“Es gibt kein TV 2.0!” – neue Studie wirkt ernüchternd

“Der deutsche Internet-Unternehmer Peter Kabel hat einmal gesagt: ‘Ich habe Hunderte RSS-Feeds abonniert. Aber mal ehrlich, ich lese keinen einzigen. Macht aber Spaß.’ Das ist typisch: Im Netz gibt es ein überangebot von allem. Nur keiner nutzt es wirklich”, schreibt Spiegel online bereits im Februar dieses Jahres. Das Ergebnis der

tv20.jpg“Der deutsche Internet-Unternehmer Peter Kabel hat einmal gesagt: ‘Ich habe Hunderte RSS-Feeds abonniert. Aber mal ehrlich, ich lese keinen einzigen. Macht aber Spaß.’ Das ist typisch: Im Netz gibt es ein überangebot von allem. Nur keiner nutzt es wirklich”, schreibt Spiegel online bereits im Februar dieses Jahres. Das Ergebnis der damals thematisierten Studie der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg und der Freundliche Netzwerke GmbH war bezeichnend: “Was Portalbetreiber für wichtig halten, ist den Nutzern oft schnurz- und umgekehrt.” Diese Erfahrungen musste nun auch das Medium Fernsehen machen.

Fast anderthalb Jahre nach dem Start des ersten deutschen “TV-2.0-Senders” Uprom.TV, der im April 2007 mit seinen ersten Sendungen begonnen hatte kommt die User Interface GmbH heute zu einem weiteren ernüchternden Ergebnis: Denn Konsumenten sähen “TV 2.0″ eher skeptisch. Zwar sei das Fernsehen der Zukunft interaktiv. Doch der Zuschauer, so stellt die hauseigene Studie fest, lehne sich lieber zurück und wolle von “Mitmach-Fernsehen” so rein gar nichts wissen.

“Nach den Nachrichten direkt zum Blog der Redaktion surfen? Mit interaktivem, digitalem Fernsehen technisch kein Problem. Denn über eine Set-Top-Box mit Rückkanal findet ein Austausch zwischen dem Zuschauer und dem Anbieter eines Programms statt”, preist die UID die neuen Nutzungsmöglichkeiten an, die in den drei untersuchten Bereichen Set-Top-Boxen, interaktive Dienste und Medienverhalten jedoch nicht die gewünschte Würdigung erfuhren.

Klare Trennung zwischen Fernsehen und Internet

Was der Unternehmer Peter Kabel noch bewältigt hat, das scheint im Falle des Fernsehens schon eine erste Hürde. Denn die Hälfte aller Set-Top-Boxen-Besitzer hätten schon Probleme beim Aufstellen und Einrichten des Angebots gehabt. Dem wirren Blättern in unverständlichen Bedienungsanleitungen folgte dann oftmals der Anruf bei einer helfenden Hotline. Nichtsdestotrotz haben die Probanden diesen ersten Schritt noch tendenziell positiv bewertet. Anders sieht es mit Zusatzdiensten aus dem Web 2.0-Umfeld aus. Während sich der kostenlose elektronische Programmführer EPG in den Wohnzimmern weitestgehend durchgesetzt hat, ist es für die Nutzer derzeit noch schwer vorstellbar, Nachrichten an Freunde zu schicken oder Sendungen zu bewerten.

Franz Koller, UID-Geschäftsführer und Manager Consumer Solutions erklärt: “Die Studie zeigt, dass es ein ‘TV 2.0′ zunächst schwer haben wird. Obwohl das Nutzungserlebnis des digitalen Fernsehens immer mehr dem Computer gleicht, herrscht aus Sicht des Nutzers eine klare Trennung zwischen beiden Medien.”

Schlechte Nachrichten halten die Studienmacher darüber hinaus auch für die hierzulande recht zahlreichen Quizsendungen bereit. “Entgegen der Erwartungen der UID-Experten lehnen die Befragten eine Interaktion bei Quizshows und Shopping-Kanälen stark ab”, heißt es in der entsprechenden Meldung. Die höchste Bereitschaft zur Interaktion sei dagegen in Filmen oder Serien zu finden. Schwer werden es die entsprechenden Anbieter jedoch auch hier haben. Zwar sei ein Zusammenwachsen von Internet und Fernsehen durchaus erwünscht, doch selbst in Aktion treten, das können sich nur die wenigsten vorstellen. Passivität lautet also weiterhin das Credo der Zuschauer. Dem entgegenzuwirken kann in den Augen von Studienleiter Tobias Limbach demnach nur wie folgt aussehen: “Die erweiterten Funktionen des Fernsehers müssen noch einfacher sein als der Medienkonsum im Internet – eine Herausforderung, die nur mit Experten für Usability zu meistern ist.”

Volle Kontrolle über das individuelle Programm

Die im Februar von Spiegel online besprochene Studie bescheinigte den Online-Gemeinden geradezu ein “Wirrwarr an Funktionen”. Genutzt werden diese kaum. Rückbesinnung auf Kernkompetenzen sowie eine benutzerfreundliche Strukturierung der Angebote könnte demnach auch das Gebot der “Fernsehstunde” sein. So fordert UID unter anderem “eine höchst intuitive Kombination zwischen Fernbedienung und elektronischem Programmführer zu schaffen”, die als eine Art “Schaltzentrale” des neuen Fernsehens fungieren könnte und dem Nutzer so wieder die volle Kontrolle über sein individuelles Programm geben könnte.

An der Studie der UID nahmen nach eigenen Angaben 26 Personen im Alter zwischen 18 und 55 Jahren teil. Die Probanden verfügen über einen DSL-Internetzugang oder vergleichbares und besitzen eine Set-Top-Box für digitales Fernsehen. Durchgeführt wurde die Studie in den Münchner Teststudios des Spezialisten für Usability, Software und Design.

Photo Quelle/Copyright: Kurt Brodbeck, via pixelio.de

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  1. Was hierbei vielleicht vergessen wurde, ist die Tatsache, dass nicht jeder z.B. UProm TV empfangen kann…

    Ich z.B. sehe ihn in der “TV-Liste” sowohl Astra als auch Eutelsat ABER
    eine Fehlermeldung verwehrt mir den Zugriff darauf :-)

    Kabel-und Satbetreiber scheinen die Sender teilweise nicht einzuspeisen
    oder “falsch”…

    Fr. Runge