Bodo Hombach. Medialer Strippenzieher für Clement. – Ein Kommentar

Hombach, Clement und Schröder. Politisch sind alle drei heute weg vom Fenster. Dies ist die Troika, die die SPD im Gewaltakt auf den Wirtschaftskurs der CDU geführt und mit ihr gemeinsam mit der Agenda 2010 und Hartz IV die große soziale Kälte in unser Land gebracht hat. Bei allen dreien,

regegfsd.jpgHombach, Clement und Schröder. Politisch sind alle drei heute weg vom Fenster. Dies ist die Troika, die die SPD im Gewaltakt auf den Wirtschaftskurs der CDU geführt und mit ihr gemeinsam mit der Agenda 2010 und Hartz IV die große soziale Kälte in unser Land gebracht hat.

Bei allen dreien, die sich gemeinsam auf der linken Schiene über Gewerkschaft und SPD zur Macht hochgehangelt hatten, können sich engagierte Sozialdemokraten nicht genug die Augen reiben und fragen, was diese Herren eigentlich innerlich mit ihrer Partei und ihren Idealen je zu tun hatten – und was sie heute selbst noch mit dem zu tun haben, was diese drei übrig gelassen haben. Der ehemalige Autokanzler Schröder und der Wirtschaftsgünstling Clement sind ja  auch prompt bei der großen Wirtschaft gelandet, Schröder gar bei dem ganz großen russischen Geld.

Besonders beim Erzstrategen und Strippenzieher Bodo Hombach, auch wenn ihm Ende der 60er im gemeinsamen Straßenkampf gegen das Establishment einmal Rudi Dutschke ein frisches T-Shirt übergezogen haben soll, sucht man vergebens nach einem sozialen Engagement. Auch er hat Eingang bei der Industrie gefunden, die immer offen ist für wirtschaftsfreundliche Sozialdemokraten. Das ist ja noch mehr wert, als wenn man sich die eigenen Gewerkschaften hält. Darüber hinaus hat Hombach aber als Geschäftsführer des nach Bertelsmann und Springer drittmächtigsten Medienkonzerns in Deutschland, der WZ-Gruppe, wieder zurück gefunden zur politischen Macht, die er lange ziemlich unverhüllt als Redenschreiber und Taktgeber hinter Rau und Schröder genossen hatte.

Alles weiter wie gehabt

Erst Hombach macht aus dem fälligen Ausschluss von Clement aus der eigenen Partei, von deren Wahl dieser als Freund der Energiekonzerne bei der Hessen- Wahl nachdrücklich abgeraten hatte, ein Politikum. Wo das Ereignis selbst wirklich nicht spektakulär ist, dann ist es eben die Tatsache, dass die WZ-Gruppe in allen ihren Blättern lauthals den Verbleib von Clement in der SPD fordert! Da können doch Springer, Bertelsmann und Funk und Fernsehen nicht so tun, als täte sich nichts!
1998 gab es ein großes Aufatmen in Nordrhein-Westfalen nach dem Weggang Hombachs zur kurzfristigen Chefrolle im Bundeskanzleramt unter Schröder in Bonn. Es hieß, die Zahl der Intrigen habe mit dem Wegzug Hombachs aus der Landeshauptstadt signifikant abgenommen – in Bonn allerdings sei sie rapide im Steigen begriffen.

Als er nach dem Ende des Kosovo-Krieges der Bundespolitik ade sagte, um den eines Sonderkoordinators der Europäischen Union für den Stabilitätspakt für Südosteuropa zu übernehmen, ging ein Raunen der Erleichterung durch die Reihen der SPD. Hombach hatte in der Partei wenig Unterstützung und galt als intrigant und mediengeil.

Jetzt macht er in neuer Funktion weiter wie gehabt. Hombach ist aktiver Part einer tief traurigen Situation  des Journalismus in Deutschland. Immer weniger Redakteure erhalten Festanstellungsverträge. Gelegenheitsschreiber ohne sichere Arbeit und ohne soziale Absicherung sind gefragt. Zu dieser Prekarisierung der Journalisten, die ohnehin schon fast jeden Betroffenen zum Kuschen bringen kann, kommt ihre direkte Verpflichtung, inhaltlich imer das zu schreiben, was ihnen von oben aufgetragen wird.

Als vor Jahrzehnten die Redakteure der Le Monde in Paris die redaktionelle Freiheit einforderten, wurde auch in Deutschland deren Fehlen beklagt. Heute sind Wörter wie “redaktionelle Freiheit” oder “journalistische Freiheit” obsolete Begriffe. Es gibt nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag dafür. Wäre es da nicht ehrlicher, wenn die Zeitungen nur noch Friede Springer, Liz Mohn oder Bodo Hombach hießen? Das wäre doch ein Anfang vom Ende der täglichen Täuschung der Bürger durch die Medien!

- – -

Photo:pittigliani2005, Lizenz: cc creative commons 2.0 – Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Welch ein mediales Trauerspiel. Schade, dass die basisdemokratischen Ansätze, die zu einem Parteiausschluss von Herrn Clement geführt hätten, von allen Seiten so massiv bekämpft werden. Das laute Säbelrasseln zeigt, dass es hier um mehr als nur das angemessene Abstrafen eines Politikers für fortgesetztes Fehlverhalten geht.

    Hier geht es um die SPD, eine Partei die -ähnlich wie die Grünen- nach und nach von einer neoliberalen Berufspolitikerclique unterwandert wurde und jetzt, nachdem die Parasiten die Substanz extrem geschwächt haben, nach Heilung sucht. Dazu gilt es, die Parasiten loszuwerden und endlich wieder Farbe zu zeigen.

    Es ist weit gekommen mit unseren Politikern. Nicht nur das konsequent das Gegenteil von dem gemacht wird, was Wähler will, nein auch die Basis der Parteien wird von den eigenen Günstlingen mit Füßen getreten. In den Orts- und Kreisvereinen werden die Ärmel zum “Großreinemachen” bereits hochgekrempelt. Hoffentlich kommt wieder Bewegung in unsere Demokratie. Es wird Zeit, dass sich im Lande Widerstand gegen aalglatte Umverteilungspolitiker regt und endlich die sozialen Probleme angegangen werden, ohnen die Situation für die Betroffenen noch weiter zu verschärfen und diese ins Abseits zu drängen.