„Ich bin sicher, dass wir eine beeindruckende Leistung abliefern werden“, hat „Sport-Bild“ in einem Sonderheft den türkischen Trainer Fatih Terim vor Turnierbeginn zitiert. Allerdings wisse er noch nicht, mit welchem Personal er zur Fußballeuropameisterschaft reisen werde, sagte Terim seinerzeit.
Auch vor dem Spiel gegen Deutschland am Mittwoch in Basel sind die türkischen Personalfragen noch nicht beantwortet. Derzeit lässt der 54-Jährige verlauten, dass er seinen dritten Torwart als Feldspieler einsetzen werde. Diese Ankündigung wird in die türkische Märchensammlung eingehen.
Türken haben Personalsorgen
Zweifellos plagen Fatih Terim Personalsorgen, Nihat fällt verletzt aus, Tuncay, Arda und Emre Asik sind gesperrt, der einsatzfähige Kader ist auf 14 Spieler geschrumpft, doch ein Sommermärchen ist es für die Türken schon jetzt, was bei den Spielen in Basel, Genf und Wien geschehen ist, als habe der Trainer irgendwo einen Baum stehen, der ihm alle Wünsche erfüllt, wie in dem türkischen Märchen von der schlanken Birke, die einem alten Ehepaar zu Holz für den Winter, Mehl und Gold verhilft, doch dann ist dieser Baum nicht wieder zu erkennen: „Ihre goldenen Blätter waren abgefallen. Kahl und grau stand sie da.“
Wie zwei Tage vor dem Spiel in Basel das türkische Team? Zum Rasen passen würde das zwar, denn der neu aufgerollte Flickenteppich im Baseler Sankt-Jakob-Park sieht so jammervoll aus wie es angeblich um die Erfolgsaussichten der Last-minute-Mannschaft vom Bosporus bestellt ist, aber einen Tag nach dem Spiel ist Fatih Terim drei Jahre im Traineramt und besagtes Märchen endet damit, dass sich das alte Ehepaar in Bären verwandelt, die allen einen Schrecken einjagen.
“Bild” ganz zahm?
Die „Bild“-Zeitung gibt sich derweil ganz zahm, sie will bis Mittwoch die deutsch-türkische Freundschaft pflegen, hat Chefredakteur Kai Diekmann angekündigt, zusammenarbeiten werde dafür das deutsche Boulevardblatt mit der türkischen Zeitung „Hürriyet“, während in München der Prozess gegen die beiden U-Bahn-Schläger begonnen hat, die Ende Dezember vorigen Jahres einen Rentner zusammenprügelten.
Hoffentlich ist noch niemand auf die Idee gekommen, die damaligen Hetzartikel der „Bild“-Zeitung hervorzukramen, die ab dem 28. Dezember 2007 erschienen sind. Der Startschuss fiel seinerzeit mit der Überschrift „Wer in Deutschland lebt, hat die Faust unten zu lassen.“ Dieser Satz stammte vom derzeitigen geschäftsführenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch.
Fans klüger als “Bild”
Doch meistens sind die Fans klüger als „Bild“-Redakteure. Wie das Spiel auch ausgehen mag (vielleicht mit einem 23 : 22-Erfolg der Türken kurz vor ein Uhr im Elfmeterschießen), Grund zur Freude haben die Anhänger beider Mannschaften schon jetzt, denn: Ausgeschieden sind bereits Portugal, Frankreich, Italien, die Niederlande, Kroatien, die beiden Gastgeber und Griechenland.
Das wäre was: Die Türkei wirdEURopameister und feiert diesen Erfolg gemeinsam mit den Griechen auf der Insel Zypern! Jens Lehmann hat derweil angekündigt, dass er am Mittwoch sein „Leben geben“ werde. Das muss nun wirklich nicht sein, aber diese Schlagzeile passt: zu „Bild“ – nicht zum Spiel Deutschland gegen die Türkei
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