Jahrelang dachten die Kunden des Ökostrom-Anbieters “Lichtblick” tatsächlich, dass ihr Stromlieferant genauso arbeitet, wie er es in der Werbung versprochen hatte. Statt mit Atom- und Kohlestrom an der Vernichtung der Welt mitzutun, setzte “Lichtblick” ausschließlich auf handwerklich sauber angefertigten Strom aus ökologischem Anbau.
Auch in langen, dunklen Wintermonaten gelang es dem ökologisch sauberen Unternehmen zur großen Verwunderung eher einfach gestrickter Menschen, seine 400.000 Kunden aus der Öko-Elite mit korrekter Energie aus Sonnenlicht zu versorgen. Und selbst wenn der Wind wochenlang nur ein Lufthauch war, er reichte offenbar immer aus, die Lampen in den Häusern der Lichtblick-Gemeinde leuchten zu lassen.
Vielleicht, dachte mancher, ist es Bioenergie, die da in höchster Stromnot aushilft. Oder war es russiches Gas? Norwegisches Öl, aus arktischer Tiefe gepumpt unter Vernachlässigung der Interessen von Robben, Eisbären und Seekühen?
Weder noch, sondern viel schlimmer. Lichtblick hat jetzt eingeräumt, Strom am Spotmarkt an der Leipziger StrombörseEURopean Energy Exchange (EEX) eingekauft zu haben. Dort wird Strom releativ unideologisch nicht nach Farben geordnet, sondern nach Mengen aufgeteilt gehandelt: Wer einkauft, kriegt Strom, ob der aber von Kinderhänden aus Atomkernen geschält oder von freilaufenden Ratterrädern unter einer glücklichen Fördersonne zusammengesponnen wurde, bliebt ungewiss.
Die Empörung in der Ökogemeinde ist groß. Gerade hier, unter den Intellektuellen der Republik, scheint der Glaube an Werbebotschaften, der heutzutage eigentlich selbst in Prekariatsfamilien im Vorschulalter einen einsamen Tod stirbt, ungebrochen. Lichtblick wirft einen Schatten auf die heile Öko-Welt, in der ökologisch abgebaute Energie das Gewissen erleichtert, bis die ökologischen Stromgärtner zugeben müssen, dass “der Zukauf von Strom nötig ist, weil es bei der Versorgung Abweichungen zwischen Kurzfristprognose und zum Teil langfristig im Voraus vertraglich gesicherten regenerativen Strommengen“ gebe. Ist ja ein Ding! Reicht die Sonnenenergie doch nciht, wenn keine Sonne scheint?
Der spielverderberischen „FTD“ zufolge hat “Lichtblick” im Dezember 2006 und von Oktober 2007 an knapp 4000 Megawattstunden täglich von der EEX bezogen. Im Jahr 2007 könnte mit rund 20 Gigawattstunden etwa zwei Prozent der Strommenge, die das Hamburger Unternehmen an seine Kunden abgab, ideologisch nicht einwandfrei gewesen sein. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der sein Auto gelegentlich mit Gas betreibt und sich nur mit Ökostrom rasiert, sprach von einem “Schaden für die Glaubwürdigkeit der Branche” und regte eine staatliche Strommarkierungspflicht an. Danach sollten die einzelnen Elektronen, Anionen, Protonen und Kationen in der ausgelieferten Elektrizität künftig von einer staatlichen “Stromkennzeichnungsbehörde” ähnlich farbig markiert werden, wie das bei Heizöl traditionell geschieht, um eine Nutzung als Dieseltreibstoff zu erschweren.
Gabriel ist sicher: “Wir müssen handeln, ehe das Weltklima kippt”. Die neue Strombehörde könne ihren Sitz in Detmold oder Delmenhorst haben, müsse aber “mit allen Rechten” ausgestattet sein.
Quelle: politplatschquatsch.com
Da Ökostrom zusätzliche Regelenergei benötigt, so wie keine Grundlastfähigkeit besitzt, hätte man das Wissen können….
Aber sehr satirisch geschrieben. Sehr gut