Kopfschmerzen als Zivilisationskrankheit nehmen mittlerweile eine Pole-Position unter den selbstbehandelten Alltagswehwehchen ein: nur drei von zehn Deutschen geben an, nicht regelmäßig unter Kopfschmerzen zu leiden. Grund genug für das Deutsche Grüne Kreuz, vom 30. August bis 4. September 2008 die Aktionswoche „Kopf-Schmerz-Frei“ ins Leben zu rufen. Doch was kann man tun, wenn die Kinder plärren, der Schreibtisch zugemüllt ist und der Schädel mal wieder brummt?
Vielfältige Ursachen
Kopfschmerzen können je nach Art und Erscheinungsbild vielfältige Ursachen haben, am meisten verbreitet sind jedoch Spannungskopfschmerzen und Migräne. Neben hormonalen Faktoren – sprich: dem Geschlecht (Frauen sind zwei bis drei Mal häufiger von Kopfschmerz betroffen) scheint interessanterweise auch die Region, in der man lebt, eine Rolle zu spielen: So fanden Wissenschaftler der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) beispielsweise in einer bundesweiten Studie heraus, dass Spannungskopfschmerzen und Migräne bei Frauen in Dortmund weniger häufig auftreten als in Augsburg. Neben Umgebungsreizen wie beispielsweise Lärm, Lichtverhältnissen und Trinkwasserqualität könnten dafür auch beispielsweise bestimmte Nahrungsmittel und Merkmale der eigenen Schmerzverarbeitung sowie das Gesamtausmaß an psychischer Belastung verantwortlich sein.
Behandlungswege: Pillen, Blutegel, Loch in den Kopf hauen
Während heutzutage der Griff zum freiverkäuflichen Anti-Schmerz-Präparat den meisten Kopfschmerzopfern geläufig sein dürfte (Schmerzmittel gehören seit Jahren zu den meistverkauften Medikamenten überhaupt), wurden im Altertum möglicherweise weit rabiatere Methoden der Kopfschmerzbehandlung angewendet. Archäologische Ausgrabungen belegen, dass bereits vor mehr als 7000 Jahren Löcher in Schädel geklopft wurden – vermutlich zu Heilzwecken, basierend auf der imponierend schlichten überlegung, dass es Schädeldruck zu verringern gelte bzw. dass böse Geister und giftige Dämpfe entweichen müssten. Diese „Dr.-House“-verdächtige Form innovativer Behandlungstechnik (die überraschenderweise offenbar von der Mehrzahl der so Behandelten überlebt wurde) fand im Altertum eine Ablösung durch die Anwendung von Blutegeln. Dann doch lieber der Griff zur Pille? Vorsicht!
Medikamente senken die Lebensqualität und können selbst Kopfschmerz erzeugen
Regelmäßig zum Zweck der Schmerzbekämpfung eingesetzte Medikamente können selbst wiederum Schmerzen erzeugen. Bei längerer Einnahme steigt die Schmerzempfindlichkeit nämlich paradoxerweise an. Und nicht nur das: so konnte die Studie der DMKG nachweisen, dass die Lebensqualität von Kopfschmerz-Patienten dann am geringsten war, wenn dieser als „medikamenteninduziert“ eingestuft wurde. Dies ist besonders dann der Fall, wenn häufiger Präparate gewechselt oder sogenannte Kombinationspräparate eingesetzt werden, die mehr als einen Wirkstoff enthalten. Durch den regelmäßigen Einsatz der Pille stellt man sich also selbst ein Bein.
Psycho-Hygiene, Hypnose, Tagebücher und Spaziergänge gegen den Schmerz
So alt wie der Schmerz selbst ist auch seine psychologische Bekämpfung. Bereits im Alten Ägypten wurde der „Tempelschlaf“ als eine Vorform der Hypnose gegen Schmerzleiden eingesetzt. Heute belegen zahlreiche Studien eine gute Wirksamkeit der Hypnose unter anderem bei Migräne, aber auch Selbst-Entspannungsmethoden können in der Regel leicht erlernt und durch fast jeden angewendet werden. Mit der Senkung des allgemeinen Stresslevels sinkt auch die Anfälligkeit für Schmerzen. Darüber hinaus sind Maßnahmen der Psycho-Hygiene nicht zu unterschätzen: beständiger Lärm, anhaltende Beziehungskonflikte oder widrige Arbeitsumstände gilt es nicht nur im Sinne der Schmerzvorbeugung langfristig zu beseitigen, damit einem nicht mehr „so viel durch den Kopf geht“. Darüber hinaus haben sich Schmerztagebücher als sehr erfolgreich erwiesen. Hierbei werden die Aktivitäten des Tages und das jeweilige Ausmaß des Schmerzes sorgfältig protokolliert. So werden unter Umständen wichtige Zusammenhänge deutlich (etwa das die Migränehäufigkeit nach dem Konsum bestimmter Lebensmittel deutlich steigt). Gegen den verbreiteten Spannungskopfschmerz hilft neben einer liebevollen Massage (können Sie auch selber machen) manchmal auch einfach frische Luft in Form eines kleinen Spaziergangs. So unterbricht man Stressmomente und kann mal wieder “den Kopf (schmerz)frei” kriegen.
Links:
Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft
Schnelltest auf Stern.de: Spannungskopfschmerz oder Migräne?
Bildquelle: pixelio.de (angelsami)
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