Mourning Rise ist sozusagen Leipziger Allstar. Da sind Leute von Grabak dabei, von Nuke Eastern Plot, von den Dark Suns und und und…Und nun ist auch noch der erste Silberling im Handel. Bei Supreme Chaos Records erschienen, gibt”s den vollen Film, namens “5 ways to illuminate silence” und dies ist Volly Tanner Grund genug im Helheim mit Rika – der Tastenfrau der Band – ins Gespräch zu kommen.
Volly Tanner: Hallo Rika. Du bist ja die Tastateuse bei MOURNING RISE. Und Ihr seid letzten Freitag mit FIVE WAYS TO ILLUMINATE SILENCE herausgekommen. Wer ist’n noch mit im Boot?
Rika: Hallo Volly. Da wäre zunächst mal unser Gitarrist Stefan, der eigentlich Dem K heißt. Lieblingsfarbe orange. J. Case hat mir seinen richtigen Namen noch nie verraten… er kommt so gut
wie immer zu spät zur Probe, bringt dann reumütig Bier mit und spielt Bass. Nico trommelt, hat als einziger immer den überblick und spielt in harten Zeiten den Oberbefehlshaber
. Außerdem hat er eine Brille, die setzt er aber nie auf… Schließlich gibt es noch Max und Niko. Die geben sich beim Gesang die Klinke in die Hand. Für unseren Unsinn sind sie sich außerhalb ihrer eigenen Bands Nuke Eastern Plot und Dark Suns nicht zu schade.
Volly Tanner: Umso öfter ich die CD höre, umso faszinierender ist die Fülle der Einfälle, die Ihr in die Musik eingebracht habt. Ihr switscht von orientalischen Klängen, hin zu System Of A Down, ins Bedrohliche und hin und her und her und hin. Toll. Wie muss man sich denn da den kompositorischen Entstehungsprozess vorstellen? Entstanden die Songs alle im Studio?
Rika: Schön, dass es Dir gefällt! Die Songs sind in ihren Strukturen alle komplett vor dem Studio im Proberaum entstanden und haben sich schlichtweg aus Improvisationen heraus entwickelt. Dabei waren wir so frei, uns eben gerade nicht an typischen Songstrukturen entlang zu hangeln… Als die Songs in etwa standen, das war im März 2007, waren wir über sechs Monate mit der Vorproduktion beschäftigt, d.h. wir haben unserem sehr guten Freund und Techniker Mathias (und uns) bittere, langwierige und endlos scheinende Stunden im Proberaum beschert… Bei diesen Voraufnahmen traten dann noch sehr, sehr viele Ideen zu Tage oder ganze Stimmungen von Songs wurden über Bord geworfen und ganz neu definiert. Startschuss für das Studio war dann der 22.Okober 2007. Wir waren so nervös, dass wir 14 Tage zuvor jeden Abend eine Probe angesetzt haben! Im KTF – Studio ging es dann natürlich richtig zur Sache bis wir im März dieses Jahres überglücklich das Master in den Händen hielten…
Die angesprochene Vielfalt ergibt sich zum einen aus der Vielfalt an Leuten, die an der Platte mitgewirkt haben. Wir haben schon immer gern weit über den Tellerrand geschaut und unsere Gegend hat eine Vielzahl an überaus interessanten Bands und Projekten zu bieten. Und im hiesigen Helheim kommen dann auch früher oder später alle mal vorbei. Die Idee, die entsprechenden Leute an einen Tisch zu setzen, kam von ganz alleine. Und zu unserem Glück haben auch alle mitgemacht und ihre eigenen Vorschläge eingebracht. Wie dann alles umgesetzt wurde, hat uns schon die Schuhe ausgezogen. Danke an euch alle nochmal!
Zum anderen standen persönliche Vorlieben und Situationen des alltäglichen Lebens Pate. Die Idee, einen spanischen Vers einfließen zu lassen, ergab sich z.B. so ganz unmysteriös und schnöde im letzten Spanien Urlaub. Und weil wir die Musik ursprünglich gar nicht einem größeren Publikum vorstellen wollten, sondern in erster Linie für uns gewerkelt haben, hatten wir auch kein Problem, ein ungewohntes Süppchen mit den etwas anderen Zutaten zu köcheln. Eingleisig fahren ist im übrigen noch unlustiger, als es klingt…
Volly Tanner: Ist was an dem Gerücht dran, dass sich Mourning Rise nicht LIVE geben wird? Dass die Platte für sich stehen soll? Wie soll’n das funktionieren?
Rika: Ja, da ist was dran… Als MRise treten wir erstmal nicht auf. Aber wir haben so einen ganz raffinierten Plan, der dreht sich um Wörter wie “spontan”, “unangekündigt”, “improvisieren” und “unter falschem Namen”. Aber ansonsten natürlich alles ganz geheim. Jedenfalls keine großen Sachen, sondern tiefster unterer Untergrund. Und das hat einiges für sich: z.B. fällt dieses lästige Rumproben eines Live Sets weg und wir können schneller an neuen Songs rumbasteln. Die Leute haben keine Erwartungshaltung, die es zu erfüllen gilt. Und vor allem stehen wir nicht so darauf, uns auf eine Bühne zu stellen und uns bejubeln zu lassen. Und dann sollen die Leute auch noch Geld bezahlen, nur um uns zu sehen. Niemals!!! Dann lieber die Anarcho Attitüde pflegen. Wir sind nichts, die Idee ist alles.
Volly Tanner: Die Anarcho-Attitüde verlangt aber auch das Zerstören alter Strukturen und die Idee für Neues. Gibt’s da bei MR eine politische Komponente – musikalisch geht’s ja bei Euch extrem antinational durch die Kulturen.
