Olympia 2008. Natürliche Leistungsgrenzen einhalten.

Kurz vor Olympia stellte ein bemerkenswertes Urteil des Bundegerichtshofs zur Strafbarkeit des Besitzes des wieder hochmodernen Aufputschmittels Methamphetamin mit dem heute unter Nutzern geläufigen Namen Crystal und dem früheren Handelsnamen Pervitin die große Gefährlichkeit dieser im Sport zum Zwecke des Doping häufig benutzte Droge in den Mittelpunkt des Interesses. BGH:

pervci.jpgKurz vor Olympia stellte ein bemerkenswertes Urteil des Bundegerichtshofs zur Strafbarkeit des Besitzes des wieder hochmodernen Aufputschmittels Methamphetamin mit dem heute unter Nutzern geläufigen Namen Crystal und dem früheren Handelsnamen Pervitin die große Gefährlichkeit dieser im Sport zum Zwecke des Doping häufig benutzte Droge in den Mittelpunkt des Interesses.

BGH: weit höhere Gefahren durch Crystal/Pervitin als bisher gedacht

Siehe hierzu: juris.bundesgerichtshof.de

Nach Anhörung von Experten geht der Bundesgerichtshof von einer weit höheren Gefährlichkeit von Crystal bzw. Pervitin aus als bisher angenommen. Da die Schäden nicht geringer sein sollen als bei dem Schrecken verbreitenden Kokain-Derivat Crack soll schon eine Menge von sechs Gramm Metamfetaminhydrochlorid nicht mehr als gering einzustufen sein, was einer drastischen Anhebung des Strafrahmens gleich kommt.

Doping für immer höhere Leistung

Durch Doping wird versucht, die Leistungsgrenzen des Menschen immer höher hinaus zu schieben, indem man ihm chemische Substanzen verabreicht, die einzelne oder viele seiner Leistungen steigern. Die Masse der olympischen Disziplinen zeigt unser großes Interesse an der Auslotung der Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit im brutalen Kampf Mensch gegen Mensch.

Mannschafts- und Einzelwettkämpfe stellen in der Mehrzahl Menschen gegeneinander, die sich höchst persönlich angreifen müssen oder zeigen, dass sie im Umgang mit im Kampf für den Gegener gefährlichen Gerätschaften erfolgreicher sind als ihre Kontrahenten. Auch dort wo jeder ohne direkte Beteiligung anderer aktiv ist wie etwa beim Speerwurf, dem Weit- und Hochsprung wie den Wettläufen, steht im Hintergrund immer die Vorstellung, welcher der Wetkämpfer wohl in einer ernsten gewalttätigen Auseinandersetzung Mensch gegen Mensch obsiegen würde. Technische Disziplinen wie Schießen und Biathlon verbergen gar nicht ihre militärische Herkunft.

Wie schon bei den alten Griechen, den Erfindern der olympischen Idee, geht es über den Kampf von Menschen mit Menschen zugleich um den Kampf der teilnehmenden Länder oder Staaten. Unausgesprochen teilen auch bei der Olympiade 2008 die Nationen, die Aktiven und die vielen Milliarden Zuschauer in aller Welt die innere Vorstellung, dass das Land mit den meisten Goldmedaillen auch in anderen Belangenerfolgreicher sei als die anderen – letztlich auch militärisch.

Doping im sportlichen wie im kriegerischen Kampf

Kein Wunder, dass seit eh und je die machtbewussten Staaten der Welt Soldaten regelrecht zum Sport abstellen. Ihr militärischer Dienst besteht hauptsächlich darin, ihre sportliche Leistungsfähigkeit immer weiter zu erhöhen, damit sie im Wettkampf dann für ihre Nation gewinnen können.

Schon die Griechen erfanden Regeln für den Kampf, damit sich die Wettkämpfer nicht wie im wirklichen kriegerischen Kampf wechselseitig zerfleischten. Aber die miltärische Grundausrichtung mit dem Gebot zu siegen, wird auch durch solche Regeln durch das moderne Gebot der Fairness und das fälschlich Pierre des Coubertin zugeschriebene olympische Motto des “Dabei sein ist alles!” nicht kaschiert. Es versteht sich in diesem Kontext, dass die deutsche Bundesregierung nicht etwa die Familienminsterin oder den für die Sportförderung zuständigen Innenminister nach Peking schickt, sondern den Außenminister Steinmeier und den Verteidigungsminister Jung.

