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Politik

John McCain in der Rumsfeld-Falle

Montag, den 28. Juli 2008 um 12:47 Uhr von Martin Stahlke
Die Achse der Wiesel ist wieder da.
Photo:Wikipedia

Erinnert sich noch jemand an Donald Rumsfeld? Damals, im Januar 2003, presste der seinerzeitige Verteidigungsminister der USA zwischen den vor Wut zusammengebissenen Zähnen hervor, dass Deutschland und Frankreich das alte Europa und ein Problem seien. Die französische und deutsche Ablehnung des Irakkriegs war ein Frevel und die Haltung insgesamt nicht folgsam genug. Freunde stünden einander bei, statt sich in den Rücken zu fallen, war gemeint und in Rumsfelds Kosmos bedeutete das, das wer nicht schwanzwedelnd in den Abgrund folgt, sein Freund nicht sein kann.

French Fries und die Axis of Weasels

In Folge wurde es jenseits des Atlantik recht kreativ, wenn es darum ging, die Verbündeten aus Europa, die in dem völkerrechtswidrigen Angriff auf den Irak keine Verbündeten sein wollten, als Feinde zu demarkieren und zu beleidigen. Aus den French Fries wurden Freedom Fries, weil das Wort „französisch“ im US-amerikanischen Begriff für Pommes Frites den US-Amerikaner unerträglich erschien. Die New York Post veröffentlichte eine Fotomontage auf ihrer Titelseite, auf der der deutsche und der französische Botschafter als Wiesel dargestellt wurden – von der „Axis of Weasels“ war die Rede, die Achse der feigen Heuchler. Die Botschaft hinter all dem war klar: Wer den USA in der Not nicht blindlings folgt, ist ein Feigling und nicht ihr Freund, unabhängig davon, ob der Weg den die USA beschreiten, der richtige ist oder nicht. Und nicht nur aufgrund der übergroßen deutschen Ablehnung der Politik der Bush-Administration, sondern auch aufgrund dieser beleidigenden und antipluralistischen Vorwürfe erkaltete in Folge das US-amerikanisch-deutsche Verhältnis bis hinunter in die Minusgrade.

“Ein Pulk kriecherischer Deutscher”

Deutlicher könnte nun der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain nicht machen, dass er in Sachen Außenpolitik nichts anderes vorhat, als der Politik Bush Juniors, Rumsfeld, Perle und Wolfowitz zu folgen. Im Streit um den Besuch seines designierten Konkurrenten der demokratischen Partei, Barack Obama in Berlin, ließ McCains Sprecher gegenüber dem rechtskonservativen Fernsehsender Fox News nun verlauten, Obama habe in Deutschland vor einem „Pulk kriecherischer Deutscher“ (a throng of fawning germans) gesprochen. Diesen Pulk habe Obama einem Besuch verwundeter US-Soldaten vorgezogen und das zeige seine politische Unerfahrenheit und seine Unfähigkeit als Commander in Chief. In der Tat war der Besuch Obamas am Krankenbett der in Deutschland versorgten Verwundeten ein Punkt in der Planung der Obama Kampagne – auf Gesuch des US-Verteidigungsministeriums jedoch fallen gelassen worden.

Die deutsche Reaktion auf Obamas Auftritt ein Popstarphänomen

Ohne Zweifel kann man die Menge der Besucher an der Siegessäule am vergangenen Donnerstag als Phänomen bezeichnen – und kritische Fragen sind angesichts der breiten Zustimmung, die sich dort breit machte, auch möglich, vielleicht sogar nötig. Doch wer die Veranstaltung und die Reaktionen vor Ort betrachtete und nach negativen Interpretationen der Begeisterung suchte, fühlte sich eher genötigt, von einem gewissen Popstar-Hype zu sprechen. Nicht zu unrecht, hat Obama doch, vor allem im Vergleich zu deutschen Politikern, weit aus mehr von der Populärkultur in seinem kleinen Finger als Angela Merkel oder Frank-Walter Steinmeyer in der ganzen Hand. Die überraschend starke Wirkung des Senators aus Illinois aber darauf zu beschränken, wäre zu kurz gesprungen. Dies würde bedeuten, die radikale Ablehnung der Politik Bush Juniors, die mit Bomben auf Bagdad und rechtsfreien Räumen wie in Guantanamo ein New American Century zu etablieren versuchte, zu unterschätzen. Und eben die an Obama geknüpfte Hoffnung, dass es statt dieser zur Not auch über die Leichen von Freundschaften gehenden Hegemonialbestrebungen wieder mehr Zusammenarbeit und tatsächliche Freundschaft – jene, die auch unterschiedliche Standpunkte aushält – geben könne. Von kriecherischer Unterwürfigkeit jedenfalls war nicht viel zu spüren.

