BEST OF READERS EDITION – eine Wochenbilanz

“Acht Jahre sind genug!“, hat Barack Obama in Denver verlauten lassen. “Wir müssen aufstehen und sagen: Es reicht!” Vor mehr als 80.000 Menschen hat er jetzt die Präsidentschafts-Nominierung seiner Partei angenommen. “Was wird werden?”, kann nun gefragt werden. Ist er der Aufgabe, wenn es denn soweit kommt, wirklich gewachsen? Oder

michke.jpgAcht Jahre sind genug!“, hat Barack Obama in Denver verlauten lassen. “Wir müssen aufstehen und sagen: Es reicht!” Vor mehr als 80.000 Menschen hat er jetzt die Präsidentschafts-Nominierung seiner Partei angenommen. “Was wird werden?”, kann nun gefragt werden. Ist er der Aufgabe, wenn es denn soweit kommt, wirklich gewachsen? Oder flüchtet sich seine Anhängerschar lediglich in einen schönen Traum, der nur allzu oft mit dem legendären Martin Luther King in Verbindung gebracht wird. Es bleibt abzuwarten, was die Zukunft bringt. Spekulationen sind hier nicht angeraten. Denn abgesehen von den bevorstehenden Wahlen in den USA haben sich die Autoren in den vergangenen Tagen mit manch anderem bewegenden Thema auseinandergesetzt.

Letzter Blick nach Peking und nochmals ab in die USA

Die Olympischen Spiele 2008 gehören nun der Vergangenheit an. Doch mit Franz AltsKlarer Himmel über Peking” kehren wir noch einmal ins Land der aufgehenden Sonne zurück. “Während der Olympischen Spiele war die Luft in Peking so sauber und der Himmel so klar wie seit 10 Jahren nicht mehr. Ich habe zwei Jahre zuvor die Stadt im Smog erlebt – die Sicht nicht weiter als 200 Meter. Doch als am letzten Sonntag die Marathonläufer durch die 10 Millionen-Metropole liefen, strahlte die Sonne, die Luft war klar und der Himmel blau”, beginnt er seine Gedanken. Was war geschehen? Gab es einen plötzlichen Bewusstseinswandel? Vielleicht, wenn auch nicht mit unseren Bestrebungen hier in Deutschland vergleichbar, so Alts Meinung: Denn lediglich Anordnungen der Regierung bewirkten das plötzliche Aufklaren – nicht etwa eine Bewegung innerhalb der Bevölkerung. Fahrverbote wurden einfach von oben ausgesprochen und Fabriken für einige Wochen geschlossen. “Der chinesische Umweltminister war lange Zeit völlig macht- und bedeutungslos. Heute aber ist er einer der mächtigsten Männer der chinesischen Führung” und Umwelt und Klima sind nämlich seit vier Jahren ein Top Thema im Riesenreich. Es stimme einfach nicht, dass wir Europäer ökologische Musterknaben seien und die Chinesen die großen Umweltsünder. Unser Bild müsse sich daher dringend ändern. Sein Appell deshalb: “Wir müssen genauer hinsehen lernen.”

Apropos “genau hinsehen”: Mit “Der Schoß ist fruchtbar noch“, hat es dies dieser Tage auch unser fleißiger Autor Holger Finn versucht. Sein Anschauungsobjekt – wie könnte es anders sein – ist Barack Obama, der erst kürzlich auch in der deutschen Hauptstadt die Massen bewegte. Dieser Mann scheint ein echtes Phänomen zu sein. Sie lauschen ihm um des Lauschens willen. Weniger das, was er sagt scheint wichtig als mehr WIE er es sagt. “Der Deutsche hat es immer noch gern klar und bestimmt, ein Führer soll sagen, wo es lang geht, am besten einer, der smart aussieht und irgendwie so viel ‘Charisma’, dass es unwichtig wird, was er will, warum und wie, sondern nur noch zählt, dass er da ist und vorn marschiert”, ist sich Finn sicher. In seinen Augen kommt Barack Obama diesem Ideal der hinterhermarschierenden Massen derzeit so ziemlich am nächsten und Umfragen scheinen dies auch noch zu bestätigen. Barack ist “everybody’s darling”. Er erfüllt unsere Sehnsüchte, ist ein Mann, der uns die Welt erklärt. Doch Finn schließt vielsagend, indem er meint: “Was braucht der Mensch noch Hirn, wenn er einen hat, der ihm Hoffnung gibt in dunkler Zeit…”

