“Reichlich gewagter, international populärer Schwank mit exzellenten Momenten und einigen Längen”, lautet eine der Kritiken über die Komödie “Ein Käfig voller Narren” aus dem Jahre 1978. Doch das ist nur Kino und Theater, das Amtsgericht in Mönchengladbach-Rheydt dagegen gibt es tatsächlich – die Amtsrichterin Oles auch. “Zu einigen Längen” kommt es bei ihr nicht mehr, sie fasst einen Beschluss nach dem anderen, obwohl gegen sie ein Befangenheitsantrag vorliegt, über den noch gar nicht entschieden worden ist. Man könnte also sagen, dass es “reichlich gewagt” ist, was diese Amtsrichterin Oles tut, seitdem ihr vom Oberlandesgericht in Düsseldorf der Beschluss in Sorgerechts-Sachen Jessica Müller um die Ohren gehauen worden ist.
Zu einem “exzellenten Moment” reicht es außerdem immer noch nicht. Jetzt hat die Amtsrichterin Oles den Eltern der Elfjährigen, die seit über vier Jahren im Schloss Dilborn lebt und seit geraumer Zeit mit Risperdal ruhig gestellt wird, folgenden von ihr verfassten Beschluss zugeschickt: “In der Vormundschaftssache betreffend Jessica Müller, geboren 21.5.1997, wohnhaft Familienwohngruppe Achterhoek, Achterhoeker Schulweg 4 in 47626 Kevelaer, Vormünderin Frau Almuth D., Mönchengladbach, soll ein schriftliches Sachverständigengutachten zu folgender Frage eingeholt werden: Entspricht die Medikation Jessicas mit Risperdal dem Kindeswohl? Zum Sachverständigen wird bestimmt Dr. I. S. B., Rheinische Kliniken Viersen-Süchteln, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Johannisstraße 70, 41749 Viersen.”
Adresse schnell gefunden
Diese Kliniken kennt die Elfjährige bereits, könnte sich die Amtsrichterin Oles gedacht haben und da sie laut einer kürzlich verfassten “dienstlichen Stellungnahme” nur “den Akteninhalt” berücksichtigt, dürfte sie die Adresse dieser Kliniken dort schnell wieder gefunden haben.
Zudem kann man zumindest einer dort tätigen Fachkraft geradezu außergewöhnliche Fähigkeiten bescheinigen. Nach Jessicas Klinikaufenthalt hat sie in einem Bericht vom 19. August 2003 der Kleinen so einige psychische Mängel bescheinigt. Dabei berief sie sich auch auf eine Kollegin, die darüber so verblüfft war, dass sie am 14. August 2003 in einem Telefongespräch dieser Fachkraft mitteilte: “Ich kenne Jessica gar nicht.2 Diesem Gespräch folgte am 28. Juni 2004 eine schriftliche Stellungnahme jener Kinderärztin gegenüber dem Amtsgericht Mönchengladbach-Rheydt.
Weit und breit kein Supermarkt
Die Fachkraft aus den Rheinischen Kliniken Viersen-Süchteln verließ sich bei ihrer Diagnose aber nicht nur auf eine Kinderärztin, die Jessica noch nie gesehen hatte, in ihrem Bericht verwies sie zudem auf auffälliges Verhalten der Kleinen in einem Supermarkt, gelegen in unmittelbarer Nähe einer Kinderarztpraxis. Allerdings: Weit und breit gibt es dort keinen Supermarkt, hat der Vater von Jessica Müller dem Gericht vor fünf Jahren mitgeteilt.
Alpträume nach Klinikaufenthalt
Jessica Müller ist vom 31. Juli bis 16. August 2003 in den Rheinischen Kliniken Viersen-Süchteln gewesen. Nach ihrer Rückkehr ins Elternhaus wurde sie von Alpträumen geplagt, ihren Eltern berichtete sie von einem sexuellen übergriff eines Pflegers, doch eins tröstete sie: “In diese Klinik muss ich nie wieder.” Für diese Äußerung gibt es Ohrenzeugen.
Wie bereits erwähnt: “Ein Käfig voller Narren” ist eigentlich nur Kino und Theater, aber in Mönchengladbach?
HURRA,HURRA das Jugendamt Mönchengladbach ist wieder da!!!
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