“Deutschland sucht den Super-Sozialbetrüger“, “Der neue Rinderwahn” oder “Stellt Genfer Experiment die Relativitätstheorie in Frage?“: Es war eine bunte und aufreibende Woche auf der Readers Edition. Neue TV-Formate standen dabei ebenso im Vordergrund wie der Fleischkonsum der Erdbevölkerung oder neueste Erkenntnisse der Wissenschaft. Fleißige Diskutanten gingen zu Werke, kritisch äußerten sich unsere Autoren. Da fiel die Auswahl immens schwer. Und so spannen wir heute einen weiten Bogen und folgen den Schreiberlingen nicht nur auf ein Musikfestival in die USA oder gedenken mit ihnen einem ganz großen Künstler, sondern philosophieren mit ihnen gemeinsam auch über hoch moralische Themen. Wir hoffen, Ihnen damit auch am heutigen Freitag ein interessantes “Lese-Paket” geschnürt zu haben und starten deshalb sogleich mit einem kleinen Trip über den großen Teich.
Hinter den Kulissen eines Festivals samt Gedanken über das Menschsein an und für sich
“Your Vegas Bets bei All Point Festival“, lautet die simple überschrift von Amy Grimm. Dabei hat sie eine äußerst spannende Erfahrung machen dürfen, zu der nur wenige Gelegenheit bekommen. Sie hatte die Möglichkeit mit dem Frontmann der New Yorker Band “Your Vegas”, Coyle Girelli, nach deren Auftritt beim All Points West Festival zu telefonieren und ihn ein bisschen über den absolvierten Gig als auch die gerade laufende Tour zu befragen. Vielleicht hatte sie feuchte Hände, eventuell mag ihre Stimme gezittert haben. Doch was dabei herausgekommen ist, ist ein äußerst interessantes Gespräch direkt aus dem Innenleben des Musikbusiness. Coyle erzählt ihr von den gemeinsamen Erlebnissen mit Duran Duran, von der Inspiration, die von New York ausgeht und der Begeisterung für die Herren von Radiohead. Dabei hat Amy das Ende der Fahnenstange noch gar nicht erreicht. Rein zufällig ergab sich auf derselben Veranstaltung auch eine spontane Unterhaltung mit den Black Angels aus Texas. Und auch hier heißt es wieder Ohren aufgesperrt, denn diese touren demnächst mit Roky Erikson!
Mit Rock’n'Roll hat unser Autor davoice allerdings so gar nichts am Hut. Vielmehr titelt er seit vergangenen Dienstag: “Eigenverantwortung ist keine Entscheidung” und nimmt uns seitdem mit auf eine gedankliche Reise, die äußerst lohnenswert ist. “In den letzten Jahrzehnten erwachte im Menschen immer mehr das Bewusstsein für die Eigenverantwortlichkeit, was sich zunächst in einer überbetonung der Eigenbestimmung äußerte und bisweilen in purem Individualismus endete, und heute zunehmend Ausdruck in den Reglementierungen unserer Systeme finden. Die Eigenverantwortung wird institutionalisiert”, beginnt er seine überlegungen. Welche dann auch sofort mit der Frage weitergeführt werden, wie man eigentlich ein Bewusstsein für diese erreichen kann. Denn das Lernen von Konsequenzen stehe dabei ebenso im Vordergrund wie das Aneignen einer gewissen Erfahrungsvielfalt an Informationen, um eine Entscheidung treffen zu können. “Nun ja, verstanden haben das im Prinzip die meisten”, konstatiert er. Doch die Umsetzung ist noch einmal eine ganz andere Sache. So stellt er am Ende auch fest: “Eigenverantwortung ist keine Entscheidung und auch keine Verhandlungssache! Eigenverantwortung ist Teil des Bewusstwerdungsprozesses!” Dabei wäre uns allen gut geraten, dies zu erkennen. Oder zumindest jenen, die sich nicht länger diktieren lassen wollen…
Erinnerungen an einen großen Künstler, aber auch geschichtliche Ereignisse mit Tragweite