Rika: Genau genommen gibt es vier politische Komponenten… nämlich die Mitglieder. Der gemeinsame Nenner war zunächst nur der Wunsch, gemeinsam Musik zu machen. Nachdem wir diesen ersten Schritt jetzt hinter uns haben, ist es für uns wichtig uns neu zu orientieren. Das gilt sowohl für die musikalische als auch für die inhaltliche Seite von Mourning Rise. Und was den Inhalt angeht haben wir beschlossen in Zukunft Position zu beziehen. Mit der Arbeit von Supreme Chaos Records besteht auch die Möglichkeit einen größeren Hörerkreis zu erreichen. Wir werden aber nicht die lyrische Keule auspacken und Themen wie unsere Kanzlerin oder den CO2-Ausstoß anprangern, sondern einen subtileren Weg einschlagen und dabei weit in die Ferne schauen. Wir alle wissen, dass die Dinge auf der Welt nicht so laufen, wie sie es sollten.
Trotzdem schauen viele einfach weg. Und wenn wir die Möglichkeit haben, den ein oder anderen daran zu erinnern, versuchen wir das eben auch. Dennoch werden wir niemanden damit mit dem Arsch ins Gesicht springen, das machen schon andere viel besser. Aber wenn es in den Texten heftiger und wütender zugeht, wird sich das auf jeden Fall auch unüberhörbar in der Musik niederschlagen. Ein Konzept ist da schon in Arbeit, aber alles andere als konkret. Auf jeden Fall wird sich die zukünftige Arbeit stark von der aktuellen Platte unterscheiden…
“Antinational” ist übrigens ein gutes Wort.
Volly Tanner: Eure CD, die ja im Titel fünf Wege die Stille zu erhellen verspricht aufzuzeigen ist ja nunmal in der englischen Sprache abgefasst – Was sind denn die fünf Wege?
Rika: Der Ausgangspunkt ist, dass es unterschiedliche Herangehensweisen sind, die verschiedene Situationen und Momente beleuchten sollen. Dabei bezieht sich die Zahl fünf zunächst auf die Anzahl der kreativ Schaffenden die an den Songs gearbeitet haben, wobei der Gesang hier als ein Instrument verstanden wird. Was wiederum beleuchtet werden soll, sind Augenblicke. Augenblicke,
festgehaltene Bilder, die auch stark durch das emotionale Erleben im Moment der Wahrnehmung geprägt sind. Das bedeutet, dass jeder einzelne Song zumindest für uns einen anderen Ansatz darstellt, den Moment eines Erlebens wahrzunehmen, in diesem Zusammenhang die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich, die sich wie ein roter Faden auch durch Texte und Bilder zieht.
Am Ende bezieht sich der EP-Titel damit auf die unterschiedlichen Stimmungen der Songs. Der Schlüssel zum Verständnis liegt deshalb in der Hand des geneigten Hörers selbst. Denn erst durch das sich befassen, durch das aufnehmen und verarbeiten, durch die eigenen Gedanken, erhellt sich die Stille. und das Bild, dessen Rahmen wir lediglich vorzugeben versuchen, wird sichtbar.
Volly Tanner: In welche Richtung, denkst Du, geht Metal denn im Moment – ich habe das Gefühl, dass er immer professioneller und gefälliger wird. Was denkst Du persönlich?
Rika: Jetzt ist der richtige Moment, um einzuwerfen, dass ich mit Metal eigentlich nicht so viel am Hut habe. Ich schneide das Genre immer mal an, wenn mir etwas Gutes zu Ohren kommt. Aber um etwas Substanzielles zur Entwicklung des Metal hier abzugeben, fehlt mir schlicht der Hintergrund… Was mir aber aufgefallen ist: es gibt mittlerweile ungefähr zwölfhundertachtzig Kategorien desselben, die ursprünglich mal dem überblick dienen sollten. Dieses lobenswerte Ziel wird mit jeder “Genrebezeichnungsneuschöpfung” jedoch weiter verfehlt…
Volly Tanner: Und wo ist Deine musikalische Heimat, Rika?
Rika: Ich treibe mich eher in alternativen Rock-Gefilden herum… Da wären als wichtige Einflüsse The Gathering, Porcupine Tree und Anathema zu nennen… Das sind im übrigen auch Bands, die uns allen, so unterschiedlich die Vorgeschichten und Vorlieben auch sind, am Herzen liegen. Um kurz auf Metal zurückzukommen, so sollte beispielsweise Opeth nicht unerwähnt bleiben… Sich festzulegen fällt insgesamt jedoch sehr schwer, es gibt schließlich eine Unmenge an grandioser Musik die letztlich als Inspirationsquelle dient.
Volly Tanner: Das stimmt, Rika – und man sollte sich da auch nicht selber beschneiden. Zum Abschluss kannst Du auf die Welt noch eine Weisheit ablassen. Das macht sich immer ganz gut – ein Wegweiser durch den hiesigen Irrsinn.
Rika: Lao-Tse sagt: Auch wer gegen den Strom schwimmt, schwimmt im Fluss… Und weil wir gerade bei Weisheiten sind, fällt mir doch glatt noch eine spektakuläre Aussage von Max ein: Man kann sich nicht zuviel vornehmen, man kann nur zu wenig erreichen. In diesem Sinne…Volly, habe vielen Dank!!!! Wir sehen uns im Helheim!
Volly Tanner: Genau – bis denne!
Photo Quelle/Copyright: www.coloure.com
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.