Internationale Bestseller in südkoreanischen Kasernen verboten

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat eine Schwarzliste veröffentlicht, die den Rekruten die Lektüre von insgesamt 23 Titeln verbietet. Die Liste umfasst nationale wie internationale Bestseller. Ein Sprecher des Ministeriums rechtfertigte das Leseverbot damit, dass die Ausbildung der Soldaten dadurch Schaden nehmen könne. Internetbuchhändler gehen mit der vom Militär verbotenen Bücherliste auf Kundenfang.

schwarzl.jpgDas südkoreanische Verteidigungsministerium hat eine Schwarzliste veröffentlicht, die den Rekruten die Lektüre von insgesamt 23 Titeln verbietet. Die Liste umfasst nationale wie internationale Bestseller. Ein Sprecher des Ministeriums rechtfertigte das Leseverbot damit, dass die Ausbildung der Soldaten dadurch Schaden nehmen könne.

Internetbuchhändler gehen mit der vom Militär verbotenen Bücherliste auf Kundenfang.

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Keine “aufrührerischen Schriften” in südkoreanischen Kasernen erlaubt

Vor einigen Tagen kam heraus, dass das Verteidigungsministerium den Offizieren das Lesen von bestimmten Schriften beim Militär verbietet. Auf der Verbotsliste stehen ins Koreanisch übersetzte internationale Titel, wie “The Bad Samaritan” vom angesehenen Cambridge-Professor Chang Ha-joon und “Die Globalisierungsfalle” von  Harald Schumann und Hans-Peter Martin.

Die Titel “Bad Samaritans”, “Die Geschichte der Republik Korea”  (Han Hong-gu) und “Die Globalisierungsfalle” werden vom Verteidigungsministerium als “gefährdende Propagandaschriften” eingestuft. “Bad Samaritans” fällt außerdem noch in die Rubrik “anti-amerikanisch” und “staatsfeindlich”.

Bestseller-Autor versteht die Welt nicht mehr

Auf Anfrage einer Tageszeitung sagte der Autor des Bestsellers, er habe gar nicht gewusst, dass es so eine offizielle Kategorie wie “gefährdende Schriften” überhaupt gebe. “In dem Buch wird die Wirtschaftsentwicklung der USA im 19. und 20. Jahrhundert gelobt. Ich weiss nicht, wie man so ein Buch als ‘anti-amerikanisch’ einstufen kann.”

Außerhalb der Kasernen erfreuen sich Bücher jedoch größter Beliebtheit. Noch vor den Pressemeldungen am vergangenen 31. Juli wurden pro Tag jeweils rund zehn der beliebtesten Titel verkauft. Nachdem die Schwarzliste des Ministeriums bekannt wurde, stiegen die Verkaufszahlen auf ein Fünffaches.

Buchhandel freut sich über die Werbung

Buchhändler machen sich die Gelegenheit zu Nutze und betreiben aktives “gefährdete-Schriften-Marketing”, wie es bereits in der Branche heißt. Der Kasernenverbot des Verteidigungsministers scheint unter den Zivilisten den genau umgekehrten Effekt zu haben.

Insbesondere fällt der Internetbuchhändler “Aladdin” auf, der auf seiner Webseite, die vom Ministerium verbotenen 23 Titel je nach Verbotskategorie auflistet. Die Kategorien beinhalten Bücher, die von der Militärführung als “nordkoreafreundlich”, “anti-amerikanisch”, “staatsfeindlich”, “gefährdend-aufwieglerisch” und “anti-kapitalistisch” eingestuft wurden.

Das Aladdin-Portal hat eine Aktion gestartet, bei der Leser der Titel ihre Buchkritik auf einem dafür eingerichteten Forum hinterlassen können. Sie werden dafür mit Buchgeschenkgutscheinen belohnt.

Leseverbot steht im Schatten der Diktatur-Zensur vergangener Dekaden

Südkorea blickt auf eine dunkle Geschichte jahzehntelanger Diktatur samt Zensur zurück. Bis Anfang der 90er Jahre standen viele Bücher auf dem Index für “staatsgefährdende Schriften”. Insbesondere das Nationale Sicherheitsgesetz, das aus dem Jahr 1948 stammt, sorgt immer wieder für unzeitgemäße Verbote und Verurteilungen.

Der Sprecher des Verteidigungsministerium äußerte auf Anfrage der Presse, dass man eine Revidierung der Schwarzliste prüfen könne. Das Verbot bleibe jedoch vorerst bestehen. Auch der Befehl, entsprechende Bücher von den Offizieren einzusammeln, werde durchgeführt.

Damit ist ein weiterer Prüfstein für die neue Regierung unter Lee Myung-bak vorgegeben.

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