Ärgernis Maischberger – Ein Kommentar

Es stand gleich am Anfang ihrer Karriere fest: Sandra Maischberger hat das Zeug zu einer guten Journalistin. Nicht nur in ihren späteren Talkshows erhielt das Talent dann auch ausreichend Möglichkeiten, dass mit Bravour unter Beweis zu stellen. Inzwischen fällt aufmerksamen Fernsehzuschauern jedoch immer öfters eine gewisse Einseitigkeit im Hinblick auf

erzzrtz.jpgEs stand gleich am Anfang ihrer Karriere fest: Sandra Maischberger hat das Zeug zu einer guten Journalistin. Nicht nur in ihren späteren Talkshows erhielt das Talent dann auch ausreichend Möglichkeiten, dass mit Bravour unter Beweis zu stellen. Inzwischen fällt aufmerksamen Fernsehzuschauern jedoch immer öfters eine gewisse Einseitigkeit im Hinblick auf den Inhalt der von Sandra Maischberger an bestimmte Talkgäste gerichteten Fragen auf.

Manchmal scheinen sie einem sogar ausgesprochen naiv daherzukommen. Oder hat sich die Moderatorin bezüglich eines bestimmten Themas gar schlecht vorbereitet? Dies anzunehmen, würde jedoch nicht nur bedeuten, das Frau Maischberger ohne Zweifel anheim gegebene hohe Maß an Intelligenz ein Stück weit in Frage zu stellen, sondern darüber hinaus auch noch ihr jounalistisches Können anzuzweifeln. Das eine wie das andere müsste Sandra Maischberger nach durchaus zugestandenem gelegentlichen Abdriften eigentlich immer wieder auf den Pfad der (journalistischen) Tugend(en) und somit zur Ausgewogenheit und angebrachter Distanz zurückführen. Müsste…

Die Maischberger ein zweiter Fall nach dem Beispiel “Anne Will”?

Wer das gehofft hatte, irrte. Und zwar gewaltig! Sandra Maischberger stapft nicht nur unverdrossen weiter auf dem von ihr eingeschlagenen Holzweg, sondern setzte ihren früheren Schnitzern nun auch eins drauf. Haben wir es bei der Maischberger inzwischen mit einem zweiten Fall nach dem abschreckenden Beispiel “Anne Will” zu tun? Wie auch immer: ihr Part der Moderation der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele am vergangenen Freitag live aus Peking verdient jedenfalls im Nachhinein den Stempel “Peinlich!”. In der Rolle der öffentlich-rechtlich bestallten Moderatorin war Sandra Maischberger eine ärgerliche Fehlbesetzung. Auf alle Fälle für diejenigen Zuschauer an den TV-Empfängern im fernen Deutschland war dies so, welche einfach eine ganz normale, faire und informative Berichterstattung von der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele im Pekinger “Vogelnest”-Stadion erwartet hatten. Stattdessen schien Frau Maischberger ständig angestrengt nach irgendwelchen Protestbekundungen in Sachen Menschenrechte seitens der ins Stadion einmarschierenden Sportler bzw. der im Stadion versammelten Zuschauer aus aller Welt Ausschau halten. So, dass sie manchmal sogar beinahe verpasste, den Fernsehzuschauern wichtige Informationen zu den einzelnen an Olympia teilnehmenden Nationen bzw. den Gastgeber China betreffend zu übermitteln.

Sandra Maischberger witterte überall Zeichen des Protestes

Die Maischberger trieb anderes um: Trug denn nicht wenigstens hier oder dort einer der einlaufenden Sportlerinnen und Sportler oder jemand im Publikum ein Armband mit einer Free-Tibet-Forderung? War, mag Frau Sandra vielleicht in dem Moment gedacht haben, das Andeuten von Osterhasenohren seitens einer Sportlerin mittels über ihrem Kopf ausgestreckten Händen und V-förmig gespreizter Finger dargestellt nicht doch etwas, wie eine den Sieg der Menschenrechte im Reich der Mitte anmahnende Kundgebung? Solche Zeichen witterte die ARD-Frau überall. Sehnte sie womöglich herbei. Doch die Zeiten, da Wünschen noch half, sind bekanntlich vorbei: Nichts, aber auch gar nichts nach Protest aussehendes vermochte die wirklich bemühte Moderatorin aus den von den Kameras eingefangenen Bildern bzw. aus eigener Inaugenscheinnahme der Veranstaltung herauszufiltern bzw. zusammenzusetzen, was sich irgendwie als Zeugen der Anklage gegen das böse China verwerten ließ. Daran konnte nicht einmal der holperig zusammengeschwatzte Begleittext der Moderatorin noch etwas ändern. Der Maischberger war die bittere Enttäuschung darüber direkt anzumerken. Doch aufgeben war nicht. Und schon konnte man auf eine “Stichelbeere” gegen China gefasst sein, die dann prompt nachgeschoben wurde. Denn das Bild vom die Menschenrechte verachtenden vermeintlich “bösen” Reich der Mitte bzw. deren Politik muss letztendlich stimmen, mag Frau Sandra da gedacht haben. Ob es nun zur Eröffnungsfeier passte oder nicht.

