“Acht Jahre sind genug!” – Barack Obama akzeptiert Nominierung

Exakt 45 Jahre nach Martin Luther Kings “I have a dream”-Rede zur Aufhebung der Rassenunterschiede nimmt Barack Obama die Präsidentschafts-Nominierung seiner Partei an und verkündet vor über 80.000 Menschen im Football-Stadion von Denver: “Acht Jahre sind genug!” Sie alle sind gekommen, wegen einem Mann. “Yes, we can”-Sprechchöre, wie auch kürzlich

tzetrwwf.jpgExakt 45 Jahre nach Martin Luther Kings “I have a dream”-Rede zur Aufhebung der Rassenunterschiede nimmt Barack Obama die Präsidentschafts-Nominierung seiner Partei an und verkündet vor über 80.000 Menschen im Football-Stadion von Denver: “Acht Jahre sind genug!”

Sie alle sind gekommen, wegen einem Mann. “Yes, we can”-Sprechchöre, wie auch kürzlich schon in Berlin. 44 Minuten wird er am Ende gesprochen haben. “Mit tiefer Dankbarkeit und großer Demut nehme ich die Nominierung für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Amerika an”, beginnt er seine Rede. Es folgt der Dank an Hillary und Bill Clinton, Ted Kennedy, der “den Geist des Dienstes am Menschen verkörpert”, wie Obama sagt, Joe Biden, und natürlich an Michelle Obama, seine Frau, die “nächste First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika” sowie seine beiden Töchter. Schelmisch lächelnd sagt er das, verliebt noch immer, rührend wie immer. Im amerikanischen Wahlkampf gehört das einfach dazu.

“Wir müssen aufstehen und sagen: Es reicht!”

Doch was dann kommt, sind schneidende Sätze, die sich einprägen. Die meisten gegen George W. Bush und John McCain gerichtet. “Wir lieben dieses Land zu sehr, als dass wir wollten, dass es noch vier Jahre weiter so regiert wird wie die letzten acht … Acht Jahre sind genug!” ist so ein Satz, oder “Wir haben mehr Mitgefühl, als uns die derzeitige Regierung glauben machen lässt.” Worte, die ankommen bei den Zuhörern und dort auch verweilen sollen. Denn, so ruft Obama seinen potentiellen Wählern zu: “Am 4. November müssen wir aufstehen und sagen: Es reicht!”.

“Wir müssen das amerikanische Versprechen mit neuem Leben erfüllen”, sagt Obama. Immer wieder kommt er in seiner Rede darauf zurück. Es ist das Versprechen, dass “Jeder in diesem Land durch eigene Kraft seine Träume wird erfüllen können”. Und dann, erst am Ende kommt er auf das historische Datum zu sprechen, das ihn mit einem anderen Afroamerikaner verbindet, die Rede von Martin Luther King am 28. August 1963 vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C.. Diese Sätze sollen in den Köpfen hängenbleiben:

Im Geiste Martin Luther Kings

“Das amerikanische Versprechen treibt uns voran, auch wenn der Weg ungewiss ist. Das verbindet uns trotz all unserer Unterschiede, und das sorgt dafür, dass wir unser Augenmerk nicht auf das lenken, was man sehen kann, sondern auf das, was unsichtbar ist, was hinter den Dingen steht. Dieses Versprechen ist unser größtes Erbe. Es ist ein Versprechen, dass ich meinen Töchtern gebe, wenn ich sie abends ins Bett stecke, und ein Versprechen, das Sie an Ihre Kinder machen – ein Versprechen, das Einwanderer Ozeane überqueren und Pioniere nach Westen reisen ließ [...] Genau dieses Versprechen war es, was genau vor 45 Jahren Amerikaner aus allen Ecken des Landes dazu gebracht hat, sich vor dem Lincoln Memorial zu versammeln und einem jungen Prediger aus Georgia zuzuhören, der von seinem Traum sprach. Die Männer und Frauen, die sich versammelten, könnten viele Dinge gehört haben. Sie könnten Worte des Zorns und der Zwietracht gehört haben. [...] Aber was die Menschen hörten, anstatt – Menschen jedes Glaubens und jeder Hautfarben, aus allen sozialen Schichten, war, dass in Amerika unser Schicksal untrennbar miteinander verbunden ist. Dass unsere Träume eins werden können, wenn wir zusammenhalten. “Wir können nicht allein voran kommen”, rief uns der Prediger damals zu. Und wenn wir voranschreiten, müssen wir sicherstellen, dass wir immer vorankommen. Wir können nicht umkehren.” Amerika, wir können nicht umkehren. Nicht mit soviel Arbeit, die noch getan werden muß. [...] Wir können nicht allein voran kommen. In diesem Moment, in dieser Wahl müssen wir uns darauf verpflichten, allesamt den Weg in die Zukunft zu schreiten. Lasst uns das Versprechen halten – das amerikansiche Versprechen – und an den Worten der Heiligen Schrift festhalten, ohne zu wanken, zu der Hoffung zu der wir uns bekennen. Danke, Gott schütze Euch, und Gott schütze die Vereinigten Staaten von Amerika.”

In der aufgrund des Georgien-Konflikts mit Russland momentan wieder weltpolitisch aufgeheizten Stimmung, die der Publizist Peter Scholl-Latour gestern abend bei Maybrit Illner im ZDF (direkt zum Video) gefährlicher als die des Kalten Krieges bezeichnete, weil die früher durch gegenseitig abgeschlossene Sicherheitsverträge abgesteckten Regeln nicht mehr gelten, hat John McCain in aktuellen Umfragen punkten, Obama zeitweise sogar überholen können. Ein Teil von Amerika sehnt sich nach einem erfahrenen Führer, der sagt wo es lang geht. Ob sich Obama das Vertrauen auch dieser Gruppe mit seiner angekündigten Politik der außenpolitischen Diplomatie und Partnerschaft wird erkämpfen können, es bleibt abzuwarten.

Hier die gesamte Rede zum Nachhören:

… und zum Nachlesen

Photo Quelle/Copyright: zenobia_joy, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

Kommentare

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  1. Man ist die Wahl so spannend. Wer wird wohl gewinnen?

    Obama wird der erste schwarze Präsident sein. Ein Hurra auf die Demokratie in der USA.