BEST OF READERS EDITION – eine Wochenbilanz

Autsch! Das hat gesessen: “Von wegen vorzeitig fürs Viertelfinale qualifiziert: Nach der 1:2-Niederlage gegen Kroatien muss Deutschland bis zum Montag um das Weiterkommen bangen”, schreibt heute zum Beispiel focus.de auf seinen Seiten. Welt.de nennt das Desaster am gestrigen Abend gar eine “Niederlage mit Ansage”. Nachdem angesichts der dargebotenen Leistung sicher

peoru.jpgAutsch! Das hat gesessen: “Von wegen vorzeitig fürs Viertelfinale qualifiziert: Nach der 1:2-Niederlage gegen Kroatien muss Deutschland bis zum Montag um das Weiterkommen bangen”, schreibt heute zum Beispiel focus.de auf seinen Seiten. Welt.de nennt das Desaster am gestrigen Abend gar eine “Niederlage mit Ansage”. Nachdem angesichts der dargebotenen Leistung sicher nicht nur in den Public-Viewing-Areas viele Köpfe deutscher Fußballfans hingen, wird es heute Zeit, den Blick wieder auf Positiveres zu richten. Da bietet sich ein virtueller Rundgang durch die letzte Woche auf der Readers Edition geradezu an, um auf andere Gedanken zu kommen und herausragende Leistungen zu würdigen.

Von vorbildlichem Einsatz für die Umwelt nebst aufreibenden Gedanken zur Erwachsenenbildung

Wer nun jedoch glaubt, wir starten mit einem locker-flockigen Ablenkungsmanöver voll durch, der könnte an dieser Stelle bereits weiter klicken. Denn unser Autor Hamid Tehrani liefert uns am vergangenen Donnerstag einen visuell teils harten Brocken, den er schlicht mit “Iran: Umweltaktivisten in Aktion und Bildern” überschreibt. Was sich dahinter verbirgt ist ein Thema, mit dem sich wahrscheinlich schon viele hierzulande etwas intensiver auseinandergesetzt haben: Der Schutz von Natur und Tieren. Allerdings werden wohl die wenigsten dabei ihr Augenmerk auf den Iran gelenkt haben. Wie so oft, kann jedoch auch hier das Web 2.0 eine wichtige Hilfestellung bieten. Denn Tehrani schreibt: “Umweltblogs sind eine wertvolle Quelle für das Verständnis der Natur und Umwelt des Irans sowie ihrer Probleme und Herausforderungen.” Und so wirft er in einer kleinen Sammlung eine Blick auf die Aktivitäten und Erlebnisse iranischer Blogger, die ihre Geschichten und Fotos auf zahlreichen Webseiten zusammengetragen haben. Entstanden ist eine beeindruckende kleine Schau, die einen ganz anderen Einblick in ein gebeuteltes Land gibt und zu weiteren Nachforschungen anregt.

Aufreibend geht es am Dienstag mit Marius Baumann weiter. Seine Satire “Über die Qualität von Erwachsenenbildung heute” sorgte für ordentlich Gesprächs-, aber leider auch Zündstoff, so dass die Kommentarfunktion auf Wunsch des Autors hin leider gesperrt werden musste. Dabei gibt dieser in seinem neuesten Stück durchaus wertvolle Überlegungen zum Besten. “Mit der Wunderwelt der Globalisierung ergeben sich Notwendigkeiten, die man vor Jahren noch nicht ahnte. Die seit PISA vielbeschworene Notwendigkeit zu ‘lebenslangem Lernen’ etwa”, leitet er seine Gedankengänge ein. Was dadurch entstehe seien aber auch neue Berufe, wie etwa der des “Freien Trainers” – früher schlicht “Erwachsenenbilder” genannt. Und dieser ist nun dazu da, um, sagen wir es überspitzt, “lernmüden, vorzeitig gealterten Leuten aus anderen Berufen, die es leider noch gibt (aber vielleicht auch bald nicht mehr) ein paar neue Wissensinhalte zu verpassen”. Ob er dazu befähigt ist, nun, das ist für Baumann allerdings mehr als fragwürdig. Oder doch nicht? Immerhin liegen die Probleme nicht nur bei ihm, sondern auch bei der Zielgruppe, die anscheinend am allerwenigsten den Bedarf einer Weiterbildung anerkennt. Alles in Allem: Keiner hat Spaß daran – egal auf welcher Seite des Pults er sich befindet. Wie es also um die Sinnhaftigkeit solcher Veranstaltungen steht? Baumann hat uns seine Antwort jedenfalls schon “durch die Blume” gegeben…