Maischberger hielt mutig die Fahne der Menschenrechte hoch…

Freuen über die grandiose Feier samt ihrer exorbitant beeindruckenden Tableaus und Regie-Einfälle konnte sich die Moderatorin ganz offenbar nicht. Denn, da waren ja noch die verletzten Menschenrechte der Tibeter und Uiguren. Deshalb muss man auch – Feier hin, Feier her – mutig Flagge zeigen, meinte Maischberger wohl und präsentierte sich als stramme Kämpferin, die den Mund für die Menschenrechte sozusagen auch an vorderster Front aufmacht. Aber dafür ist eine derartige TV-Moderation anlässlich der Olympia-Eröffnung denkbar ungeeignet. Und letztlich bekommt das Ganze noch ein Beigeschmack von Heuchelei.

…auch betreffs Guantanamo?

Warum erwähnte die gute Frau Maischberger denn nicht auch die Menschenrechtsverletzungen der derzeitigen US-Administration in Guantanamo, als der US-Präsident George W. Bush von den Kameras ins Bild gerückt wurde? Denn es war doch derselbe Präsident, welcher noch kurz zuvor die chinesische Regierung streng zur Einhaltung der (unteilbaren) Menschenrechte ihrerseits aufrief, und nun unschuldig von der Ehrentribüne herüber lächelte! Ein Mann, den man zumindest nach Auffassung von Oskar Lafontaine (LINKE) per Definition des Deutschen Bundestages auf Grund seines politischen Handelns und der Missachtung von Menschen- und Völkerrecht durch die von ihm angeführte Administration getrost einen Terroristen nennen darf.

Hand aufs Herz Frau Sandra! Gesetzt den Fall, die Olympischen Spiele fänden derzeit in den USA statt: Hätten sie auch den Mut gehabt, die US-Menschenrechtsverletzungen während der Moderation der Eröffnungszeremonie anzuprangern und dazu vollmundig die Abschaffung der Todesstrafe zu fordern? – Aber die USA sind ja die Guten, nicht wahr? Und noch dazu unsere Freunde, die uns einst die Demokratie beibrachten, dürften Sie möglicherweise einwenden.

Die Welt nicht immer nur durch die “westliche Brille” betrachten

Aus solchen Missverständnissen erwächst die pure Heuchelei. Weil sie dazu verleiten, mit zweierlei Maß zu messen. Um nicht missverstanden zu werden: natürlich hat China seine Hausaufgaben auf vielen Gebieten noch zu erledigen. Dennoch sollten wir es vermeiden, die Welt immer nur durch die “westliche Brille” zu betrachten. Und im Falle China mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern – darunter viele nationale Minderheiten – muss immer dazu gedacht werden, von wo dieses Land ursprünglich herkommt und auf welch schwierigem, aber durchaus auch in vielerlei Hinsicht Erfolg (auch in Sachen Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit) versprechendem Weg es sich im Moment befindet.

Letzteres heißt freilich nicht, dass wir im Westen uns mit Kritik an China zurückhalten müssen. Nur man muss halt wissen, wo diese Kritik nützlich ist und wo nicht, bzw. auf welche Weise sie geäußert wird.  Heuchelei ist nämlich immer dann der Fall, wenn versucht wird, den Eindruck zu erwecken, der Westen sei per se immer gut und somit  auf der richtigen Seite. Was ist mit dem Tun der großen Konzerne? Was mit der Politik des Westens im Sinne dieser Konzerne? Sie profitieren tatsächlich nicht selten von Menschenrechtsverletzungen unterschiedlichster Art. Ohne, dass sich die westliche Presse aufregt. Und die Menschenrechtsverletzungen finden eben bei weitem nicht nur im Reich der Mitte statt…

ARD hätte besser auf Maischberger verzichtet

Sandra Maischberger hat nicht nur das Zeug zu einer guten Journalistin, sondern sie ist auch eine exzellente. Damit hatten ihre Entdecker und Förderer folglich recht. Doch die Befürchtung besteht, dass die Maischberger ähnlich Anne Will immer öfters in trübe Schmutznäpfe greift, wenn es darum geht, eine von wem auch immer vorgegebene Linie auf dem Schirm umzusetzen. Dies aber widerspricht den Grundsätzen eines qualitätsvollen Journalismus. Was Frau Maischberger als Moderatorin der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking ablieferte, war jedenfalls weit unter ihrem Niveau. Diese Moderation war weder fair noch anständig gegenüber dem Gastgeber. Und die Zuschauer daheim wurden für dumm verkauft, mindestens aber bevormundet. Die ARD hätte deshalb besser darauf verzichtet, Sandra Maischberger mit der Moderation zu betrauen. Dann wäre so manchem Zuschauer der Eröffnungsfeier das eindeutig einseitige, teilweise abwertend herüber gekommene Gebrabbel und somit ein unter Umständen gefährliches Ansteigen des eignen Blutdrucks erspart geblieben. Olympia begann für deutsche Fernsehzuschauer mit einem Ärgernis. Es war mit einem Namen verbunden: Maischberger.

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Kommentare

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  1. Ich denken man soll ein “EröffnungsFEIER” auch als soches zu Dokumentieren und Kommentieren…ohne Vorbereitungen und immer eigene Sosse als Komentator/Moderator zu geben ist unpassend.

    Aber alles und ganze hat die Frau Maischberger ja keine Schuld, die es entschieden hat sie dafür einzusetzen soll sich darüber Gedanken machen wem man für FEIER einsetzt und wem man für eigene Meinungsäusserung einsetzt, grade bei so eine Welt-Event!