Kinder- und Jugendhilfetag in Essen: Offener Brief an Bischof Huber

Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Huber, ehrlich gesagt: Ich habe schon lange nicht mehr in die Bibel geschaut, aber bei der Ausgabe, die sich in meinem Bücherschrank befindet, dürfte es sich um eine längst überholte Übersetzung handeln. Deshalb bitte ich Sie, mir sozusagen auf die biblischen Sprünge zu helfen. In

Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Huber, ehrlich gesagt: Ich habe schon lange nicht mehr in die Bibel geschaut, aber bei der Ausgabe, die sich in meinem Bücherschrank befindet, dürfte es sich um eine längst überholte Übersetzung handeln.

Deshalb bitte ich Sie, mir sozusagen auf die biblischen Sprünge zu helfen. In meinem Gedächtnis haftet ein Satz von Jesus. Er lautet: „Kommet her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Erinnere ich mich richtig? Oder hat sich inzwischen herausgestellt, dass Jesus statt dessen gesagt hat: „Kommt bloß nicht zu mir, wenn ihr Sorgen habt. Ich kann euch nicht helfen“?

Ich kann auch anders?

Warum ich diese Frage stelle? Sehr geehrter Herr Bischof, Sie sind Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, salopp könnte man sagen: Sie sind der oberste Lutheraner. Wenn ich an Luther denke, fällt mir der Satz ein: „Ich stehe hier, ich kann nicht anders.“ Auch das scheint sich geändert zu haben.

Wie ich auf all das komme, was in Ihren Ohren wohl wie blanker Unsinn klingen mag? Deswegen: In Essen fand Ende dieser Woche der 13. Kinder- und Jugendhilfetag statt. Dort treffen sich Frauen und Männer, die sich mit den Rechten von Kindern beschäftigen. Das ist ein wichtiges Thema. Dafür interessieren sich auch Menschen, die ihre Kindheit in kirchlichen Heimen verbracht haben und als Erwachsene immer noch darauf warten, dass man ihnen endlich erklärt, warum sie in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren misshandelt, gedemütigt und missbraucht worden sind.

Heimkinder kommen nicht rein

Zwei dieser ehemaligen Heimkinder sind nach Essen gefahren, sie benötigten Gehhilfen für den beschwerlichen Weg und erreichten den Osteingang der Halle. Sie hatten Handzettel mit einem Artikel dabei, in dem sich der Caritas-Präsident Peter Neher öffentlich bei den Opfern kirchlicher Heimerziehung entschuldigte, an ihren Gehhilfen hatten sie Hinweise angebracht, damit jeder sofort wusste: „Wir sind ehemalige Heimkinder.“

Dennoch stellten sich Sicherheitsleute dieser Frau und diesem Mann in den Weg. Sie sollten die Halle nicht betreten, später wurden sie sogar des Geländes verwiesen. Das sorgte für Aufsehen, Mitarbeiter des Essener Jugendamtes versorgten die beiden ehemaligen Heimkinder mit Obst und Gebäck und versicherten, dass dieser Vorfall noch Folgen haben werde. Anwesend war auch ein Fernsehsender.

Veranstalter informiert

Ich habe den Veranstalter des 13. Kinder- und Jugendhilfetages sofort über die Erlebnisse der beiden ehemaligen Heimkinder informiert, die für viele schon lange keine Unbekannten mehr sind. Fernsehsender und Zeitungen berichteten über ihr Schicksal, auch heute noch ist von ihnen zu hören: „Wir glauben, dass man uns helfen wird.“ Dass sie diese Hoffnung noch haben, finde ich bewundernswert, denn bei Demonstrationen machen sie bislang die Erfahrung, dass sich die Verantwortlichen vor einem Gespräch drücken.

Sie, sehr geehrter Herr Bischof Huber, haben ein Grußwort zum 13. Kinder- und Jugendhilfetag geschrieben, vor Wochen haben mir die Organisatoren mitgeteilt, dass es in Essen auch um das Schicksal ehemaliger Heimkinder gehen werde. Für die Betroffenen aber gilt Wolfgang Borchert: „Draußen vor der Tür“?

Als Redakteur beschäftige ich mich seit einigen Monaten mit diesem Thema, der Caritas-Präsident Peter Neher, der auch in Essen weilen soll, antwortete mir erst über die Pressesprecherin dieser Organisation, als ich ihm ein Einschreiben per Rückschein geschickt hatte. Auf die konkreten Anliegen ehemaliger Heimkinder ging sie jedoch nicht ein.

