BEST OF READERS EDITION – eine Wochenbilanz

Langsam aber sicher rollt die Sache an: “Deutschland sicherte sich durch einen klasse Endspurt von Britta Steffen über 100 Meter Freistil die neunte Goldmedaille”, meldet heute news-von-morgen.de. Damit werde weiterhin der dritte Rang im Medaillenspiegel verteidigt, heißt es weiter. Bis allerdings die USA, auf Rang zwei der Gesamtwertung oder gar

kidsz.jpgLangsam aber sicher rollt die Sache an: “Deutschland sicherte sich durch einen klasse Endspurt von Britta Steffen über 100 Meter Freistil die neunte Goldmedaille”, meldet heute news-von-morgen.de. Damit werde weiterhin der dritte Rang im Medaillenspiegel verteidigt, heißt es weiter. Bis allerdings die USA, auf Rang zwei der Gesamtwertung oder gar Gastgeberland China – bis dato immerhin 26 Goldmedaillen – eingeholt werden, das vermögen auch wir nicht zu sagen. Was wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, allerdings sicher präsentieren können, das sind einige ausgesuchte Artikel dieser Woche, die darüber hinaus vielleicht etwas vom derzeitigen Olympia-Trubel abzulenken vermögen.

Bloggen im hohen Alter samt einiger Gedanken zum Thema Doping

Wenden wir uns nun also kurzzeitig von den Sportstätten ab und begeben uns mitten hinein in die Blogosphäre. “Gefunden: Eine noch ältere Bloggerin“, meldet uns bereits am vergangenen Samstag Eric Shackle. Denn während immer noch um Olive Riley, die Granddame der Szene, getrauert wird – sie war am 15. Juli im biblischen Alter von 108 Jahren verstorben – hat ihr Gehilfe Mike Rubbo eine noch ältere Dame entdeckt, die sich trotz ihrer Betagtheit dem Medium Internet verschrieben hatte. Ruth Hamilton lautete ihr Name. Doch auch sie, das muss leider gesagt werden, ist am 18. Januar, drei Monate vor ihrem 110. Wiegenfest, verstorben. Auch sie hatte Unterstützung beim Erstellen ihrer Video-Blogs auf GrowingBolder.com, was jedoch ihre “Mission” im World Wide Web in keinster Weise schmälerte. Die bis zum Ende neugierige und geistig äußerst rege Dame hat es sich ein Leben lang zur Aufgabe gemacht zu lehren. Zunächst in der Schule, später dann über Zeitung und mit Hilfe von Radio und schließlich via Internet. “Es fiel mir sofort auf, dass Ruth ein großes Vorbild wäre!”, schreibt Bill Shafer, ihr Unterstützer, in seiner Laudatio. “Der Computer war ihre Bühne. Die ganze Welt könnte ihr Publikum sein.” Ruth wollte die Menschen inspirieren und das hat sie sicherlich auch geschafft… Ihre Blogs sind übrigens immer noch zu sehen.

Nach diesem kurzen, aber sehr bewegenden Ausflug ins Web 2.0, blicken wir nun doch noch einmal Richtung Olympia und folgen dabei den Ausführungen von Rolf Ehlers, der da schreibt “Olympia 2008. Natürliche Leistungsgrenzen einhalten.” In seinem Beitrag bezieht er sich auf ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs zur Strafbarkeit des Aufputschmittels Methamphetamin, heute unter der Bezeichnung Crystal und früher unter dem Namen Pervitin bekannt. Hiermit stellt das Gericht “die große Gefährlichkeit dieser im Sport zum Zwecke des Dopings häufig benutzte Droge in den Mittelpunkt des Interesses”, schreibt er eingangs und erhebt schon nach wenigen Zeilen mahnend den Zeigefinger, indem er anführt: “Durch Doping wird versucht, die Leistungsgrenzen des Menschen immer höher hinaus zu schieben, indem man ihm chemische Substanzen verabreicht, die einzelne oder viele seiner Leistungen steigern.” Diese Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit im “brutalen Kampf Mensch gegen Mensch”, so meint Ehlers, zeigen sich vor allem bei den Olympischen Spielen, denn gerade dort wird das große Interesse “an (deren) Auslotung” sichtbar. Eines sollte dabei jedoch nicht außer Acht gelassen werden: “Die Natur hat (…) alle Geschöpfe mit natürlichen Leistungungsgrenzen versehen, die in der Praxis nur sehr selten ausgeschöpft werden.” Was der Mensch brauche, sei ein regelmäßiges maßvolles körperliches Training. Darüber hinaus spiele aber auch die richtige Ernährung eine in seinen Augen herausragende Rolle. Gedankengänge, die gerade in diesen Tagen mehr Aufmerksamkeit verdient haben…

