Erdige Rockmusik hat es derzeit nicht ganz so leicht, wie fluffiger, sinnfreier Pop. Um darüber und übers Leben an sich zu reden, traf ich mich mit Peggy Magdeburg der Frontiererin der Leipziger Rockband BLACK WINGS zu Bier und Plausch im Flower Power in der Riemannstraße.
Volly Tanner: Hallo Peggy, Tag erstmal. Du bist ja die Frontfrau der BLACK WINGS und ihr startet im Moment ja gerade richtig durch mit Eurem erdigen Rock. Wie ist denn die Resonanz in der Pophochburg Leipzig?
Peggy Magdeburg: Momentan ist ja Sommer, d.h. es gibt auch für Bands, wie uns, die ja vom Publikum leben, viel zu tun. Und das ist wahrscheinlich der Grund, weswegen wir uns über einigermaßen großen Zulauf erfreuen können. Aber das Publikum darf natürlich auch gern noch mehr werden. Vermehrt Euch, Volk!
Volly Tanner: Liegt denn demnächst in Leipzig und Umgebung was an?
Peggy Magdeburg: Ja, also der August ist zumindest an den Wochenenden schön voll. Wir spielen am 15.08. zusammen mit Damara Term und den 24 Mirrors im Geyserhaus zu Leipzig, am 16.08. in Nünchritz bei Dresden zu einem Bikerfest mit Damara Term, 29.08 in der Villa Leipzig beim Fest des Kulturnetzwerk Leipzig e.V., am 30.08. in Rippach, 06.09. im Flower Power zu Leipzig zur Myspaceparty, am 13.09. im BAFF zur Grillparty und am 14. oder 15.09. im Sächsischen Bahnhof zu Gera.
Volly Tanner: Na, das läuft doch gut! Wie würdest Du denn beschreiben, was Ihr macht? – Für die Wenigen, die Euch nicht kennen.
Peggy Magdeburg: Was wir machen ist unsrer Meinung nach bodenständiger Rock, so wie er sein sollte.
Da wir jedoch gerade einen Besetzungswechsel hatten (von einem Keyboard auf kein Keyboard) mussten wir natürlich viel neu- und umschreiben, so dass wir im Allgemeinen ein wenig härter, kopfnickerischer und gitarrenlastiger geworden sind. Also, unsre alteingesessenen Fans werden es sicher mögen und um Neue zu werben, wird mit Sicherheit auch noch für fast jeden etwas dabei sein, der gute handgemachte und erdige Rockmusik mag.
Volly Tanner: Wie alt ist denn das Publikum? Die kleinen Häschen oder die Pankowfans?
Peggy Magdeburg: Also, ich selber bin ja Pankowfan – aber ich bin ja auch nicht unser Publikum. (lacht!)
Mittlerweile ist, bedingt durch den Instrumentierungswechsel, die Tatsache, dass unser Publikum immer jünger wird nicht von der Hand zu weisen. Die “Zielgruppe” bewegt sich so zwischen 16 und 20 Jahren, obwohl es auch 14 und 40 bis 50-Jährige gibt, die ab und an mal mit dem Kopf nicken oder ihr Holzbein zucken lassen.
Somit könnte man sagen, dass trotz der Verjüngungskur eine breite Masse stehen bleibt und zuhört.
Volly Tanner: Und tanzen die auch? Singen die die Texte mit?
Peggy Magdeburg: Ja, wobei das Tanzen eher ein Hüpfen und Springen ist und das Mitsingen eher ein Mitschreien und Grölen ist. Aber so soll es ja auch sein. (grinst)
Volly Tanner: Ihr habt ja auch einen Silberling auf dem Markt. Kann man damit überhaupt noch die Unkosten reinbekommen? Oder lebt Ihr alle von Hartz IV?
Peggy Magdeburg: Na, von Hartz IV leben wir nicht. Unser Schlagzeuger ist Bürokaufmann an der UNI Leipzig, unser Bassist arbeitet zur Zeit bei der ARAGE (Karl Heine Straße) und ich studiere Drucktechnik an der HTWK Leipzig. Im Prinzip sind das ja alles ganz normale Sachen, weil man als kleine Krauter, die wir ja nunmal sind, nicht von irgendwelchen CD-Einnahmen oder Ähnlichen leben kann. Wobei man unseren Silberling, wie Du so schön sagst, auch kaufen kann. Nicht nur den, sondern auch Buttons und unser frisch gedrucktes T-Shirt – und dieses sogar nur für einen Unkostenbeitrag von 10 Eus. Schick, oder?
Volly Tanner: Solls denn mal in Richtung Berufsmusiker gehen?
Peggy Magdeburg: Wenn man entdeckt würde, wäre das natürlich phänomenal. Aber dazu gehören natürlich auch sehr viel Schweiß, Herzblut, Tränen und harte harte Arbeit – und natürlich Publikum. Deshalb ist uns auch wichtig, dass wir in keinster Weise abheben oder abgehoben wirken.
Und eigentlich sind wir Drei ja auch die netten Mädels und Jungs von nebenan.
Volly Tanner: Als Band steht man ja auch permanent in der Kritik der Zuhörer und der Presse. Wie werdet Ihr denn wahrgenommen? Gibt”s so richtige Ablehnung?
Peggy Magdeburg: Richtige Ablehnung haben wir seit cirka drei Jahren nicht mehr erfahren. Damals hatte der eine Reporter von der LVZ irgendwie nichts für uns übrig, aber mittlerweile sind die auch eher positiv auf uns zu sprechen.
Volly Tanner: In Leipzig gibt”s ja auch in der Musik so eine Art Klüngelwirtschaft. Der kann mit dem und der kann mit dem nicht und deshalb gibt”s halt in dem und dem Laden keine Gigs. Hattet Ihr da auch schon Probleme mit?
Peggy Magdeburg: Jein, aber man muss ja auch sehen, dass man nicht immer nur in der Leipziger Heimat spielen kann. Zum einen, weil einen dann auch irgendwann keiner mehr hören kann und zum anderen muss man ja auch sehen, dass es für eine Band auch langweilig wird immer am selben Ort zu sein. Aber, wie Du schon sagtest, geht ohne Kontakte und Vitamin B fast gar nichts mehr. Und es ist immer gut, Leute, wie Dich, von der Presse und Kneipenbesitzer, sowie andere Veranstalter zu kennen.
Volly Tanner: Gibt”s Unterstützung von der Familie?
Peggy Magdeburg: Mama und Papa sind natürlich, auch wenn sie nicht bei jeder Veranstaltung dabei sind, als Background ganz wichtig, auch wenn wir nicht mehr alle zu Hause wohnen (bis auf mich, achja – Hotel Mama!). Und als Band- bzw. Instrumententaxi oder Mixer nehmen wir diese Hilfe bei der einen oder anderen Veranstaltung gerne mit.
Volly Tanner: Peggy, langsam müssen wir zum Schluss kommen, wir wollen ja auch noch was trinken. Was sind denn so die Pläne fürs nächste Jahr?
Peggy Magdeburg: Im Prinzip Musik, Musik, Musik, d.h. Musik machen, Musik hören, inspirieren lassen, proben und natürlich viele, viele Auftritte hier und überall.
Lass uns was trinken!
Volly Tanner: Dankeschön!
Peggy Magdeburg: Bitteschön!
Mehr Informationen gibt es unter: www.band-blackwings.de
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