Vorsicht, Satire! Die auf http://zeugenjehovas.blogspot.com veröffentlichte Email von Google ist frei erfunden. Alles andere natürlich auch!
Es gibt in Deutschland eine Glaubensgemeinschaft mit einer Druckerei im Taunus. Die dortige Rotation kommt nicht zum Stillstand, unablässig werden Seiten zu Zeitschriften, Broschüren und Büchern, stehen damit Frauen und Männer in Einkaufszonen und halten bunte Titelbilder in Brusthöhe den Vorbeieilenden entgegen, die trotzdem weiter in ihr Verderben rennen, das in Kürze über sie kommt.
Jeder Satz in diesen Druckwerken stimmt, also auch diese Anmerkungen: “Der Apostel Paulus schrieb Christen im ersten Jahrhundert: ´Bewährt euch immer´ (2. Korinther 13 : 5) Wie viel Vertrauen man zu dir hat, hängt ganz davon ab, wie oft es sich schon bewährt hat, dir zu vertrauen.”
Das gilt natürlich auch für die Rechtsanwälte, die diese Glaubensgemeinschaft beschäftigt. Einer tut sich da besonders hervor, ist also besonders auf Bewährung erpicht.
Anwalt setzt sich hin
Kaum erfährt er von einer kritischen Anmerkung über seine Glaubensgemeinschaft, setzt er sich hin und Unterlassungserklärungen auf – auf die Postreise geschickt werden sie natürlich nur mit Genehmigung seiner Chefs.
Die haben gerade Erschröckliches erlebt, denn informiert worden sind sie darüber, dass sich ein Redakteur gegen eine Klage vor dem Hamburger Landgericht wehren will – und was dieser Journalist zu sagen hat, hat sich gewaschen, das weiß besagter Anwalt zwar schon seit vielen, vielen Monaten, in seiner Klageschrift hat er sich sogar darauf bezogen.
Doch die Konsequenzen zog er erst jetzt. Also rief er Google an und drohte mit Klage, falls bestimmte Seiten dieses Redakteurs nicht aus dem Netz verschwinden. Denn so geht es nach seiner Meinung nicht und nicht nach Auffassung seiner Chefs: Dieser Journalist gibt nicht einfach klein bei, sondern veröffentlicht alles, als sei diese Frage aus einer Schrift dieser Glaubensgemeinschaft für ihn bestimmt: “Hast du denn bis jetzt immer mit offenen Karten gespielt?”
Schlimmster Feldherr
Ist sie aber nicht – nicht vor und nicht nach Harmagedon, also nicht vor und nicht nach der blutigen Schlacht, die Jesus mit seinen Engeln erfolgreich bestreiten wird, als sei dieser Jesus laut Bibel kein Fürst des Friedens, sondern der schlimmste Feldherr aller Zeiten.
Was dieser Feldherr tut, weiß diese Glaubensgemeinschaft, sollte er sich nicht bald daran halten, muss auch er wohl in Kürze mit einem Schreiben dieses Anwaltes rechnen, die Wohnadresse von Jesus kennen sie im Taunus schon seit 1914 – und irgendwann reißt jeder Geduldsfaden wie er nun gerissen ist angesichts der Existenz von Internetseiten, die von dieser Glaubensgemeinschaft nicht genehmigt worden sind
Gefährdet die Religion der Zeugen Jehovas die Ehe?
Folgende strittige Thesen werden in Kürze vor Gericht bewertet:
1. “Den Ehepartnern wird von der Gemeindeleitung, den ´Ältesten´, nahe gelegt sich zu trennen.”
2. “Die Eheschließung mit dem vom Glauben Abgefallenen gilt als null und nichtig.”
Als ehemaliger Ältester halte ich die hinter diesen Aussagen stehende menschliche Einschätzung für richtig, aber so vereinfacht, wie diese Thesen formuliert sind, können sie von Herrn Pikl doch allzu leicht entkräftet werden.
