Alltägliche Betrachtungen: von Gewaltvideos als Nachrichten aus Georgien

Gewaltvideos müssen neuerdings mit einem gut lesbaren Warnhinweis versehen werden. Eingeführt werden sollte er endlich auch für die Nachrichten. Fünf Tage lang schießen sie im Kaukasus wild um sich, beerdigen anschließend ein paar Tausend Tote und unterzeichnen mit blutiger Feder einen Vertrag. Solche Horrorfilme gehen in keinen Kinderkopf – und

Michei.jpgGewaltvideos müssen neuerdings mit einem gut lesbaren Warnhinweis versehen werden. Eingeführt werden sollte er endlich auch für die Nachrichten. Fünf Tage lang schießen sie im Kaukasus wild um sich, beerdigen anschließend ein paar Tausend Tote und unterzeichnen mit blutiger Feder einen Vertrag. Solche Horrorfilme gehen in keinen Kinderkopf – und als Erwachsener muss man sich auch noch eines Zitats aus E. T. bedienen: “Das ist die Realität.” Wenn Gewalt Gewalt erzeugt, dann richten gewisse Machtpolitiker viel mehr Negatives an als jedes Video.

Wenn jetzt auch noch Kinder fragen, ob solche Politiker nach solchen Massenmorden vor Gericht gestellt werden oder ob sie bei nächster Gelegenheit wieder die Gelegenheit zum Töten nutzen dürfen, ist man als Erwachsener schnell mit seinem Latein am Ende. Die Frage ist nämlich berechtigt: Warum werden sie nicht vor Gericht gestellt? Oder bleibt es wie es ist: Man muss sich nur an die Spitze eines Staates wählen lassen oder hin schummeln – und schon hat man einen Freibrief für Verbrechen, die allenfalls ein wenig gesühnt werden, wenn ein System zusammenbricht?

Auswendig gelerntes Entsetzen

Sollten wir nicht endlich darauf dringen, dass unsere Politikerinnen und Politiker nicht nur bei Kriegen ihr wie auswendig gelerntes Unverständnis, Bedauern, Entsetzen… zum Ausdruck bringen, damit es gedruckt wird, sondern dass sie endlich die Gesetze so anwenden, dass jedem Massenmörder das Handwerk gelegt werden kann? Richtig: Das ist naiv! Schließlich geht es letzten Endes immer nur um wirtschaftliche Interessen, um Einfluss und Macht, die Moral von der Geschicht lautet eben stets: “Erst kommt das Fressen, dann die Moral.”

Die Macht verteidigen kann man aber nicht nur mit kriegerischen Mitteln, sondern auch mit verbalem Sprachmüll. Das zeigt sich jetzt wieder in Hessen. Dort klammert sich ein gewisser Roland Koch mit letzter Kraft an seinen Geschäftsführerstuhl, um das Porzellan, das er während seiner Amtszeit zerschlagen hat, kümmert er sich nicht, er zerschlägt weiter Porzellan und wirft Andrea Ypsilanti “Machtgier” vor. Der muss es wirklich wissen!

Der Konter der SPD lässt da auch nicht lange auf sich warten. Roland Koch, sagt SPD-Generalsekretär Norbert Schmitt, sei der “Letzte in Deutschland, der sich zu Fragen von Macht und Moral und zum Thema politische Glaubwürdigkeit äußern kann”. Schließlich habe dieser Politiker “Liechtensteiner CDU-Schwarzgeld” dafür benutzt, “um an die Macht zu kommen.”

Versteht man in Georgien sofort

Das klingt nach Bananenrepublik und wird in Georgien von den politischen Kreisen bestimmt sofort verstanden! Und die Maus, die davon keinen Faden abbeißen will, sitzt in der Falle, hebt noch einmal den Kopf und stirbt.

Wiederbelebungsversuche für die Demokratie starten derweil 46 Abgeordnete aus CDU, CSU, SPD und FDP. Sie fordern zu diesem Zwecke ein Wahlrecht von Geburt an. Das Motto lautet: “Der Zukunft eine Stimme geben.” Wenn aber die Kleinen von ihren Eltern fordern würden, dass sie nur noch für Politikerinnen und Politiker stimmen, die dafür sorgen, dass die Welt so gestaltet wird, wie ihre Kinderzimmer aussehen sollen, findet sich bestimmt jemand, der darauf hinweist, dass jeder erst einmal vor der eigenen (Kinderzimmer-) Tür kehren sollte.

Kommentare

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  1. Herr Tjaden,
    ich kann Ihnen da in Ihren Ausführungen nicht ganz folgen. Wenn Sie ausdrücklich Georgien (waren Sie schon mal dort? (ich ja) ) mit dem Begriff “Bananenrepublick” in Verbindung bringen – sind dann Putin und Co. lupenreine Demokraten? Und Roland Koch hat immerhin die Wahl gewonnen, da können Sie mir kein X für ein Y – pardon U- machen.