Großes Land enttäuscht – Großes Land schaut ab

Besteht vielleicht doch noch Hoffnung für die deutsche Wirtschaft? Zumindest langfristig? Jede fünftes Unternehmen, das seine Produktion nach China ausgelagert hat, zieht sich aus dem Land zurück. Der Grund: Das Land der Sonne ist nicht mehr so sonnig, insbesondere was die Löhne der Arbeiter betrifft. Diese sind den westlichen Unternehmen zu

sagdfgi.jpgBesteht vielleicht doch noch Hoffnung für die deutsche Wirtschaft? Zumindest langfristig? Jede fünftes Unternehmen, das seine Produktion nach China ausgelagert hat, zieht sich aus dem Land zurück. Der Grund: Das Land der Sonne ist nicht mehr so sonnig, insbesondere was die Löhne der Arbeiter betrifft.

Diese sind den westlichen Unternehmen zu teuer geworden: Um rund 20 Prozent sind die Arbeitslöhne angestiegen. “Sehr viele Firmen sind blauäugig in den chinesischen Markt eingestiegen, ohne zu bedenken, dass auch die Löhne steigen”, kommentiert Sven Renkel, Sprecher des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) das Verhalten der Unternehmen. Man beklagt sich also, nicht mehr im Billigland Nummer eins zu produzieren und schaut sich nach Alternativen um. Jene Nomaden, die weiterhin den kurzfristigen Erfolg vorziehen, liebäugeln mit Stopps in den neuen Lohnoasen Bangladesch, Indien oder Kasachstan.

Ein Automobilhersteller übernimmt die Vorreiterrolle und kündigt an, Anfang 2009 ein Werk in Indien zu eröffnen. Andere, vermutlich Freunde der langfristigeren Existenzsicherung, denken ganz über einen Rückzug nach Deutschland, bzw. in die EU nach. Bekräftigt werden solche Entscheidungen, wenn man bedenkt, dass die ehemalige Lohnoase China ebenfalls das westliche Lohnsparmodell kopiert und auch schon erfolgreich praktiziert: Chinesische Unternehmen lagern ihrerseits mittlerweile einfache Produktionen ins Ausland aus. Textilien, wie T-Shirts werden schon längst Afrika oder Vietnam hergestellt. Dabei waren es insbesondere Hersteller von Massenprodukten, die es aufgrund von Kostenvorteilen nach China zog. Aber auch Erzeuger hochwertiger Ware ziehen vorläufige Resumées: Inwieweit lohnt sich das Chinageschäft, wenn die Qualität nicht exzellent ist? Nicht zu vergessen zusätzlich zu den ansteigenden Lohnkosten für chinesische Arbeitskräfte. Diese Unternehmen haben primär den Ruf ihres Unternehmens im Fokus.

“Wir haben uns Ratschläge von unseren europäischen Kollegen geholt”

Während deutsche Unternehmen jedoch überlegen, in welchem Land ihnen der nächste Kostencoup gelingen könnte und in Europa über das überschwappen der Konjunkturkrise aus den USA diskutiert wird, hört man von der vermeintlichen Weltmacht USA ganz andere Töne: “Wir haben uns Ratschläge von unseren europäischen Kollegen geholt”, gestand US-Finanzminister Henry Paulson erst letzte Woche bei einer Pressekonferenz in Washington. Shopping Malls, große Filialrestaurants, Agieren in global entfesselten Kapital- und Warenmärkten. Jahrzehntelang lief es umgekehrt – und nun anders herum?

Unter dem Druck der Krise auf Immobilien- und Finanzmärkten, steigenden Energiepreisen, Kriegsausgaben und Klimawandel, beschlossen Amerikas Politiker außerhalb der Grenzen nach Lösungen zu suchen. So will man zur Stabilisierung des Immobilienmarktes einen Pfandbriefmarkt – nach deutschem Vorbild. Bisher übernehmen Anleihen diese Aufgabe. Der Unterschied zum Pfandbriefmarkt: Das Risiko der Anleihen übernimmt der Käufer – welches viele Investoren in der gegenwärtigen Situation eben nicht eingehen wollen. Beim Handel mit Pfandbriefen verbleibt das Risiko bei der Bank. Man hofft so auf einen Investitionsanreiz.