Doch nun zurück zu den schönen Künsten. Wenn auch aus einem traurigen Anlass. Am 10. August dieses Jahres ist Isaac Hayes im Alter von nur 65 Jahren an einem Schlaganfall verstorben. Die Szene trauert um einen begnadeten Musiker und ja, viel wurde über ihn in den letzten Tagen geschrieben. In den Augen von Orlando Dozier aber anscheinend zu viel über seine Sprechrolle in der beliebten Serie “Southpark”, in der er den Chefkoch übernahm. “Er war noch für viele andere Dinge bekannt”, wirft der Autor mahnend ein. Er schreibt: “Als ich aufwuchs, kannte man ihn als Black Moses. Seine Stimme war einzigartig, gefühlvoll und die Essenz seines Talents. ‘Hot Buttered Soul’ und ‘Black Moses’ wurden in dem Haus, in dem ich lebte, viel gespielt. Hayes war ein Original. Er begeisterte sich für Goldketten, große Sonnenbrillen und für eine Glatze, lange bevor einer der heutigen Rapper geboren wurde.” Für ihn steht also eindeutig die Musik im Vordergrund. Hier vor allem jedoch sein “Meisterstück”, der legendäre Soundtrack zum Kultfilm “Shaft”. Und so schließt er mit folgenden Worten: “Ich hoffe, wenn am Ende alles gesagt und getan ist, dass sich die Welt an Hayes nicht als den Chefkoch von ‘Southpark’ erinnern wird, sondern an den glatzköpfigen, Goldketten und dunkle Sonnenbrillen tragenden Black Moses.” Wie wahr, wie wahr…
Erinnerungen ganz anderer Natur kommen in diesen Tagen unserem geschätzten Autor Helmut Rohe in den Sinn. “Droht eine neue Kuba-Krise? Ja! Sie ist schon da. Der Georgien-Konflikt beweist es!“, erklärt er am letzten Donnerstag. “Für das gedeihliche Zusammenleben von Menschen, Völkern und Interessengruppen gelten natürliche Grundregeln, die nicht ohne ernsthafte Folgen missachtet werden dürfen. Eine Regel lautet, dass jeder eine gewisse Schutzzone benötigt, um sich sicher zu fühlen und um Aggressionen weitgehend zu vermeiden”, führt Rohe in den historischen Vergleich ein. Doch im Verhältnis zwischen Russland, und den USA, der NATO und den EU-Staaten würden im Moment wohl so ziemlich alle notwendigen Grundregeln sträflich außer Acht gelassen. Der aktuelle Konflikt in Georgien ist hier als deutliches Warnsignal zu sehen. Rohe ist sich sicher, die Weltmächte spielen schon wieder mit dem Feuer – ganz genauso wie damals bei der Kuba-Krise. Die Frage, die sich hier wahrscheinlich nicht nur unserem Autor aufdrängt ist berechtigt: “Was haben die EU und die NATO für eine Sinn, wenn jedes ihrer Mitglieder ohne Zustimmung der Gemeinschaft bilaterale Verträge schließen kann, die die Sicherheitslage für alle Mitgliedsstaaten in Mitleidenschaft ziehen, schlimmer noch, die im vorprogrammierten Konfliktfall automatisch den NATO-Bündnisfall auslösen.” Ein Gedanke, dem wir vielleicht etwas länger nachhängen sollten…
Und nochmal Rock’n'Roll
Hinweg nun aber mit trübsinnigen Aspekten der Weltpolitik. Mit Musik in New York haben wir begonnen. Mit Musik wollen wir an diesem Freitag auch enden – allerdings verirren wir uns hierzu gemeinsam mit Volly Tanner ins schöne Leipzig und zu einer Band namens “Lament“. Diese bringt bereits am 20. September eine nun schon lange versprochene Live-DVD heraus. Anlass genug für unseren fleißigen Schreiberling, sich kurzerhand mit Boerge, Mitglied der Truppe, zu treffen und einen “kleinen Plausch über’s früher und weiter” zu halten. Dabei heraus kam – ähnlich wie auch schon bei Amy – ein Blick in das Innenleben einer Band. Angefangen bei einem grandiosen Erfolg anlässlich eines Band-Wettbewerbs, über die daraus resultierenden Schwierigkeiten, bis hin zur völligen Neuorientierung. “Ehrlichkeit und Authentizität waren und sind uns wichtig”, sagt Boerge im Verlauf des Gesprächs und beschreibt damit eindrucksvoll den ambivalenten Weg einer jungen Musikgruppe vom Laien- ins Profilager. Denn da wollen sie nämlich nach wie vor hin…
Mit diesem Blick in den Underground verabschieden wir uns an dieser Stelle von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Auch heute gilt unser Dank all jenen, die sich aktiv am guten Gelingen der Readers Edition beteiligen und dafür sorgen, dass Woche für Woche nicht nur die klassischen Nachrichten, sondern darüber hinaus auch weit abgelegene Themenfelder erstklassig bearbeitet werden. Wir wünschen Ihnen nun erholsame freie Tage. Machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag.
Ihre Redaktion Readers Edition
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