Mit der grundlegenden Ausrichtung des Sports und des miltärischen Kampfes sind die Gemeinsamkeiten indessen nicht erschöpft. Sport und Krieg haben ein großes gemeinsames Ziel. Bei beiden soll im Interesse des angestrebten Sieges ausgelotet werden, welches die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit sind.  Krieg und Sport haben in der Vergangenheit nur wenig Hemmungen gehabt, die Teilnehmer an ihren Kämpfen psychisch und körperlich so stark zu fordern, dass ihre Gesundheit dadurch aufs Spiel gesetzt wurde. Allein im Breitensport kommt es in Deutschland jährlich zu 1,5 bis zwei Millionen Unfällen mit Körperschäden. Bei 82 Millionen Menschen, von denen nur die Hälfte Sport treibt, ist das eine verteufelt hohe Zahl. Die Experten behaupten aber, die Abstinenz vom Sport sei viel schädlicher als diese “Kollateralschäden.” Siehe hierzu: aerztezeitung.de

Die Natur hat indessen alle ihre Geschöpfe mit natürlichen Leistungsgrenzen versehen, die in der Praxis nur sehr selten ausgeschöpft werden. Ein Training, um schrittweise die Leistungsgrenzen immer weiter herauszuschieben, gibt es in der Natur nicht. Solch ein Verhalten würde so viele Gefahren schaffen, dass dadurch die Erhaltung der Art in Gefahr geriete. Ist denn die Frage, wie viel sich mit aller Macht noch aus einem menschlichen Körper herausholen lässt, überhaupt legitim? Je mehr wir die im Körper eingebauten Sicherheitsmargen verschmälern, desto gefährlicher leben wir. Und dafür gibt es keinen guten Grund. Was der Mensch braucht, um körperlich und geistig voll auf der Höhe zu bleiben, ist ein regelmäßiges maßvolles körperliches Training, nach Wahl einsam im kleinen Kämmerchen oder allein auf weiter Flur oder gesellig zusammen mit anderen, auch im friedlichen spielerischen Wettstreit. Einen vernünftigen Grund, Höchstleistungen erreichen zu wollen, gibt es nicht.

Ganz anders ist das bei der militärischen Auseinandersetzung. Dort gibt es zwar Regeln wie, z.B., die Genfer Konventionen, die beginnend mit der ersten dieser völkerrechtlichen Vereinbarungen zunächst einen Schutz für die nicht an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligten Menschen vorsahen und erst seit 1977 (!) auch Regeln für die menschliche Behandlung von Kombattanten.

Kaum ein Land hält sich im Kriegsfall aber ernsthaft daran, jedenfalls keines der mächtigen Länder dieser Erde. Da wird auch nach dem 2. Weltkrieg überall in der Welt von allen Seiten gefoltert und geschunden wie in Algerien, Korea, Vietnam, Tschetschenien, Jugoslawien, Ruanda, Burundi, Somalia, Irak, Afghanistan, Darfour und jetzt gewiss wieder in Georgien/Ossetien. Wenigstens steht der Schutz Unbeteiligter auf dem Papier und genießt in der Mehrheit der Völkerrechtssubjekte eine Geltung. Die eigenen Soldaten dagegen werden von keiner internationalen Norm geschützt. Viele Staaten gehen im Interesse des militärischen Erfolges brutal über die Interessen der eigenen Soldaten hinweg. Sie werden veranlasst, sich mit Psychodrogen wach und fit zu halten. Die spätere Hilfe bei den Nachwirkungen bleibt weitgehend aus. Gerade in den USA ist das eine ständig zu hörende Klage.