Der Weg des transatlantischen Verhältnisses nach dem 4. November

Ob Obama im Falle eines Sieges tatsächlich diesen Weg beschreiten wird, muss sich erst noch zeigen. Dass John McCain es nicht tun wird, kann nun wohl als bewiesen angesehen werden. Gewiß ist natürlich, für den Wahlausgang am 4. November spielt kaum eine Rolle, was das Ausland im allgemeinen oder Deutschland im speziellen denkt. Gewiß ist aber auch, wie sich das Verhältnis zwischen den USA und Europa entwickeln wird, wenn McCain gewinnt: Weiter auf dem Weg der feindlichen Arroganz der USA und des sich enttäuscht abwendenden Europa. Ob sich die USA das in Zeiten des Krieges und der zusammenbrechenden Binnenwirtschaft leisten können?

Hier können Sie das Interview mit Tucker Bonds, John McCains  Sprecher sehen:


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3 Reaktionen zu “John McCain in der Rumsfeld-Falle”

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  1. Jan van Winried

    am 28. Juli 2008 um 13:59 Uhr | Link | Kommentar melden

    “Ohne Zweifel kann man die Menge der Besucher an der Siegessäule am vergangenen Donnerstag als Phänomen bezeichnen …”

    Für mich das beunruhigenste Zeichen: Die Deutschen gieren regelrecht auf den großen Charismatiker, der sie (wieder) hinters Licht führt. Eine Tatsache, die von der deutschen Berufspolitikerkaste bisher ignoriert wurde, die allerdings nicht unbemerkt geblieben ist. Daher “predige” ich auch immer und überall gegen die Überwachungstechnologien, die in der Hand von Demokraten noch stumpfe Waffen sein mögen, in der Hand eines Diktators die nächste Welle der Massenvernichtung von Menschen bedeuten.

  2. Rolf Ehlers

    am 28. Juli 2008 um 18:43 Uhr | Link | Kommentar melden

    Welche Arroganz eines Politikers, der doch weiß, dass unsere Politiker sich spätestens seit Merkels Andienen bei Bush vor der letzten Bundestagswahl unisono dem Druck der amerikanischen Politik gebeugt haben und keine eigenen Politikansätze auch nur versuchen! Jetzt sollen die Kriecher sich auch unter den Peitschenschwingern die Richtigen aussuchen!

  3. j3s

    am 27. August 2008 um 02:55 Uhr | Link | Kommentar melden

    […]Erinnert sich noch jemand an Donald Rumsfeld? Damals, im Januar 2003, presste der seinerzeitige Verteidigungsminister der USA zwischen den vor Wut zusammengebissenen Zähnen hervor, dass Deutschland und Frankreich das alte Europa und ein Problem seien. Die französische und deutsche Ablehnung des Irakkriegs war ein Frevel und die Haltung insgesamt nicht folgsam genug. Freunde stünden einander bei, statt sich in den Rücken zu fallen, war gemeint und in Rumsfelds Kosmos bedeutete das, das wer nicht schwanzwedelnd in den Abgrund folgt, sein Freund nicht sein kann.[…]

    Ja! Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern!

    Und was soll diese Geschichtsklitterung?

    Will der geneigte Autor an der verlogenen Legende weiterspinnen, dass D & F die Gefolgschaft aus weiser Voraussicht oder gar Friedensliebe verweigert haben?
    Jeder einiger Massen informierte Bürger weiß doch genau, dass Chirac lediglich um die Einflusssphäre im Sadam-Irak besorgt war und unser Gerd den Krieg für seinen populistischen Wahlkampf ausschlachten wollte!

    Die Resultate dieser Politik treten allmählich zu Tage. Die aktuelle Hegemonialpolitik der Russen ist die unmittelbare Folge dieser Spaltungspolitik der von damals.

    […]Gewiß ist aber auch, wie sich das Verhältnis zwischen den USA und Europa entwickeln wird, wenn McCain gewinnt: Weiter auf dem Weg der feindlichen Arroganz der USA und des sich enttäuscht abwendenden Europa. Ob sich die USA das in Zeiten des Krieges und der zusammenbrechenden Binnenwirtschaft leisten können?[…]

    Bleibt nur zu hoffen, dass die enttäuschte Abwendung der €U nicht in einem Schock endet, wenn wir bei der 180° Drehung in die hässlich Fratze unseres (Noch)-Gaslieferanten blicken müssen!

    j3s

    j3s

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