Neuapostolische Kirche: Geschichtsvortrag ging gründlich daneben (VII)

“Massive Kritik der letzten Jahre aus den eigenen Reihen, Kirchenschließungen und -verkäufe (in Berlin zeitgleich 28 Gemeinden) sowie permanenter Mitgliederschwund zwangen die Kirchenleitung zu einem so genannten Öffnungsprozess und mehreren Reformankündigungen im Sinne einer Flucht nach vorn. Die Aufarbeitung der eigenen verdrängten Vergangenheit in den beiden Weltanschauungsdiktaturen befindet sich seit

“Massive Kritik der letzten Jahre aus den eigenen Reihen, Kirchenschließungen und -verkäufe (in Berlin zeitgleich 28 Gemeinden) sowie permanenter Mitgliederschwund zwangen die Kirchenleitung zu einem so genannten Öffnungsprozess und mehreren Reformankündigungen im Sinne einer Flucht nach vorn. Die Aufarbeitung der eigenen verdrängten Vergangenheit in den beiden Weltanschauungsdiktaturen befindet sich seit Jahren im Stadium der Bemühungen”, hat Olaf Wieland aus Reinbek bei Hamburg in einem Forschungsbericht angemerkt, der im Jahrbuch 2007 des Vereins für Freikirchenforschung (Münster/Westfalen) erschienen ist. Dieser Autor ist Mitglied der Neuapostolischen Kirche (NAK) und gehört zu den kritischen Kreisen in dieser Glaubensgemeinschaft, die seit geraumer Zeit die Finger in die NAK-Wunden legen.

In der Außendarstellung zeichnet die NAK aber weiterhin ein Bild der Einheit. Das hat sich Anfang 2006 so angehört: “Der große Mann Gottes unserer Tage, der Träger des höchsten Amtes unserer Kirche, ist bei uns. Wir haben erlebt, dass Gott mit ihm ist und dass er ihn unter uns groß gemacht hat.” (“Unsere Familie – Die Zeitschrift der Neuapostolischen Kirche”, 20. März 2006) Dieser “große Mann Gottes” heißt Wilhelm Leber, bekleidet seit Pfingsten 2005 das höchste Amt in der NAK (=Stammapostel) und ist verheiratet mit einer Enkelin von Johann Gottfried Bischoff, der am 25. April 1933 die folgende Anordnung gab: “Aufnahme von Personen aus aufgelösten staatsfeindlichen und freidenkerischen Organisationen. Es ist zu erwarten, dass nunmehr aus genannten Lagern manche versuchen werden, sich einer Religionsgemeinschaft anzuschließen, ohne dabei die Absicht zu haben, wahres und positives Christentum zu pflegen.

Personalien der NSDAP vorlegen

Wenn solche Leute unsere Gottesdienste besuchen, ist streng darauf zu achten, ob sich dieselben auch wirklich von ganzem Herzen umzustellen suchen und bemüht sind, wahre Christen und ehrbare Bürger des Staates und der Gemeinde zu werden. In Zweifelsfällen wird es gut sein, die Personalien solcher Personen der zuständigen Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei zur Nachprüfung vorzulegen, ob zu erwarten ist, dass sich diese Leute innerhalb der Gemeinde in staatsfeindlichem Sinne betätigen könnten. Die Aufnahme solcher Personen darf erst dann stattfinden, wenn die Unbedenklichkeitserklärung der NSDAP vorliegt.”

Unerwünschte Autoren

Zwei Tage vor dieser Anordnung wurde die erste Verbotsliste unerwünschter Autoren veröffentlicht, auf dieser Liste standen Namen wie Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Heinrich und Klaus Mann, Erich Maria Remarque und Kurt Tucholsky, die somit die von der NAK geforderte Unbedenklichkeitserklärung nicht mehr hätten vorlegen können.

Der 1. Mai 1933 wurde zum ersten Mal als “Feiertag der nationalen Arbeit” begangen, der neuapostolische Kirchenpräsident Johann Gottfried Bischoff ordnete an, dass alle den neuapostolischen Gemeinden gehörenden Grundstücke mit der Hakenkreuzflagge und mit der Fahne Schwarz-Weiß-Rot zu schmücken seien.

24 Stunden später überfielen SS und SA alle Gewerkschaftshäuser, Redaktionsbüros der Gewerkschaftspresse und die Büros der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Gewerkschaftsfunktionäre wurden ins Gefängnis geworfen.

Fortsetzung folgt…

-NAK-Spenden für “nationale Arbeit”

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