… Diese Frage beschäftigt mich eigentlich schon seit Monaten. Nach zwei Tagen intensiver Recherche in den unendlichen Weiten des Internets und mit Hilfe von Google Earth habe ich jetzt die Antwort.
Hier erst einmal die Zusammenfassung
Man nehme 67 bis 100 Prozent Wasserkraft aus dem Ausland, gebe den staatlich festgeschriebenen EEG-Anteil von knapp 14 Prozent dazu und würze das Ganze mit KWK-Anlagen, Wind, Bio und Solar und zum Abschluss kommt ein TÜV-Zertifikat für garantierten 100 Prozent Ökostrom als Sahnehäubchen oben drauf. Das Ganze kann man dann zum sensationellen Preis von 19,80 bis 19,99 Cent/kWh an den werten Kunden verkaufen.
Toll, doch wo liegt der Haken, wo wir doch wissen, das Windstrom mit 7,9 Cent und Solar mit 50 Cent in Deutschland vergütet werden?
Im Vergleich dazu haben die nachgenannten Öko-Stromanbieter nur einen Einkaufspreis von rund fünf Cent/kWh.
Nun wollte ich es endlich genauer wissen und habe mir drei Öko-Stromhändler aus der Nähe betrachtet. Dabei handelt es sich um die Unternehmen “Greenpeace Energy“, “Lichtblick” und die “Elektrizitätswerke Schönau“. Zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich hier den Internetauftritt von “Greenpeace Energy” besonders lobend erwähnen. Es ist alles da, was man braucht, einschließlich aller Stromerzeuger, Energiemix und Preise. Bei den anderen beiden Anbietern musste ich über “Nebenstraßen ” an die Informationen kommen. Sämtliche verwendeten Links sind im Anschluss dieses Artikels als Anlage noch einmal hinzugefügt.
So, jetzt geht es erst einmal zu den Zahlen und Fakten:
Beginnen möchte ich mit den “Elektrizitätswerken Schönau”. Diese Firma bezieht zu 95 Prozent regenerative Energie, davon sind 80 Prozent Wasserkraft und 15,77 Prozent EEG-Strom. Die restlichen fünf Prozent werden aus KWK- Anlagen bezogen. Die EWS beziehen ihren Strom im Jahr 2007 aus vier Wasserkraftanlagen in Norwegen.
Vikessa, Stoltskraft, Follafoss Kraftstasjon und Tyin Kraftverk. Die Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung sind im Besitz der Stadtwerke Tübingen.
“Lichtblick”: Hier gestaltete sich die Suche schon etwas schwerer, weil auf deren Internetseite dazu sehr wenig zu finden war. Eine Liste der Anlagen liegt ROBIN WOOD vor, aus betriebswirtschaftlichen Gründen legt LichtBlick wert darauf, dass diese Liste nicht veröffentlicht wird.
Ich habe nur zwei Anlagen gefunden, Wasserkraft aus Freudenau in Österreich und Graubünden in der Schweitz, die circa 67 Prozent des gehandelten Stromes abdecken. Weitere zehn Prozent werden per Biomasseheizkraftwerk (ca. 100 MW) in Sachsen-Anhalt erzeugt.
Der anrechenbare EEG-Anteil wird mit 16 Prozent angegeben.
“Greenpeace Energy”: Hier sind alle Erzeugungsanlagen wunderbar auf der Internetseite angegeben und das sogar mit der jeweiligen Leistung. Als Strommix gibt Greenpeace folgendes an: 75 Prozent Wasserkraft (durchweg aus dem Ausland), acht Prozent Windkraft und 17 Prozent EEG-Strom. Im Einzelnen bezieht Greenpeace Wasserkraftstrom aus Norwegen und Österreich, Bio-Energie aus Österreich und Windkraft aus Dänemark.
Na lieber Leser, ist Ihnen schon der entscheidende Punkt aufgefallen? Der Löwenanteil des Strommixes ist billiger Strom aus Wasserkraftanlagen im Ausland. Diese Länder, aus denen die oben genannten Firmen ihren Wasserstrom beziehen haben allesamt eine Besonderheit, nämlich bei der Wasserkraft keine EEG-Regelungen.
Dazu möchte ich einen Satz aus einen Greenpeace Dokument zitieren:
“Das EEG hat sich als besonders wirksames Förderinstrument zur Einführung und zum Ausbau der Erneuerbaren Energien erwiesen. Inzwischen gibt es ähnliche Regelungen zur Einspeiseregelung in der EU in den Ländern: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ungarn und Zypern.”