Deshalb möchte ich einige Fakten als Hintergrundmaterial liefern. Möglicherweise wiederhole ich einiges zu dem Thema, ich hoffe es ist hilfreich:
Mit Bezugnahme auf 1. Korinther 7:12-13 (. . .Den anderen aber sage ich, ja ich, nicht der Herr: Wenn irgendein Bruder eine ungläubige Frau hat und sie dennoch einverstanden ist, bei ihm zu wohnen, so verlasse er sie nicht; 13 und eine Frau, die einen ungläubigen Mann hat, der dennoch einverstanden ist, bei ihr zu wohnen, verlasse ihren Mann nicht.) wird jeder Zeuge Jehovas argumentieren, dass alles getan wird, um die Ehe aufrecht zu erhalten.
Warum scheitern dann in dieser Religion trotzdem manche Ehen auf dramatische Weise? Das Kernproblem liegt meiner Meinung nach darin, dass wie in allen totalitären Strukturen sonst auch der Schutz der eigenen Ideologie/des Glaubensgebäudes wichtiger ist als der Schutz sozialer Bindungen wie die Ehe. Vereinfacht gesagt, wenn ein gläubiger Zeuge zwischen Ehe und Dogmen der Wachtturmgesellschaft entscheiden muss, wird er sich in der Regel für die Dogmen entscheiden. Dies liegt an der extremen Auslegung von 1. Kor 15:33: “Laßt euch nicht irreführen. Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten.” Für einen Zeugen Jehovas ist letztendlich jeder, der seinen Glauben nicht teilt, schlechte Gesellschaft, auch der Ehepartner. Schließlich könnte er ja versuchen, den Glauben des Zeugen zu schwächen. Im Grunde wiedersprechen sich die Auslegung von 1. Kor 7:12 und 1. Kor 15:33. Wenn ich meinen ungläubigen Ehepartner als Bestandteil der Welt Satans sehe, wie kann ich dann das tiefe Vertrauen zu ihm, dass eine gute Ehe erfordert, aufrecht erhalten? Langfristig werden sich beide auseinanderleben, wenn er nicht zu den liberaler eingestellten Jehovas Zeugen gehört (die es ja auch gibt). Wenn dann noch Kinder da sind, kommt es oft zu einem Kampf um diese. Wenn z.B. der andergläubige Ehepartner die Kinder in seine Kirche mitnehmen möchte, wird der Zeuge wahrscheinlich alles tun, um dieses Vorhaben zu untergraben. Ja, nicht einmal normaler Freizeitkontakt mit anderen Kindern wird gutgeheissen. Hierzu ein aktuelles Wachtturm-Zitat (alle folgenden Zitate eingeramt in geschweifte Klammern {}):
{wt 15.9.07 S. 10 Was Eltern tun können, damit das Herz ihrer Kinder für Jehova schlägt
Kinder sind natürlich beeinflussbar, zum Guten wie zum Schlechten. Da schlechter Umgang eine Gefahr darstellt, ist das Geschick der Eltern gefordert (1. Korinther 15:33). Es ist schon eine Kunst, Kindern beizubringen, wie sie den Kontakt mit jemand, der Jehova weder liebt noch kennt, in Schranken halten können! (Sprüche 13:20). Shawn sagt hierzu: „Wir haben unsere Kinder dazu angehalten, mit ihren Schulkameraden gut und nett zusammenzuarbeiten, es dann aber auch dabei zu belassen. Sie haben verstanden, warum wir ihnen von Sport- oder sonstigen Freizeitveranstaltungen nach Unterrichtsschluss abgeraten haben.“}
Zeugen Jehovas sollen zwar zu allen Menschen freundlich sein, da das ja “Missionsobjekte” sind.