Im Sport wurde am brutalsten gedopt in den sozialistischen Ländern während der Zeit des Kalten Krieges, wobei die DDR weltweit eine Führungsrolle einnahm. Noch heute leiden viele Menschen, die von verantwortungslosen Ärzten und Trainern damals mit Amphetaminen und anderen Mitteln vollgepumpt wurden, an den schweren nachteiligen Folgen. Große Sorgen hat die Sportwelt, dass das ehrgeizige China wenig Rücksicht auf die Gesundheit seiner oft noch kindhaften Spitzensportler nimmt – so wie früher die Sowjetunion und Rumänien.

Unendliche Möglichkeiten des Doping

Es gibt so viele Produkte, die im Sport zum Doping einsetzbar sind, dass man kaum annehmen darf, dass das Problem jetzt in Peking oder in absehbarer Zeit danach zu lösen ist. Die Fülle der Produkte zeigt auch den Einfallsreichtum der legalen und illegalen Industrie, mit immer neuen Wegen aufzuwarten.

Ein Hauptweg der unzulässigen Leistungssteigerung ist die Einnahme verbotener Mittel zum schnellen Muskelaufbau. Dazu gehören die Anabolika, zum einen die steroidalen Anabolika, die entweder auf exogene Wirkstoffe setzen wie

  • Androstendiol (Anatrophill, Lipidex, Lonavar, Oxandrolone SPA, Vasorome)
  • Danazol (Danocrine, GnRH)
  • Quinbolon (Boldebal, Vebonol, Ganabol, Equipoise, Sybolin),
    Parenabol, Boldenon [GS])
  • Stanazolol (Stromba, Stanol, Winstrol)
  • Trenbolon (Trenabol, Trenbolan.
  • Tibolon (Liviella)

oder auf endogene Wirkstoffe wie

  • Androstendiol (Anatrophill, Lipidex, Lonavar, Oxandrolone SPA, Vasorome)
  • Dihydrotestosteron (Avodart, Proscar, Procepia, Eulexin)
  • Dehydroepiandrostendion (DHEA) (Synacthen, Vitravene)
  • Testosteron (Testoviron Depot, TestosteronDepot, Primoteston Depot)

und die nichtsteroidale Anabolika wie

  • Clenbuterol (Spiropent)
  • und Zeranol (Lyral).

Eine weitere wichtige Gruppe sind die den Muskelaufbau oder die Blutbildung fördernden körpereigenen Peptidhormone wie

  • Erythropoietin – das berühmte EPO der Radfahrer -,
  • Wachstumshormone, Somatomedine und entsprechende Releasinghormone (z. B. hGH, IGF-1 usw.),
  • Gonadotropine (LH, hCG) bei Männern,
  • Insulin und
  • Corticotropine (z. B. ACTH).

Siehe hierzu: lgl.bayern.de

Diese Mittel spielen in der Kriegsführung und der Vorbereitung  militärischen Einsätze bis dato keine Rolle. Anders ist das aber bei den Aufputschmitteln. Diese Stimulantien, die vorwiegend aus Amphetamin abgeleitet sind, sind die häufigsten im Wettkampf eingenommenen verbotenen Mittel. Es handelt sich dabei um die in einer Vielzahl von in Arzneimitteln und illegalen Produkten vorkommenden Wirkstoffe mit vielen Namen, von denen nur einige genannt seien:

  • Amphetamin/Amfetamin (Speed, Pep,Ectasy, XZC, MDMA, Benzedrin, Concerta, Equasym, Racemat, Dexedrin),
  • Metamphetamin/Metamfetamin (Pervitin, Jaba, Vint, Preludin, Desoxin, Elastonon, Crank, Crystal, Crystal Meth, Crystal Pep, Steinspeed, A,  Glass, Ice, Pico, Peri, Pernik, Crank, Meth, Kitty, Thai Ecstasy,Shabu, Tic, Tina, Methedrine, Premodrin, Psychergine, Methylisomyn, Methedrinal, Methamphin, Methoxyn, Methylbenzedrin, Methylpropamin, Phedoxe, Phedrisox, Mamph),
  • Kokain (Trujillo, Huanocosorte, Ketamin Curamed, Crack),
  • Methylphenidat (Ritalin, Medikinet, Norvil, Vigil, Concerta, Equasym retard, Medikinet retard, Ritalin SR, Ritalin LA, Focalin),
  • Gonadotropine (bei Männern) (Novaldex, Humegon, Clomhexal 50, Clomifen),
  • Ephedrin (Efanol, Dymetadrine Efedrina),
  • Fenfluramin (Reductil, Ponderax, Isomeride, Redux),
  • Fenetyllin (Captasgon, Revlimid, Revlimid, Stimul, Tradon) und
  • Sibutramin (Reductil, Merida, LiDa) – die letzteren drei sog. Appetitzügler.

