Black Public Relations im Web bekämpfen
Artikel von Matthias Süß vom 15.07.2008, 09:21 Uhr im Ressort Politik, Web & Technik | 8 Comments
Das Internet unterscheidet nicht zwischen Wahrheit, Halbwahrheit und Lüge. Es transportiert Informationen, verteilt diese global und in Echtzeit. Das meinungsbildende Web 2.0 wirkt dazu bei sensationellen Meldungen als Durchlauferhitzer. Eine existenzbedrohende Tatsache für Unternehmen, Organisationen und Personen. Wie mit gezielter Verleumdung und Desinformation, den häufigsten Formen von [1] Black PR (Public Relations) umzugehen ist, zeigt in zugespitzer Form der laufende Präsidentschaftswahlkampf in den USA.
Um das zeitlich begrenzte Wohnrecht im Weissen Haus wurde noch nie - oder zumindest in den vergangenen 150 Jahren - mit Samthandschuhen gerungen. Verleumdungen und gezielt gestreute Falschmeldungen gehörten schon immer dazu. Doch inzwischen muss man nicht mehr einen Redakteur bei der New York Times kennen, um eine Nachricht effektiv in Umlauf zu bringen.
Es ist dank [2] Technorati und [3] Google Blogsearch gar nicht so schwer Blogger zu finden, die negative Meldungen über den politischen Gegner dankbar aufnehmen. Ein Hinweis im Kommentar hier, eine Email mit angeblichen Beweisen dort, das ganze in News Communitys gehypt und schon raschelt es im digitalen Blätterwald. Schlimmstenfalls greifen Rundfunk und Druck-Presse das Thema auch noch auf. Um diesen Worst Case zu verhindern, heisst es schnell zu reagieren, eindeutige Gegenbeweise zu präsentieren und die Verursacher bloß zu stellen.
Neutralisierung von Black PR
Noch legen die beiden verbliebenen Kandidaten den Schwerpunkt auf die traditionellen Medien, auch wenn es um die Bekämpfung von Black PR geht. Allerdings ergänzt der demokratische Bewerber Barack Obama - zwar zeitverzögert und etwas zaghaft, aber immerhin - seine Kampagne um eine Onlinekomponente: Zum ersten Mal gibt es mit [4] Fight the Smears ein offizielles Portal, das ausschließlich für die Neutralisierung von Black PR konzipiert wurde.
Der Wahlkampfstab von Obama hat mit der Seite fast alles richtig gemacht, beispielsweise kann die die Wahrheit ganz einfach via Emailformular auch Freunden und weniger Bekannten mitgeteilt werden. Was fehlt ist die Möglichkeit mittels RSS immer auf dem aktuellen Stand zu sein. Der durchaus bewährte Emailverteiler reicht alleine nicht mehr aus. Auch wird auf dem Portal nicht auf alle verleumderischen Angriffe eingegangen. Vielleicht steckt dahinter die Befürchtung, diese Fakten erst einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen, vielleicht ist aber auch fehlendes Vertrauen in das Medium der eigentliche Grund. Jedenfalls ist es eine völlig falsche Einschätzung, denn es ist einfacher eine Kerze auszublasen, als einen Flächenbrand zu löschen.
Eine sehr schwerwiegende Antwort auf die Frage, warum es denn eine möglichst zeitnahe Reaktion so dringend geboten sein soll, heisst Google. Kaum ein Journalist der nicht die führende Suchmaschine (oder eben Yahoo!, die Nummer 2) für seine Recherchen nutzt. Hier muss sich als erstes [5] Suchergebnis die eigene Sicht der Dinge stehen. Notfalls müssen Anzeigen geschaltet werden, die bei der [6] Suche nach den entsprechenden Begriffen eingeblendet werden. Meist ist dann die Recherche für den Journalist beendet, weil eben kein Skandal existiert.
Was - vor allem Unternehmen und Organisationen - aus der Beobachtung der US-Wahlkampfschlacht mitnehmen können:
Die Abwehr von Black PR, hier im Artikel beschränkt auf Verleumdung und Desinformation, ist ein unterschätztes Thema - bis man selbst davon betroffen ist.
Artikel aus "Readers Edition": http://www.readers-edition.de
Link zum Artikel: http://www.readers-edition.de/2008/07/15/black-public-relations-im-web-bekaempfen/
Links im Artikel:
[1] Black PR (Public Relations): http://www.rentaseo.de/definition-black-public-relations
[2] Technorati : http://www.technorati.com
[3] Google Blogsearch: http://blogsearch.google.com
[4] Fight the Smears: http://my.barackobama.com/page/content/fightthesmearshome/
[5] Suchergebnis: http://de.wikipedia.org/wiki/Natural_Listings
[6] Suche nach den entsprechenden Begriffen: http://de.wikipedia.org/wiki/Suchmaschinenwerbung