei weggenommen und dieser Schock sitzt tief.
Drei gelernte Stürmer hat Köbi Kuhn zur Europameisterschaft nominiert. Eren Derdiyok ist 19 und unerfahren. Marco Streller ist außer Form und leistenverletzt. Und eben Alexander Frei.
Kuhn lässt seine Mannschaft traditionell 4-4-2 spielen. Nur zwischenzeitlich testete er mal aus Mangel an Personal ein 4-5-1, das aber nicht funktionierte und schnell wieder in der Schublade verschwand. Im Schweizer 4-4-2 gibt Alexander Frei den vorbereitenden, Tore schießenden, vorcheckenden und das Team anführenden Mann für alles. Ohne ihn fehlt es sowohl an einer sicheren Anspielstation im Mittelfeld, als auch an einer torgefährlichen Anspielstation im Sturm. Mit ihm hatte die Schweiz eine realistische Chance auf den Einzug ins Viertelfinale, ohne ihn fehlt es anbeinahe allem, was man zum Tore schießen braucht.
Heute abend kommt es zum vorentscheidenden Spiel der Gruppe A gegen die Türkei. Beide Teams haben ihre Eröffnungsspiele verloren. Die Türkei völlig zurecht, die Schweiz unglücklich. Wer heute verliert, ist ziemlich sicher draußen. Man kann sogar fast soweit gehen: Wer heute nicht gewinnt, ist ziemlich sicher draußen. Der Schweiz traut man einen Sieg gegen Portugal nur zu, wenn diese mit der B-Elf aufläuft. Die Türken in ihrer aktuellen Form sind für keinen Gegner Europas angsteinflößend.
Die Türken müssen heute abend gegen die Schweiz auf ihre Schaltzentrale Emre verzichten. Eine Schwächung, die beide Mannschaften wieder auf Augenhöhe bringt. Darüberhinaus könnte es mitentscheidend sein, welche Mannschaft die mit ziemlicher Sicherheit giftige Stimmung am besten in produktive Leistung ummünzen kann.
Die Schweizer Medien gehen davon aus, dass Hakan Yakin, mehr Mittelfeldspieler als Stürmer, neben Marco Streller auflaufen wird. Aber es ist auch denkbar, dass Kuhn Eren Derdiyok ins kalte Wasser wirft.
Soviel ist sicher: Ein Schweizer mit türkischen Wurzeln wird heute abend zum eidgenössischen Hoffnungsträger.
Dieser Artikel ist eine Übernahme mit freundlicher Genehmigung des Autors via: http://em08.blogsport.de/2008/06/11/freilos/











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