Wirkungen der künstlichen Stimulantien

Ihre Wirkungsweise ist noch nicht vollständig erforscht. Man meinte bisher, dass diese Chemikalien ihre Wirkungen der Freisetzung des Stresshormons Noradrenalin und des “belohnenden” Steuerstoffes Dopamin und der gleichfalls euphorisierenden Endorphine verdankten. Die Summe der Wirkungen las sich aber schon immer wie ein Katalog der Aufgaben des zerebralen Schlüsselhormons Serotonin: Esskontrolle, Wach- und Schlafkontrolle, Schmerzkontrolle, Stresskontrolle, Temperaturkontrolle und Impulsverhalten. Neuere Forschungen lassen annehmen, dass der Neurotransmitter Serotonin in Wahrheit der Auslöser für die Erhöhung der Leistungsfähigkeit ist. Man hat im Mittelhirn, wo das Hormon Dopamin generiert wird, eine Repression der Glutamat-Rezeptoren durch die Psychodrogen gefunden, die entgegen der Erwartung nicht zu einer direkten Verstärkung der Dopaminaktivität führten, sondern eine vermehrte Aktivität der dort auch vorhandenen Serotonin-Rezeptoren, die allerdings dann die Dopaminproduktion im Mittelhirn ankurbelt. über die duale Beziehung von Serotonin und Dopamin ist man schon länger informiert, d.h. der Körper erlaubt sich mehr vom Glückshormon Dopamin, wenn ausreichend Serotonin ausgeschüttet wird. Siehe hierzu: amphetamines.com

Die Psychodrogen greifen die Neurotransmitterreserven an, indem sie Serotonin, Dopamin und andere Steuerstoffe im Gehirn zur schnellen Ausschüttung bringen. Dies führt zur stark verlängerten Wachheit und Erhöhung der Leistungsfähigkeit, zu einer unerhörten psychischen und körperlichen Belastbarkeit und zugleich zu einem Hochgefühl, teils zur Euphorie, die auch verbunden sein kann mit aggressivem Verhalten, übersteigertem Selbstbewusstein und gesteigerter Risikobereitschaft, letzlich auch mit großer menschlicher Rücksichtslosigkeit. Zu den Nebenwirkungen gehören schwere Veränderungen der Persönlichkeit, Psychosen und Paranoia. Insbesondere machen die Drogen sehr schnell psychisch abhängig, bei den Methaphetaminen (Pervitin, Crystal) auch körperlich. Nach dem Ende der subjektiv als großartig erlebten Wirkungen tritt bei vielen dieser Psychodrogen ein großer Durchhänger mit schweren Depressionen auf. Es kommt auch häufig zu Suizidversuchen – ein Verhalten, das man bei Vorherrschen ausreichender Versorgung mit dem “Wohlfühlhormon” Serotonin, das eben auch das Hormon zur Kontrolle der Suizidalität ist, einfach nicht kennt.

Aus vielen Sportarten sind zahlreiche Todesfälle bekannt, die auf die Einnahme von solchen Stimulantien zurückzuführen sind. Ihre Wirkstoffe führen im Körper zu einer Verengung peripherer Blutgefäße. Es bildet sich ein Wärmestau, der Körper überhitzt. Auch kommt es zu Herzrasen, Bluthochdruck, Herz-Rhythmusstörungen und dem Zusammenbruch des Kreislaufsystems. Der zu diesen Drogen gehörende Appetitzügler Reductil, ein Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, hat wiederholt zu letalen Lungenemphysemen geführt, weil er nicht nur am zentralnervösen Esszentrum ansetzt, sondern im ganzen Körper den Rückbau des Hormons unterbindet.