Bereits vor einigen Wochen nahm der Finanzminister Milliarden US-Dollar aus der Steuerkasse, um die halbstaatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zu stützen. Kommentar des republikanischen Jim Bunning aus Kentucky: “Ich dachte, ich bin in Frankreich aufgewacht.” – eine Anspielung auf die französische Vorliebe zum Staatseingriff in die Wirtschaft. Gleichzeitig startet auch die Federal Reserve, amerikanisches Pendant der Europäischen Zentralbank (EZB), durch und veröffentlicht ein festgelegtes Inflationsziel: Zwei Prozent. Ganz nach Regeln der EZB. Generell rechnen Wissenschaftler damit, dass sich die Orientierung an europäischen Lösungsansätzen nach den Präsidentschaftswahlen im November noch verstärken wird.

Erwartet wird nach Meinung des ehemaligen Chefvolkswirts des Internationalen Währungsfonds, Kenneth Rogoff, ein neues System mit “geringerem Wachstum und mehr Ausgeglichenheit”. Insbesondere würden Reformen im Gesundheitssystem, der Sozialversicherung und nicht zuletzt der Altersvorsorge in Angriff genommen werden. Diese Bereiche sind so marode, dass es keine Rolle spielt, ob Barack Obama oder John McCain Präsident wird. Darüber hinaus kann damit gerechnet werden, dass diverse Konzepte bezüglich des Umweltschutzes aus Europa importiert werden: Energiesparlampen, bessere Isolierungen der Häuser oder auch ein wachsendes Interesse an kleinen Autos. Zahlreiche Unternehmen forschen bereits an Lösungstechnologien für Sonnenenergie oder neuartigen Antrieben für Automobile.

Die Welt bewegt sich wieder. Die Frage ist nur, in welche Richtung und was macht man daraus. Geht alles ähnlich weiter? Vielleicht nur mit vertauschten Rollen? Amerika ist Europa? Europa ist Amerika? Und vielleicht ist China so etwas wie Amerika und Europa?

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Photo: Dan Kamminga, Lizenz: cc creative commons 2.0 – Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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  1. Hallo Frau Haberland,

    Ihre eingangs gestellte Frage:

    “Besteht vielleicht doch noch Hoffnung für die deutsche Wirtschaft?”

    kann man wohl mit berechtigter Hoffnung mit Ja beantworeten. Und das auch wegem der Wirtschaftsmacht China. Statt dieses große und bevölkerungsreiche Land immer nur als Konkurrenz wahrzunehmen, kann man auch einmal über die Chancen welche das Wachstum in China für Deutschaland bietet nachdenken.

    Schließlich reden wir auch von einem rieseigen und stark wachsenden Absatzmarkt. Und Chinesen die es sich leisten können lieben deutsche Produkte. Wenn man sich mit wohlhabenden Chinesen unterhält, fällt das Wort Premium-Marke sehr häufig. Auch die Frage, welches Produkt sehr gut oder das Beste ist, hört man sehr oft. Neulich hat mir ein chinesischer Kollege stolz berichtet, dass seine Küche in Shanghai komplett mit Geräten von Bosch-Siemens ausgestattet ist. Er schwärmte geradezu von der hervoragenden Qualität und Verarbeitung.

    Wenn wir uns also in Deutschland nicht ganz ungeschickt anstellen und weiterhin auf das setzen was wir am besten können, nämlich qualitativ hochwerttige Produkte zu entwickeln und zu produzieren, können wir doch mit sehr viel mehr Optimismus in die Zukunft schauen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Rudolf Kipp