Ein anderes Zitat von “Infra Fürth” sollte das auch sinnvoll ergänzen:
“Warum kommt der Strom nicht aus deutschen Kraftwerken?
In Deutschland wird Strom aus Wasserkraftanlagen nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz vergütet. Die Kosten für deutschen Wasserkraftstrom liegen damit deutlich über dem Marktpreis.”
Aha, aufgrund der EEG in Deutschland holt man seinen Strom aus dem Ausland…
Zum Abschluss noch ein paar physikalisch Betrachtungen.
Die angegebenen Wasserkraftwerke sind vom geografischen Mittelpunkt Deutschlands zwischen 600 bis 1200 km Luftlinie entfernt. Bei einem durchschnittlichen Leitungsverlust von einem Prozent pro 100 km dürfte jedem klar sein, das sechs bis zwölf Prozent des erzeugten Stroms in Deutschland nicht mehr ankommt und als Wärme in die Atmosphäre abgegeben wird. Noch erhellender ist folgender Satz von “Infra Fürth”:
“Zwar ist es physikalisch nicht möglich, dass der Strom aus einem österreichischen Wasserkraftwerk bei Ihnen direkt in Fürth aus der Steckdose kommt. Je mehr Kunden infra natur bestellen, umso höher werden unsere Bestellmengen für Wasserkraftstrom sein.”
In diesen wenigen lapidar hingeworfenen Worten liegt aber die ganze Brisanz des Öko-Stroms aus dem Ausland, der kommt nämlich physikalisch garnicht hier an, bis auf einige kleine Ausgleichsströme.
Wenn man sich dann noch einige Aussagen von “Lichtblick” ansieht, sollte es nun jedem klar sein, was hier wirklich abläuft. Zitat:
“Leitungsverluste im Stromnetz (marginaler Einfluss auf Strommix):
Die bei der Stromversorgung auftretenden Netzverluste werden gesetzlich vorgeschrieben durch die Netzbetreiber ebenfalls in nicht regenerativer Qualität ausgeglichen. Die Kompensation von Leitungsverlusten durch regenerativen Strom bietet derzeit kein Netzbetreiber an.”
“Schwankungen des Jahresstrombedarfs von Haushalten und fehlende Kenntnis der Verbrauchshistorie von Neukunden (marginaler Einfluss auf Strommix): Die Schwankungen des Jahresstrombedarfs von Haushalten sowie die fehlende Kenntnis der Verbrauchshistorie der Neukunden, werden über finanzielle Ausgleichszahlungen an die Netzbetreiber ausgeglichen (sogenannte Mehr- und Mindermengen). Physikalisch werden diese Mengen durch die Netzbetreiber bereitgestellt. Dabei handelt es sich immer um Strom undefinierter Herkunft, Grünstromangebote gibt es derzeit von keinem Netzbetreiber.”
Tja, kommen wir nun zum Fazit.
Ach wissen Sie was, ziehen Sie Ihr Fazit am besten selbst. Ich habe hier nur die Faktenlage dargestellt, um Ihnen einen Denkanstoss zu geben.
Höchstens noch eine Frage an Sie. Wenn wir jetzt den grünen Strom verbrauchen, welchen Strom haben denn nun die Liefernationen in Ihrer Steckdose?
Weiterführendes:
www.greenpeace-energy.de/strom_standorte.php
lichtblick.de/unserstrom/strommitzukunft
www.ews-schoenau.de/
infra-natur.de/
robinwood.de/german/energie/oekostrom/
greenpeace.de/themen/energie/energiepolitik
Hallo Heinz Eng
Der eingekaufte sog. Ökostrom bleibt in den Erzeugerländern. Nur das Zertifikat „Öko-Strom“ wird nach DE übertragen. An die Ökostrom-Kunden wird dafür konventionell erzeugter Strom geliefert. Alle Öko oder was?
Die Betreiber von WKA und PVA erhalten in DE bereits lt. EEG von den Stromkonzernen/Netzbetreibern Ihren Strom vergütet. Diese Zwangsvergütung wird in den Verbraucherpreis der konventionellen Stromerzeuger eingerechnet.
Der gleiche (bereits vergütete) Strom wird dann von den Ökostrom-Anbietern dem Endverbraucher nochmals in den Erzeugerkosten in Rechnung gestellt.
So berechnet z.B. „Greenpeace Energie“ für den reinen Öko-Strom 6,80ct. zzgl. der sonstigen peripheren Kosten.
Alles klar?