Sehr geehrter Herr Bischof Huber, verstehen Sie nun, warum für mich der Verdacht nahe liegt, dass meine Bibel ziemlich verstaubt sein muss?

Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

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  1. Schwerstbehinderte Opfer von Heimgewalt vom Jugendhilfetag vertrieben

    Am 19.06.08 stand ich mit einem ebenso schwer behinderten Freund (wir sind beide auf Gehstock und Rollator angewiesen) und einem Begleiter (ehem. Feldwebel der Luftwaffe) vor dem Eingang “Ost” der Essener Grugahalle, wo der von der AGJ in Berlin veranstaltete und für jedermann zugängliche 13. Deutsche Kinder und Jugendhilfetag stattfand. Am Rollator hatte ich ein Schild befestigt mit Aussage:

    “Ehem. Missbrauchtes Heimkind bittet um Milde Gabe für warme Mahlzeit”, mein Partner “48 J. unschuldig in Psychiatrie durch Heimverbrechen des Ordens ADJC”, “Bitte um Spende fürs Essen”. Wir beide leben zusammen von “205 EU.- im Monat! (Info http://www.willi-kappes.de und http://www.hermine-schneider.de) Als Handzettel verteilten wir den Artikel einer Zeitung, wo sich der Caritaspräsident Peter Neher bei den Opfern öffentlich entschuldigt hatte! Der “Security-Dienst der Halle verwies uns zunächst vom Eingang, später vom ganzen Gelände mit der Begründung: “Das sei von der AGJ dem Veranstalter so angeordert worden“ und drohte mit der Polizei!

    Um eine Eskalation zu vermeiden stellten wir uns (nur ich und Willi ) am Taxistand. Mein Begleiter konnte mit viel Glück in die Halle hinein!

    Nun solidarisierten sich Personen mit uns, als diese das Vorgehen gegen uns schwer behinderten Opfern sahen. Es waren Mitarbeiter des LVR, der Caritas und Besucher. Diese spendeten uns zu essen und zu trinken, auch kleine Geldspenden! Vom AGJ wurde uns nicht mal ein Glas Wasser gegeben!

    Der anwesende Fernsehsender “Concept TV” und der Security-Dienst zitierte “mit den ehemaligen „Heimassos“ wünschen wir keinen Kontakt und kein Gespräch!” Nennt man das die versprochene Aufarbeitung der Heimverbrechen der 50ziger bis 70ziger Jahre? Ist das die “Opferhilfe“?

    Das vor der Halle auf dem Vorplatz im Zelt anwesende Jugendamt der Stadt Essen gab uns nach unserem erniedrigenden und unmenschlichen Bericht über den Jugendhilfetag Obst und Gebäck und versicherte uns mit unserer schlechten Erfahrung bei der Stadt und dem Veranstalter vorstellig zu werden und uns über den Verlauf zu informieren. Ich wünsche mir eine Entschuldigung des AGJ !

    Am nächsten Tag rief ich in Berlin bei der AGJ an und eine dort vom Band angegebene weitere Rufnummer. Dort war eine Frau am Telefon, als ich über meine Erfahrung beim Jugendhilfetag berichtet hatte, wollte sie umgehend nach Essen fahren und die Verantwortlichen zur Rede stellen und mich dann später zurückrufen, was bis heute nicht erfolgte. (Bis Freitag Abend)

    Wir appellieren an die AGJ (Projektbüro13.DJHT) sich bei uns (in der Kindheit im Heim angetane Verbrechen, (wodurch wir schwerstbehindert wurden) zu entschuldigen, denn es war durch dieses Verhalten eine Retraumatisierung erfolgt!!!!

    Gerade die Hilfe einiger um unser Leid wissender Personenkreis bestätigt das an uns an diesem Tage begangene Unrecht. Der LVR kündigte vor kurzem in der Presse an, den Opfern der “Schwarzen (braunen) Pädagogik zu helfen. Daran glauben wir noch. Die Diskriminierung auf dem Jugendhilfetag lässt aber leider wieder Zweifel an der Glaubwürdigkeit solcher Pressemitteilungen aufkommen.

    Die Caritas Heinsberg soll es einstellen die ehemaligen Heimkinder mit Unterlassungserklärungen und Haftandrohungen zu verfolgen nur weil sie auf ihre Misshandlungen hinweisen. Reden Sie mit den Opfern oder ist die Caritas zu Blindwütig.
    Der LVR sucht dringend überlebende Opfer aus dem Jugendheims Halfeshof in Solingen. Betroffene können sich unter einer Hotline-Nummer des LVR Köln melden.

    Die Nummer der LVR-Hotline: 0221/809-4001