Missstände in Pakistan und vor unserer eigenen Haustür

Hoffnung, genau dieses Stichwort scheint für den nachfolgenden Beitrag wie herbeigerufen. Doch ob hier eine glückliche Wendung eintreten wird, das steht bis jetzt noch in den Sternen… “Pakistan verkauft seine Mütter für Geld. Teil I: Wo ist Afia Siddiqui“, schreit es uns am vergangenen Mittwoch sichtlich verzweifelt von Fiza Fatima Asar entgegen. In ihren bewegenden Ausführungen schildert sie das Schicksal einer jungen Frau und ihrer drei Kinder, die seit fünf Jahren verschwunden sind. Afia Siddiqui entschloss sich nach zehn Jahren in den USA zurück in ihre Heimat zu kehren. Eines Tages wurde sie vom FBI und pakistanischen Geheimdienstmitarbeiern gekidnappt und ist seitdem inhaftiert. Aufgrund eines Postfaches, das sie in den USA gemietet hat, wurde sie für eine gefährliche Terroristin gehalten. Verbindungen zu Al-Quaida wurden ihr nachgesagt. Ob an diesen Vermutungen allerdings etwas dran ist, das steht wieder auf einem ganz anderen Papier. Wenig war in den letzten Jahren über ihr Schicksal an die Öffentlichkeit geraten. Erst jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen und grausame Einzelheiten ihrer Inhaftierung, die ihr den Verstand zu rauben scheinen, kommen ans Tageslicht. Fiza ist sich deshalb sicher. Jetzt wo die Öffentlichkeit langsam Notiz von dieser Sache nimmt, ist es das Mindeste was Afia verdient hat, unsere Stimmen, die nach Gerechtigkeit verlangen…

Von Geschichten, die einem das Blut gefrieren lassen, wenden wir uns nun amüsanteren Darstellungen zu. Marius Baumann greift auch am vergangenen Donnerstag ein Thema auf, über das es eigentlich wenig zu lachen gibt: die vorherrschende und immer weiter wachsende Armut. Doch wie schon so oft, so verpackt er dieses oftmals bedrückende Bild, das wir von Obdachlosen an Bahnhöfen oder in sonstigen Situationen im Kopf haben, auf höchst humorvolle Weise – ohne jedoch, und das sei an dieser Stelle betont, den Ernst der Lage zu verkennen. “Falls es mal drauf ankommt – so betteln Sie richtig!“, schmettert er uns mutig entgegen und wartet mit ein paar psychologischen Tipps auf, die “garantiert” erfolgsversprechend sind. Marius Baumann hat uns kurzeitig mit Ratschlägen wie “schalten Sie eine Fangfrage vor” oder “schaffen Sie Kontraste” zum Lachen gebracht – so lange, bis wir wieder auf der Straße sind…

Happy Birthday, Michael!

“You are not alone”, hat er vor 13 Jahren gesungen. Wie es an seinem heutigen Wiegenfest um ihn steht, das ist schwer zu sagen. Michael Jackson, der King of Pop wird 50 Jahre alt. Ein halbes Jahrhundert voller Höhen und Tiefen. Ein Mann, der zu einem Phänomen seiner Zeit wurde. Jochen Ebmeier nimmt sich mit “Michael Jackson: He was there…” und “Michael Jackson: The Only Real Peter Pan” dieser schillernden Figur an und versucht ihn nicht nur aus musikalischer Perspektive, sondern auch aus gesellschaftlicher und menschlicher Perspektive zu beleuchten. Für ihn ist Jackson ein “lebendes Gesamtkunstwerk”, der sich selbst erschaffen hat, in seiner Figur aufgegangen ist – ohne jeden privaten Rest, wie er es sagt. “Mit ihm hat das Wort Kinder-Star einen neuen Sinn bekommen”, sagt der Autor ohne Umschweife über den Künstler, der nie richtig erwachsen geworden ist. Michael Jackson ist bei allem musikalischen Genie aber auch eine tragische Figur. Gezeichnet von zahlreichen Skandalen, unerfüllter Liebe und echter Tragik. “Eigentlich ist er erst jetzt der romantische Künstler in ganzer Gestalt”, fasst der Autor zusammen. Und alles was zählt sei: He was there…

Mit den Gedanken an Jacko verabschieden wir uns nun auch schon wieder. Wir danken Ihnen erneut für Ihr vielseitiges Engagement, spannende Texte und Ihre ungebrochenen Diskussionsfreude. Gemeinsam mit Ihnen freuen wir uns nun auf das bevorstehende Wochenende und harren weiter der Dinge, die da kommen mögen. Machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag.

Ihre Redaktion Readers Edition

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