Siehe hierzu: readers-edition.de/2008/05/27/apotheken-umschau-propagiert-riskantes-abnehmmittel

Die größten Schäden entstehen indessen durch die Einmischung in die zerebralen  hormonellen Abläufe, für die es eine im Detail noch weitgehend unerforschte höchst sensible körpereigene Steuerung gibt. Diese gerät durch die Wirkung der Psychodrogen völlig durcheinander. Unabhängig davon sind aber auch ganz einfache sichtbare Hirnschäden festzustellen. So hat man in einigen Fällen eine lebensbedrohliche überreizung von zerebralen Neurorezeptoren  festgestellt (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 259. Aufl.., Stichwort Serotoninsyndrom).

Eine Altenative: Förderung der Verfügbarkeit über das Neurohormon Serotonin

Wenn sich die neueren Erkenntnisse bestätigen, dass die leistungsfördernden Wirkungen der Psychodrogen im Kern auf der vermehrten Ausschüttung des Neurohormons und Botenstoffes Serotonin beruhen, belegt das indirekt, dass eine Unterversorgung mit diesem Schlüsselhormon den Menschen nicht zur Erlangung seiner vollen Leistungsfähigkeit gelangen lässt. Wenn durch die Verbesserug der körpereigenen Verfügbarkeit über das zerebrale Hormon, wie ich es seit Jahren propagiere, die psychische und körperliche Wachheit,  die Belastbarkeit und das Durchhaltevermögen maßgeblich verbessert werden, sind von allen Menschen bessere sportliche Leistungen zu erwarten, auch im Spitzensport. Diese Verbesserung der Leistungen geschieht aber nicht im Wege des Raubbaus am menschlichen Körper, sondern unter der natürlichen Kontrolle des Körpers selbst.

Eine kurze Historie der Amphetamine

Amphetamin wurde erstmals 1887 in Japan synthetisiert. In den Dreißigerjahren verwendete man Amphetamine aufgrund ihrer die Bronchien erweiternden Wirkung unter dem Handelsnamen Benzedrin als Medikament gegen Asthma.

Die Amphetamine als Aufputschmittel spielten schon früh beim Militär eine bedeutende Rolle. 1938 brachte der deutsche Arzneimittelhersteller Temmler Methamphetamin unter dem Markennamen Pervitin auf den Markt (viele Ältere haben Temmler noch durch den erotisch gefärbten “Temmler-Kalender” mit seinen “schmutzigen Witzen” in Erinnerung).  Sehr bald entdeckte die Wehrmacht die Möglichkeit, mit diesem Stoff den Soldaten die Angst zu nehmen und Mut und Riskobereitschaft wie auch die Konzentration im Kampf zu fördern. Pervitin war schon bei Kriegsbeginn dabei. Festgehalten ist, dass Heer und Luftwaffe allein von April bis Juni 1940 mehr als 35 Millionen Tabletten Pervitin bei Temmler bezogen. Es war unter Soldaten und in der Öffentlichkeit bekannt als “Stuka-Droge” und “Panzerschokolade”. Auch Göring und Hitler sollen Pervitin zu sich genommen haben. In Südafrika spricht man heute von der Hitler-Droge. Orgnisierte Verbrecher dort nehmen Methamphetamin, um ständig töten zu können. Siehe hierzu: shortnews.de

1941 wurde Pervitin rezeptpflichtig und kam dann nicht mehr breit gestreut, aber überall noch gezielt zum Einsatz. überall wo extreme Einsatzbereitschaft und Durchhaltevermögen gewünscht waren.