{z.B. Erwachet 4/06 S. 18 Kontakte in der Schule — Wann können sie zu eng werden? Echte Christen gehen Anders- oder Nichtgläubigen nicht aus dem Weg. Schließlich haben sie ja den Auftrag bekommen, „Jünger aus Menschen aller Nationen“ zu machen, und dazu sprechen sie mit Männern und Frauen aus allen Kulturen, egal welche Religion oder Hautfarbe sie haben (Matthäus 28:19)}
Aber:
{wt 1.12.06 S. 27 Abs. 10 Was es heißt, seinen Nächsten zu lieben
10 Auch wir sollten uns als Christen nicht mit Personen einlassen, die uns im Glauben schwächen könnten (1. Korinther 15:33). Uns wird geraten: „Lasst euch nicht in ein ungleiches Joch mit Ungläubigen spannen“, das heißt mit Personen, die nicht zur Christenversammlung gehören (2. Korinther 6:14).}
Regelmäßig werden Zeugen Jehovas mit solchen Aussagen konfrontiert. Unweigerlich stört dies Beziehungen zu anderen Menschen, zu Verwandten und zum andersgläubigen Ehepartner, selbst wenn diese Christen, also Gläubige sind.
Tatsächlich erlaubt die Wachtturmgesellschaft einem Zeugen Jehovas unter bestimmten Umständen je nach aktueller Auslegung auch die Trennung vom Ehepartner, z.B. wenn dieser gewalttätig ist:
{Erwachet 8.2.02 S. 10 Die Ehe sollte eine dauerhafte Bindung sein
Ein weiterer Grund sind schwere körperliche Misshandlungen. Wenn demnach ein Mann seine Frau körperlich misshandelt, dann kann sich die Leidtragende von ihm trennen (Galater 5:19-21; Titus 1:7). „Jeden, der Gewalttat liebt, hasst . . . [Gottes] Seele gewiss“ (Psalm 11:5). }
Die in Hamburg ermordete Zeugin hätte sich eigentlich auf diesen Artikel berufen und sich trennen können.
Ein weiterer Trennungsgrund ist, wenn der andersgläubige Ehepartner den Glauben schwächt:
{Erwachet 8.2.02 S. 10 Die Ehe sollte eine dauerhafte Bindung sein
Ein weiterer Grund für eine Trennung ist die tatsächliche Gefährdung des geistigen Wohls des Gläubigen — seines Verhältnisses zu Gott. In Fällen, in denen die Gegnerschaft des Partners (unter anderem vielleicht durch eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit) die Ausübung der wahren Anbetung unmöglich machte und das geistige Wohl gefährdete, hielten es manche Gläubige für notwendig, sich von ihrem Partner zu trennen. }
Die “Gefährdung des geistigen Wohls” ist natürlich schwer nachzuprüfen. Mit diesem Argument können natürlich Zeugen Jehovas von ihren Ältesten die “Genehmigung” für eine Trennung erlangen, wie in der strittigen These 1 behauptet.
Schlussbemerkung: Für mich erstaunlich ist, dass diese Organisation in Berlin den Körperschaftsstatus erhalten hat.
Meine These: Weil Richter eines demokratischen Staates nicht mehr erfassen können, wie totalitäre Strukturen Menschen im Denken verändern. Der Präsident des chinesischen PEN-Clubs sagte über die chinesische KP vor kurzem in einem Interview: Wenn man immer nur in einer demokratischen Gesellschaft gelebt hat, hat man keine Vorstellung davon, wie umfassend die Gedankenkontrolle eines diktatorischen politischen Systems sein kann.
Das kann man durchaus übertragen. Es geht für mich nicht darum, ob diese Organisation staatsfeindlich ist. Warum sollte sie es sein? Schließlich schützen die Verfassungen demokratischer Staaten per garantierter “Religionsfreiheit” fundamentalistische Strukturen, und das juristische Instrument des Beichtgeheimnisses erlaubt es Religionen, schwere ethische Defizite intern zu behandeln. Ich denke, man sollte fragen, ob eine Organisation menschenfeindlich ist und der Gesellschaft unnötige Erblasten wie zerstörte Familien und psychisch Erkrankte hinterlässt. Obwohl wir in einem demokratischen Land leben, kann auch ich hier nicht zu konkret werden, sondern muss anonym bleiben. Auch in meiner Familie sind die Zerrüttungen schon schlimm genug.
Gemäß meinen Erfahrungen denke ich, dass der Staat nicht alle Religionen gleich behandeln darf. Richter und Staatsdiener, die in diesem Bereich Entscheidungen treffen müssen, dürfen es nicht vermeiden, sich mit den inneren Strukturen solcher Religionen zu befassen.
Holger