Führt der Weg nach Teheran über Bagdad?

Das “EU-Anreizpaket” an Iran vom Wochenende ist geplatzt. Postwendend fordert der scheidende US-Präsident Bush auf seiner Farewell-Tour mit Unterstützung von Briten-Premier Brown schärfere Sanktionen gegen Thereran. Und ganz nebenbei erklärt Bush, noch vor Ende seiner Amtszeit, Bin Laden ausfindig zu machen. Britische Truppen sollen, einem Bericht von Times Online zufolge,

oerzt.jpgDas “EU-Anreizpaket” an Iran vom Wochenende ist geplatzt. Postwendend fordert der scheidende US-Präsident Bush auf seiner Farewell-Tour mit Unterstützung von Briten-Premier Brown schärfere Sanktionen gegen Thereran. Und ganz nebenbei erklärt Bush, noch vor Ende seiner Amtszeit, Bin Laden ausfindig zu machen. Britische Truppen sollen, einem Bericht von Times Online zufolge, ab sofort auf die Jagd nach Osama Bin Laden gehen. Doch der Weg nach Teheran führt wohl oder übel über Bagdad.

Laut dem Bericht der Times forderte G.W. Bush in seiner Farwell-Reise durchEURopa zusammen mit dem britischen Premierminister Gordon Brown am Montag schärfere Sanktionen der EU gegen Iran. Dieser hat angeblich bereits vorgesorgt: 37 MilliardenEURo seien einem unbestätigten Bericht – aber überall zitierten Bericht – zufolge abgezweigt worden.

Militärschlag ist gewollt

Selbst wenn Terheran sich fortan unter Einbezug aller Forderungen bewegt, steht derzeit eines fest: der Krieg gegen den Iran ist nicht nur gewollt. Er wird mit allen Mitteln vorangetrieben. Die Sueddeutsche Online bringt einen Artikel, der sich unter Berufung auf Quellen in der US-Regierung darauf stützt, dass die Falken in der USA eine “Bereinigung” der Iran-Problematik noch vor Ausscheiden von
Präsident Bush erzwingen wollen. Die Ausgangsbedingungen für einen Militärschlag werden von Stategen als so gut wie nie zuvor regisiert. In der Online-Ausgabe der Sueddeutschen fordert James. D. Bindenagel – ein Waschechter Chicago Boy – einen baldigen Schlag gegen den Iran, soweit keine diplomatischen Beziehungen greifen würden. Interperetiert von den Medien sind die diplomatischen Bemühungen bereits durch die Ablehnung des “Wirtschafs-Anreizpakets” durch die Iraner vom Wochenende geplatzt.

Teheran zieht Milliarden ausEURopa ab

Bereits sämtliche renommierte Printmedien wie das Handelsblatt berichten über den Abzug der MilliardenEURo ausEURopäischen Bankenquellen durch den Iran. Dieser angebliche Fakt wird jetzt als Indiz dafür genannt, der Iran habe mit seinem Atomprogramm etwas zu verbergen. Daraus – und aus der unnachgibigen Haltung Theherans – werden “unausgeprochen” (Bindennagel, Sueddeutsche) militärische Aktionen “nicht mehr ausgeschlossen”. Nichts zeugt mehr von Kriegsrhetorik als diese zu Diplomatensprache verhüllten Drohungen. Bleibt die Frage: präsentiert uns Bush Bin Laden alsbald in Theheran?

Iran-Krieg beginnt im Irak

Die Konstruktion der Kriegsgründe gegen Saddam Husseins Irak sind mittlerweile offiziell Lügen gestraft worden. Im US-Senat steht ein Untersuchungsausschuss gegen den Noch-Amitsinhaber Bush an. Der Irak erweist sich immer mehr als destabile Wüste – durchzogen von grünen Zonen. Kürzlich verkündete Regierungschef Al-Maliki seine Weigerung zur Stationierung weiterer Militärbasen im Irak. Doch diese sind für einen US-Militärschlag notwendig. Erinnert sei an die Warnungen des neu ins Amt getretenen CENTCOM-Generals Pracaeus, der bereits im April vor einem Erstarken der iranischen Einflüsse auf den Irak warnte. Der Irak ist daher aus US-militärischer Sicht derzeit mehr von Theheran bedroht als durch Bin Ladens Al-Quaida. Doch weshalb – so die Frage – ist eine Suche nach Bin Laden gerade jetzt für die Koalitionäre gegen den Terror notwendig?

Die Logik – “Terrornest Teheran”

Noch immer schuldet die US-Regierung der Welt eine Antwort auf einen Zusammenhang von Saddam Hussein und Al-Quaida. Die Antworten sind spärlich. Immer wieder begründet wird der Einfall im Irak durch die bloße Präsenz der Al-Quaida im Land. Mal sei diese zurückgedrängt, mal wieder omnipräsent. Dem abendlichen Nachrichten-Konsumenten scheinen diese Fakten widersprüchlich. Zumal der Einfluss von Al-Sadr derzeit entgegen anderslautender Aussagen des US-Militärs wieder an Präsenz zunimmt.

Die allesentscheidende Frage lautet: führt der Weg nach nach Teheran über Bagdad? Derzeit scheinen die Dinge so zu liegen und die offizielle Berichterstattung scheint die Annahme zu schüren, dass wir uns alle auf einen ungeahnten Konflikt hinbewgen.

Ungeachtet der Frage was, wo und wer Bin Laden und die 40 Terror-Schurken sind und wo sie sich auch immer aufhalten. An Inszenierungsmodellen fehlt es derzeit nicht.

Photo Quelle/Copyright: KarlMarx, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

Kommentare

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  1. Guter Artikel…

    Britische Truppen sollen, einem Bericht von Times Online zufolge, ab sofort auf die Jagd nach Osama Bin Laden gehen.

    Man fragt sich, was die bisher gemacht haben.

    Trotz allem muss man aber auch einige Frage stellen:
    1. War es bevor die USA im Irak einmarschierten dort besser als heute?
    2. Was sollte denn jetzt passieren. Sollten sich die “Willigen” dort von heute auf morgen zurückziehen und das Land sich selbst überlassen?
    3. Ist das Regime im Iran toll? Teilt (das Regime, nicht das Volk) unsere Werte und ist es somit “wert”, dass wir uns für es einsetzten?
    4. Welche Gefahr geht vom Iran für Israel aus?
    5. Was ist verwerflich daran, dass der Iran sein Geld zurück zieht. Der erste Schritt des Westens ist immer die Blockierung der Gelder auf die man Zugriff hat.

    Im übrigen ist es mir völlig unbegreiflich, warum in keiner Argumentation die Teheraner Ölbörse vorkommt. Der Iran will keine Dollar mehr, was für die USA ein riesen Problem darstellt. Die ganze “Achse des Bösen” hat nämlich nur eine Gemeinsamkeit: Weg vom Dollar!

    Gruß
    Rainhelt