“Was soll das? Warum wird überhaupt ein Geschichtsthema behandelt?” Diese Fragen hat der derzeitige Kirchenpräsident Wilhelm Leber am 20. Mai 2008 in der Zeitschrift “Unsere Familie – Die Zeitschrift der Neuapostolischen Kirche” gestellt. Seine Antwort: “Dazu ist zu sagen, unsere Geschichte ist Teil unserer Identität. Wir können Sie nicht einfach außer Acht lassen Würden wir die Geschichte ignorieren, wären wir sehr leicht angreifbar. Jeder plötzliche Hinweis auf Geschehnisse der Vergangenheit könnte zu Irritation und Enttäuschung führen. Das Wissen um die Vergangenheit gibt eine sichere Grundlage.”
Das ist eine merkwürdige Begründung, denn so genannte “plötzliche Hinweise auf Geschehnisse der Vergangenheit” sind gar nicht möglich, dazu ist die Literatur über die Neuapostolische Kirche viel zu umfangreich. Man hat sie einfach ins Reich der Lüge, der Verdrehung und Verleumdung verbannt.
Ich weiß, wovon ich schreibe, schließlich haben im Laufe der Jahre mehrere Gebietskirchen der Neuapostolischen Kirche wegen meiner Bücher gegen mich Strafantrag gestellt, am 7. März 1995 warfen mir die Kirchenpräsidenten Hermann Magney und Horst Ehlebracht in sechs Strafanträgen Volksverhetzung, Beleidigung und ähnlich Schlimmes vor. Ein Frankfurter Anwalt schrieb sogar: “Tjaden erweckt den Eindruck, dass die Neuapostolische Kirche ihre Mitglieder so behandelt, wie Hitler die Juden behandelt hat.”
Dagegen protestierte ich beim damaligen Kirchenpräsidenten Richard Fehr, der mir allerdings nicht persönlich antwortete, sondern eine Kanzlei aus Zürich einschaltete, die mir auf einem Briefbogen mit den Namen von 39 Anwälten am 31. Oktober 1995 entgegnete, man habe mein Schreiben zu den Akten gelegt. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits am 28. August 1995 das Verfahren gegen mich “mangels die Anklageerhebung rechtfertigenden Tatverdachts” eingestellt.
Hättest du doch geschwiegen
Anfang des 20. Jahrhunderts dagegen mag es noch “plötzliche Hinweise” gegeben haben. Als sich die beiden evangelischen Pfarrer Kretzer-Strach 1902 in Wittenberg und Handtmann 1903 in Gütersloh auf den Buchmarkt gewagt haben, reagierte der zweite Kirchenpräsident der Neuapostolischen Kirche Hermann Niehaus mit der Schrift “Si tacuisses! (Wenn du doch geschwiegen hättest!)”.
Zu Beginn schrieb er: “Uns kann es für gewöhnlich gleichgültig sein, was gegnerische Geistliche oder die wissenschaftliche Theologie über uns schreiben oder denken, in dem Bewußtsein, dass die Weisheit dieser Welt Gottes Weisheit doch nicht erkennen kann, und Jesu Worten nach müssen wir auch die Erfahrung machen, dass kein Oberster noch Pharisäer an die geoffenbarten Gottestaten glaubt, vielmehr wie die Geschichte bezeugt, die Schriftgelehrten und Pharisäer die gestorbenen für heilig erklärt, aber die lebenden Knechte Gottes zu töten suchen, welches Los der Herr selbst hat teilen müssen.”
Treue Staatsbürger
Für seine Sache rief Hermann Niehaus damals auch die sächsische Regierung auf, diese Regierung nenne die Mitglieder der Neuapostolischen Kirche “strebsame, fleißige, stille und treue Staatsbürger”. Seine Schrift endete so: “Führen wir verderbliche Sekten ein und verleugnen wir den Herrn in seiner Wahrheit? – Das ist von uns nicht zu sagen, wohl aber von den Schriftgelehrten und Pharisäern einst und heute und bis in Ewigkeit!”
Die Auseinandersetzungen endeten nicht, deswegen erschien 1907 im Neuapostolischen Verlag eine Broschüre mit dem Titel “Lichtwaffen zur Abwehr protestantisch-pastoraler Schmähungen über die Neuapostolische Gemeinde”. Worum es dem Verfasser nicht ging, erläuterte er eingangs so: “Man erwarte auch nicht, dass ich mich den feindlichen Kritikern gegenüber zu einer Verteidigung unserer Religionsbräuche herbeilasse; ich weiß, dass Mohren niemals weiß gewaschen werden können, selbst dann nicht, wenn ein Mohr Pastor wird.”
Auch in dieser Schrift fehlte nicht der Hinweis, dass “die Neuapostolischen treue Staatsbürger, Patrioten und ernstgesinnte Christen” seien. Ehemalige Mitglieder bezeichnete der Autor als “Elemente”, deshalb gelte: “Wer prinzipielle Gegner vor sich hat, wie z. B. ausgeschlossene oder abgefallene ungläubige Glieder, abgesetzte Amtspersonen oder gar einen Pastor Schmidt, darf auf ein wahrheitsgetreues sachliches Urteil allerdings nicht rechnen.”
Das Urteil über die evangelische Kirche war nach seiner Auffassung allerdings längst gesprochen: “Wenn jemand vor dem Bankrott steht, dann fängt er vorher erst an, groß zu werden – mit dem Munde nämlich! Die Pastorenkirche kracht in allen Fugen”
Patriotisch gesinnt
“In Wahrung berechtiger Interessen!” folgte “Si tacuisses” auch noch “Abwehr der königstreuen patriotisch gesinnten Neuapostolischen Gemeinde gegen feindliche Angriffe” und verhieß nichts Gutes: “Manche, die solche niedrige Schundschriften geschrieben, sind heute außer Stellung, manche ´Sekte-Schreier´ im Irrenhaus oder Gefängnis. Gott ist ein gerechter Richter!”
Fortsetzung folgt
- Wehe, ihr Franzosen!
Und Sie hetzen weiter gegen den Glauben anderer!
Nicht nur Scientology und die Zeugen Jevovas haben Sie ins Visier genommen.
Wer ist Ihr Gott, Herr Tjaden?