Aber auch die Briten teilten im Zweiten Weltkrieg über 72 Millionen Tabletten Methamphetamin an ihre Soldaten aus, und auch Japan versorgte seine Kämpfer damit, auch seine Kamikaze-Piloten, die sich mit ihren Maschinen auf die amerikanischen Schiffe in Pearl Harbor stürzten… Siehe hierzu: einestages.spiegel.de. Lange hat man das Vorurteil gehegt, die Japaner, die ja auch die Selbstentleibung mit dem Schwert kennen, seien Menschen von großer Kälte und unmenschlicher Entschlusskraft. Der Gedanke an die japanischen Flieger im 2. Weltkrieg spielte dabei immer eine unterschwellige Rolle. Wenn man weiß, dass Pervitin dort im Spiel war wie auch bei den heldenhaften deutschen Soldaten auch, entfallen ein paar besonders schreckliche Züge aus dem Bild des Krieges.

Auch nach 1945 kam der Wirkstoff Methamphetamin zum Einsatz an der Font, insbesondere während des Vietmnamkrieges und im Irak. Im amerikanischen Militär heißen sie “Go”-Pillen. Sie sind für viele Verluste durch “friendly fire” verantwortlich, weil die Soldaten durch sie enthemmt und extrem risikofrei werden. So war es wohl auch bei der Tötung von vier kanadischen Soldaten in Afghanistan durch amerikanische Bomber am 18.4.2002. Nach dem 2. Weltkrieg entdeckten Studenten die Möglichkeit, mit Amphetaminen die Prüfungsangst zu bekämpfen. Manager, Ärzte und Fernfahrer schlucken Amphetamine, um auch bei längerer Anspannung wach und leistungsfähig zu bleiben, denn die Droge kann Durst, Hunger und Müdigkeit bis zu siebzig Stunden unterdrücken. Um ihren Appetit zu hemmen und schlank zu bleiben, greifen schönheitsbewusste Frauen zu Amphetaminen. Das nach dem Betäubungsmittelgesetz streng verbotene Pervitin hat in der Bevölkerung viele Freunde, teils weil sie den Stoff von früher kennen, teils, weil er seit der Wende in großen Mengen aus der Tschechei illegal über die Grenze nach Sachsen und Bayern kommt.

Wie bei Marihuana werden auch für die Amphetamine Stimmen laut, die eine Legalisierung dieser Drogen verlangen. Da schreibt , z.B., in einem Politikforum ein Schamil Bassajew:

“Sollte man das urdeutsche Medikament Pervitin wieder erlauben ? … Obwohl ähnlich wie bei Cannabis bekannt ist, daß nur ‘chronischer’ Mißbrauch wirklich schädlich ist – wohingegen gelegentliche Anwendung in mäßiger Dosierung sogar gesundheitsfördernd ist. Methamphetamin würde sich fabelhaft für Fernfahrer oder für Personen welche in Arbeitsbranchen mit monotonen Arbeiten beschäftigt sind, eignen.”Siehe hierzu: http://forum.politik.de/forum/showthread.php?threadid=13066

Vorwiegend wird in den Foren aber – auch aus leidlicher Erfahrung – dringend vor dem Konsum dieser Rauchmittel gewarnt.

Interessant sind zwei Beiträge zum Thema aus der Zeit vom 21.8.2003. Der Reporter David Plotz berichtet über seinen Selbstversuch mit dem Aufputschmittel Modafenil. Er äußert sich ganz begeistert, denn er fand tagsüber eine hohe Wachheit, während er nachts schneller und erholsamer schlief. Er ist aber auch ein Mensch, der sonst mittags jeden Tag einen starken Tiefpunkt erlebte und daher ohen Zweifel relativ arm am zerebralen Serotonin ist…Weniger subjektiv, vielmehr mit dem erforderlichen Abstand zum Geschehen, geht am selben Tage sein Kollege Ulrich Bahnsen an das Thema heran und warnt vor so viel Euphorie.

