Wir werden länger arbeiten
- Otto Rehhagel: Noch in Lohn und
Brot mit fast 70
Den Fußballfreunden fällt in diesen Wochen der Europameisterschaft auf, dass auf den Trainerbänken der EM meist ältere Herren sitzen. Sieben der 16 Trainer sind über 60 Jahre alt und es sind nicht die schlechtesten.
Zu Bismarcks Zeiten wurden die Deutschen im Schnitt 46 Jahre alt und das Rentenalter wurde damals auf 65 Jahre festgesetzt. Heute werden wir im Schnitt 80 Jahre alt und tun uns schwer mit der Vorstellung, bis 67 zu arbeiten.Seit Bismarcks Zeiten gibt es auch die christliche Soziallehre. Auch sie beschäftigt sich mit der Würde von Arbeiterinnen und Arbeitern und mit dem Sinn von Arbeit. Die christliche Soziallehre tut sich mit der Frage wie lange wir arbeiten sollen und wie die Rente finanziert werden soll nicht leichter als die Gewerkschaften.Den Fußballfreunden fällt jedoch in diesen Wochen der Europameisterschaft auf, dass auf den Trainerbänken der EM meist ältere Herren sitzen. Sieben der 16 Trainer sind über 60 Jahre alt und es sind nicht die schlechtesten.
Spaniens Trainer Aragones und der deutsche Trainer der Griechen, Otto Rehagel, werden in diesen Wochen 70 Jahre alt. Trotz der körperlichen Herausforderung eines Fußballnationaltrainers sind die Spieler der Meinung, dass die älteren Herrschaften ihren Job ganz gut machen. Gewerkschaftsfunktionäre, die noch immer meinen, dass Menschen ab 60 oder 65 körperliche Arbeit nicht mehr zuzumuten sei, müssen offenbar umdenken. Auch christliche Sozialethiker müssen noch lernen, dass man heute auch bei 65-Jährigen eher über die Qualität der Arbeit als über das Alter sprechen sollte. Manche Ältere finden die gängigen Gewerkschaftargumente für eine frühere Verrentung eher würdelos als angemessen.
Ich kenne einen Chefarzt, der dagegen klagen will, dass er mit 65 in Rente soll, nur weil er 65 ist. Junge Arbeitnehmer gleich gute Arbeitnehmer und ältere gleich schlechte: Diese Rechnung geht heute nicht mehr auf. Im Gegenteil: Dass zwei Jahre länger arbeiten soll, wer beinahe doppelt so alt wird wie seine Urgroßeltern, ist für viele Menschen eine schlichte Selbstverständlichkeit.
Natürlich ist es human, für besonders schwere körperliche Arbeit gleitende Übergangszeiten und Altersteilzeit einzuführen. Aber es verstößt nicht gegen die Menschwürde und auch nicht gegen die christliche Sozialethik, das Rentenalter gegenüber Bismarcks Zeiten um zwei Jahre zu erhöhen.
Kroatiens Fußballtrainer Slaven Bilic sagt ohne Neid: “Die älteren Kollegen haben mir in Sachen Erfahrung und Autorität einiges voraus.” Sein Kollege Otto Rehagel hat in Griechenland einen Vertrag bis 2012 – dann ist er 72. Konrad Adenauer war 73 als er Bundeskanzler wurde – und nicht der schlechteste. Beim Thema Rente und Altersteilzeit müssen wir lernen, mehr zu differenzieren und flexibler zu argumentieren.
Das verstößt nicht gegen die Menschenwürde, das ist menschwürdig.
Quelle:
Franz Alt 2008
Photo: Stelios Tsaousidis via wikipedia.org










Rolf Ehlers
Der Beitrag räumt jeden Zweifel aus, dass die zwei Jahre Arbeit mehr für die meisten Menschen leicht zu bewältigen sind. Der Beitrag beschäftigt sich aber zu sehr mit der Retrospektive. Gewerkschaften und christliche Soziallehre sollten
endlich lernen, nach vorn zu denken.
Es ist unübersehbar, dass die Nachfrage nach menschlicher Arbeit gewaltig schwindet. Im Zeichen der Globalisierung, der schrankenlosen Freiheit des großen Kapitals und der weltweiten Niederlassungsfreiheit nimmt der Preis, der für menschliche Arbeit gezahlt wird, unaufhaltsam immer mehr ab. Obwohl Arbeit immer billiger wird, wird sie künftig aber noch weit weniger gefragt sein, weil Computer und Roboter einfach immer preiswerter arbeiten. Lange Zeit hat man gemeint, der Sektor Dienstleistungen könne den Schwund der alten manuellen Arbeit kompensieren. Aber auf diesem Sektor werden im Interesse der Rentabilität ebenso viele Arbeitsplätze vernichtet. Sehen Sie doch nur die Personalpolitik der Banken und der Post!
Menschliche Arbeit wird in absehbarer Zeit einfach nicht mehr das passende Kriterium für die Verteilung der wirtschaftlichen Güter sein. Ich sehe keine Alternative zum bedingungslosen steuerfinanzeirten Grundeinkommen. Darauf kann problemlos persönliches Engagement aufsatteln. Die Menschen werden so ohne wirtschaftliche Not zu selbstgewählter Beschäftigung in jedem Lebensalter anregt.
Zwei Jahre Lebensarbeit mehr sind dann gar kein Thema mehr. Dann hört auch endlich die Zwangsverrentung auf und das Wissen und die Erfahrung der Älteren
werden nicht mehr sinnlos geopfert.
Bei diesem Modell hat aber insbesondere die Jugend eine phantastische Perspektive. Endlich hört es dann auf, dass die jungen Leute relativ arm sind, während der Aufbringung der Kinder wirtschaftlich in Not geraten und erst im Alter Geld haben, um sich “etwas zu gönnen.” Bis dahin leidet jedoch die übergroße Mehrheit der Alten längst an den Volkskrankheiten, gegen die bei blinder Fortsetzung des überkommenen “Gesundheitssystems,” das in Wahrheit eine Bewirtschaftung der Krankheiten ist, scheinbar kein Kraut gewachsen ist. So wie wir heute unsere Welt organisiert haben, leiden Jung und Alt. Das muss überhaupt nicht sein, setzt aber ein wenig Mut und Tatkraft bei den Zuständigen voraus - und nicht nur die täglichen leeren Sprüche in den gleichgeschalteten Medien.
Es ist höchste Zeit, nicht weiter stur an den vormals geeigneten Modellen wie Erwerbsarbeit, Rente und Wohlfahrt zu kleben. Unsere Regierungen müssen die unumgänglichen Änderungen vorausschauend planen, wenn sie sich nicht mit dem sonst absehbaren Zusammenbruch der alten Systeme den Zorn der Volksmassen
zuziehen wollen.
Christian K.
Herr Alt,
Sie haben völlig recht, wir alle sollten Trainer werden. Da ich von Fußball keine Ahnung habe, es aber dennoch werde tun müssen, bitte ich hiermit darum, eine Damentruppe trainieren zu dürfen.
Das geht doch, oder?
Herzerfrischend finde ich den Umstand, daß Sie die Wirtschaftsleistung von 1889 unmittelbar mit der aktuellen gleichsetzen.
Vielleicht sollten wir einfach noch einmal hundert Jahre zurückgehen, dann bekommen wir alle einen Keks - pro Monat.
Wurden Sie bei dieser zutiefst humanen Einschätzung vom Dalai Lama beraten?
Mit dem sind Sie ja angeblich speziell.
Und ja, es stimmt, wir werden länger arbeiten - weil die SPD uns verkauft hat.