Sprechende Flatterbälle und ein fragwürdiges Jubiläum

Gestatten, Flatterball Adi…“, läutet Heinz-Peter Tjaden am gestrigen Donnerstag die etwas andere Sicht auf die Fußballeuropameisterschaft ein. Keine verstaubten Spielanalysen, Hintergrundberichte über Mannschaften, Trainer oder Fans… Was dieser Tage nur allzu gewohnt, stellt unser Autor mit seiner Sicht der Dinge einfach auf den Kopf. Aber ist es überhaupt seine Sicht? Nein, er lässt den wohl betroffendsten Kandidaten der ganzen EM sprechen – den Ball selbst. Denn, so sagt dieser: ” das lasse ich mir nicht mehr bieten, ich habe lange genug geschwiegen. Inzwischen bin ich während der Fußballeuropameisterschaft durch alle Stadien in Österreich und in der Schweiz geflogen, Cristiano Ronaldo hat mich gestreichelt, die Holländer haben mich vor sich hergetrieben, Lukas Podolski hat mir nachgeschaut, als ich im polnischen Tor gelandet bin, dennoch ist immer noch nicht Schluss mit der Behauptung, ich würde immer wieder die Flugbahn ändern und so Verwirrung stiften.” Und so wendet sich Adi an die Kommentatoren, deutsche Torhüter und natürlich an das Fernsehen, die ihm, seiner Meinung nach, gewaltig Unrecht tun. Nicht ohne Schmunzeln holt der kleine Adi zum großen Schlag aus und stellt drohend seine ganz persönliche Konsequenz in Aussicht: “Noch so ein Satz und ich platze (…) vor Wut.” Am heutigen Freitag gibt sich Adi schon ruhiger. Mal sehen, wer ihn als nächstes tritt…

Was allerdings für Adi gilt, das gilt nicht unbedingt für andere Autoren. Denn seine ganz eigenen Gedanken über ein, für manchen unter uns denkwürdiges Ereignis, gibt nämlich am heutigen Freitag auch Josef Bordat zum Besten. Der schreibt nämlich: “Ich quatsche, also bin ich. Das Vierteljahrhundert der Mobiltelefonie“. “Vor 25 Jahren kam das erste Handy auf den Markt. Seither hat es sich und uns verändert”, leitet der Autor ein. Was folgt kommt einer Mahnung gleich – an jeden Einzelnen, aber auch an die gesamte Gesellschaft, die heute besser denn je mit den kleinen blinkenden und so überaus unersetzlichen Geräten ausgestattet ist. Denn: “Das Handy verändert das Wesen sozialer Beziehungen und damit auch den Menschen. Der Mensch definiert sich über das Handy, er ist das ‘mobiltelefonierende Wese’”. Eine bizarre Vorstellung? Völlig überspitzte Wahrnehmung? Mitnichten. Bordats einfaches Beispiel während einer Bahnfahrt und des damit einhergehenden Gequatsches aus nichtigen Gründen spricht ebenso Bände wie die “Macht”, die dieses “Wunderwerk der Technik” über uns auszuüben scheint und uns in immer neue Zwänge stellt. “Die ständige Erreichbarkeit, die Unverbindlichkeit, der innere Drang zur Mitteilung bzw. die daraus erwachsende Mitteilungspflicht, die Störung Anderer bzw. die gestörte Kommunikation untereinander und schließlich die Schizophrenie fragmentarischer Raum- und Zeiterfahrung durch die Gleichzeitigkeit von An- und Abwesenheit”, sind hier nur exemplarisch zu nennen. Mobiltelefonie ist mittlerweile mehr als einfach nur erreichbar sein. Bordat attestiert ihr gar religiöse Züge und schließt mit einem nachdenklichen und zugleich mahnenden Satz: “Die Hölle der Handylosigkeit ist die Grundangst der Gegenwart.”

Ein Blick in die Welt der Frauen oder…

… “Mein ganz persönliches Public Viewing“. Im Laufe des heutigen Tages hat sich auch perpetuummobile zu Wort gemeldet. Doch wer in Anbetracht seiner Überschrift schon freudig auf den nächsten Ausflug in die Welt des Fußballs hoffte, der wurde bitter enttäuscht und war vielleicht umso überraschter, was uns der Autor aus seinem ganz privaten Leben zu erzählen hatte. Denn was ist mindestens genauso attraktiv für Männer wie ein Gespräch über das runde Leder? Richtig, ein Blick auf die holde Weiblichkeit. Amüsant und kurzweilig schildert er uns im Folgenden Auszüge einiger Begegnungen mit dem anderen Geschlecht, gibt seine Eindrücke über sein Gegenüber zum Besten und spinnt den einmal angefangenen Faden humorvoll bis zur finalen Krönung weiter. Verschont wird in der Zwischenzeit wenig: Seien es die teuren Seidenstrümpfe in offenen Schuhen, Delfinabziehbildchen als Tattoo, geschiedene Mittvierzigerinnen in der Disco, künstliche Nagelkunst, Anhängsel des geliebten Handy oder etwa Plüschtiersammlungen im Auto der Damen. Doch ein Schelm, wer am Ende Böses dabei denkt…

Mit diesen humorvollen Eindrücken verabschieden wir uns auch schon wieder von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Allerdings geschieht dies heute nicht ohne einige neue Autorinnen und Autoren ganz herzlich auf der Readers Edition willkommen zu heißen. In diesem Sinne: Volker Hensel, Marco W, Christine Masurat, Janna Pinsker, Isabella Surel, Mario Haaf und Jacob Dilßner – schön, dass Ihr uns gefunden habt. Viel Spaß auf der Readers Edition! Ihnen allen nun ein erholsames und hoffentlich sonniges Wochenende. Wir lesen uns nächsten Freitag…

Ihre Redaktion Readers Edition

Photo Quelle/Copyright: Zeitfixierer, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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