Von sozialen Brennpunkten und mehr Sozialarbeitern

Um Ernährung geht es im nachfolgenden Text zwar weniger, dennoch handelt es sich auch hier um ein aufwühlendes und vor allem brisantes Thema. “Gentrifizierung in Neukölln – ‘Es gibt weniger überraschendes als früher’“, schreibt uns Marius Baumann an diesem Mittwoch, der sich im Nachfolgenden mit den drastischen Veränderungen eines ganzen Berliner Bezirks auseinandersetzt. “Reichtum verblödet”, “Neukölln ist auch nicht mehr das, was es einmal war” oder “44 bleibt Ghetto” ist an den Hauswänden dieses Gebietes zu lesen. Alteingesessene Bewohner tragen die Folgen eines Prozesses, der ihre ganze Umgebung umkrempelt. Trödler, die seit 20 Jahren ihren Geschäften nachgingen machen dicht, die Mieten schießen in die Höhe. “Solche Faktoren beeinträchtigen fortschreitend das einzigartige Flair des Viertels”, warnt Baumann und erklärt weiter: “Das Unvorhersehbare, das schmutzig-interessante einer ethnisch, kulturell und religiös pluralen Parallelwelt macht langsam aber sicher dem Berliner Szene-Mainstream Platz.” Dabei sei Gentrifizierung als stadtsoziologischer Prozess in einer lebendigen Stadt im Grunde wohl begrüßenswert, ob sich allerdings das einzigartige Flair einer gewachsenen Kiezkultur wenigstens in den Grundzügen erhalten könne, wird vor allem von der entsprechenden Stadtteilpolitik abhängen…

Mahnende Worte im Hinblick auf eine völlig andere Stadt hat auch Holger Finn seit dem gestrigen Donnerstag parat. Er fordert: “Schickt mehr Sozialarbeiter“. Hintergrund sind die zahlreichen Ausschreitungen am Rande der Spiele des Hallenschen FC in der jüngsten Vergangenheit. Ob er das allerdings völlig ernst meint, sei zwar zu Beginn seines Beitrages noch in Frage gestellt. Es stellt sich jedoch schnell heraus: Die Lösung der vorherrschenden Probleme kann eindeutig nicht im Vorschlag des “Regionalverbund Ost Fanprojekte” liegen, der für mehr Verständnis gegenüber den randalierenden Jugendlichen wirbt. Stadionverbote, wie sie der HFC verhänge, würden das prinzipielle Recht der Personen auf Anhörung missachten, meint dieser. Gewalt und Alkohol, Zerstörungswut und Fremdenfeindlichkeit verlangen ihres Erachtens nicht nach Strafe, sondern “nach noch mehr Betreuung, nach noch mehr und noch besser bezahlten Sozialarbeiterstellen, nach Gewaltstudien und noch akzeptierenderer Sozialarbeit.” Mit gewohnt spitzer Feder zieht Finn diese ihm so befremdliche Sichtweise durch den Kakao. Denn Früchte werden solche Maßnahmen, aber vor allem solche Vorstellung von unserer Jugend sicherlich nicht tragen…

Die Entpädagogisierung der Kindheit

Von den Jugendlichen geht es nun noch weiter zurück zu unseren Kindern und damit zu Jochen Ebmeier und seinem heutigen Beitrag “Leviathan bei den Kleinen I“, der sich auf die Veröffentlichung eines großen deutschen Publikumsmagazins mit dem Titel “Verschwinden der Kindheit” bezieht. Seine Kritik an den Ausführungen der Kollegen: “So sehr man ihr im Land des PISA-Krakeels jede denkbare Resonanz wünschen musste, hatte die Darstellung an einer bemerkenswerten Stelle ein Loch, und das erklärt vielleicht, warum sie so wenig gefunden hat.” Denn der Beitrag der pädagogischen Zunft zu diesem traurigen Ergebnis wird leider Gottes verschwiegen. Nach einigen kurzen Anmerkungen über den Begriff und die Vorstellungen zum Thema “Kind” schlägt Ebmeier zu: “Die Erwerbspädagogen haben sich inzwischen selbst den Eltern als ihre Zensoren und Wegweiser aufgedrängt und sich zum Vorbild aufgeworfen” und stellt im Folgenden auch gleich noch das Modell “Schule” in Frage, bleibt uns jedoch eine Alternative schuldig. Einen Diskussionsansatz gibt uns Ebmeier dennoch mit auf den Weg, indem er am Ende seines Artikels schreibt: “Nicht die weitere, womöglich ganztägige Verschulung, sondern die Entpädagogisierung der Kindheit ist daher das Gebot der Zeit.

Mit diesen Gedanken, liebe Leserinnen und Leser, verabschieden wir uns nun auch schon wieder ins Wochenende. Unser Dank gilt auch heute unseren zahlreichen fleißigen Autoren, die sich in den vergangenen Tagen so überaus vielseitig zu Wort gemeldet haben. Wir wünschen Ihnen nun erholsame Tage und freuen uns gemeinsam mit Ihnen auf die nächsten spannenden Beiträge. Nun aber weiterhin, viel Spaß mit den Olympischen Spielen… Machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag.

Ihre Redaktion Readers Edition

Photo Quelle/Copyright: Clarissa Schwarz, via pixelio.de

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