In der Gesellschaft beherrschen aber inzwischen die Aufputschmittel aus Amphetamin und Methamphetamin die Party- und Discoszene (Raver, Love Parade). Millionen junger Menschen sind inzwischen mit diesen Drogen vertraut. Sie bilden in der Tat eine vergleichbar große Gefahr wie Kokain und Heroin. Viele Prominente hatten Erfahrung im Umgang mit Aufputschmitteln, nicht nur aber meist mit schrecklichen Folgen. Bekannt ist, dass Heinrich Böll damals seine Eltern mehrfach bat, ihm doch zur Erleichterung des schrecklichen Dienstes an der Front Pervitin zu schicken. Er soll auch nach dem Kriege von der Droge abhängig gewesen sein. Viele andere Prominente konsumierten Amphetamine, wie gesagt wohl auch Adolf Hitler, dies auf Veranlassung seines Hausarztes, der ihn mit einer Fülle von Pillen zustopfte. Nach dem Kriege weiß man vom Drogenkonsum von Judy Garland, Elvis Presley, John F. Kenndy und dem britischen Premier Anthony Eden. Die heute aktuellen Stars und Sternchen wie Britney Spears und Madonna, haben sicherlich auch schon alles ausprobiert.

Viele Sportler sind gestorben nach der Einnahme der Amphetamine, so 1960 der dänische Radfahrer Knut Erk Jensen, 1967 bei der Tour de France am Mont Ventoux der Radrennfahrer Tom Simpson und gleichfalls 1967 der talentiert junge Boxer Jupp Elze. überall im Sport kriselt es. Wegen extremen Dopings in den vergangenen Jahren einschließlich vieler deutscher Teilnehmer – und selbst die Tour de France Legende Lance Armstrong ist unter schwerem Verdacht – steht die Existenz des gesamten Radsports auf dem Prüfstand. Wenn man zurück blickt, gab es im Radsport noch nie Zeiten, in denen nicht gedopt wurde. Selbst der gerade 70 Jahre als gewordene berühmte Rudi Altig räumt ein, Durabolin und Pervitin genommen zu haben, aber wie er meint, sehr kontrolliert. Altig wird weiter gefeiert. Der Sünder Jan Ulrich hat es da nicht so gut. Bulgarien schickt seine Gewichtheber schon nicht mehr nach Peking.

Das Wunder von Bern, als Deutschland 1954 nach der verheerenden Niederlage gegen Ungarn im Endspiel überraschend die hoch favorisierten Ungarn schlug und die Fußball-Weltmeisterschaft gewann, soll nach durchaus nicht unwahrscheinlich klingenden Mutmaßungen auf die Verteilung von Pervitin unter den deutschen Spielern durch den in diesen Dingen erfahrenen Mannschaftsarzt Franz Loogen zurückzuführen sein. Die Spieler um Fritz Walter hatten nach dem Spiel eine nie erklärte seltsame Gelbsucht, die sehr gut eine Nebenwirkung der Droge sein konnte. Erst 1988 wurde Pervitin als Fertigarznei in Deutschland vom Markt genommen.

Ein besonderer Fall ist der des österreichischen Bergsteigers Hermann Buhl, der auf Anraten des Expeditionsarztes bei seiner Erstbesteigung des Nangab Parbat Pervitin mit auf den Berg nahm. Beim Abstieg, den er vor Entkräftung nicht mehr zu schaffen schien, haben ihm zwei Tabletten Pervitin, die ihn noch einmal aufpoutschten, das Leben gerettet.

Die Perspektive 1. Teil:  Verbesserung der Versorgung

Es hat Gründe, dass viele Menschen so leicht ermüden und nicht stark belastbar sind. Ein richtig ernährter und eingestellter Mensch kann ohne Probleme viele Stunden wach und konzentriert arbeiten. Da gilt es anzusetzen statt mit chemischen Keulen unter Hinnahme schwerer Nebenwirkungen und Folgeschäden die Leistungsfähigkeit der Menschen fördern zu wollen.

Die  Perspektive 2. Teil: Weniger Kampf im Sport

Der Sport muss mehr den Spaßfaktor an der Erhaltung der körperlichen Beweglichkeit und an der geselligen gemeinsamen körperlichen Betätigung im sportlichen Spiel voranstellen. Dann verliert er seine martialischen Züge. Der Sport muss aufhören die atavistischen Triebe der Menschheit wohlfeil zu bedienen. Wenn der Sport aufhört, den gewalttätigen Kampf von Menschen gegen Menschen als ganz große Ereignisse zu feiern, trägt das auch zu einer nachahltigen Verfriedfertigung der Welt bei.

Photo Quelle/Copyright: Heraklit, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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