Die Welt braucht mehr Journalisten wie Mo Amin
News Kameramann Mohamed Amin ist dem Tod viele Male während seiner glanzvollen Karriere von der Schippe gesprungen.
Er verfolgte die großen Geschichten in ganz Afrika. Wenn die Kugeln flogen, wenn Ausschreitungen ihren Siedepunkt erreichten, Mo war dort.
Seine Bilder wurden von Zeitungen und TV-Sendern rund um die Welt verwendet. Er war derjenige, der uns erschütternde Bilder von Opfern der Hungersnot in Äthiopien brachte. Live Aid erblühte aus seiner Filmkamera.
Im Jahr 1991 verlor Mo einen Arm während der Dreharbeiten gegen Ende des äthiopischen Bürgerkrieges in Addis Abeba, mit Michael Buerk von der BBC als Reporter. Ein Munitionslager war explodiert.
Das hätte eigentlich das Ende seines Journalismus bedeuten sollen, doch Mo war ein Kämpfer. Er wurde mit einem Roboterarm in den USA ausgestattet.
Ihm wurde gesagt, es würde Jahre in Anspruch nehmen zu lernen, wie man diesen richtig einsetzt. Doch bereits innerhalb weniger Monate kehrte er wieder zurück.
Mein erster Job mit Amin war im Jahr 1969 für die Eröffnung von zwei Touristen-Hütten in Kenias Tsavo-Nationalpark.
Was eigentlich ein entspannender Zwei-Tages-Trip hatte werden sollen, löste in uns einen unvergesslichen Moment der Panik aus. Die Dramen folgten Mo auf dem Fuß.
Wir verbrachten die erste Nacht in einer Tsavo-Hütte. “Ich gehe vor der Morgendämmerung raus, um einige Bilder von Vögeln an einem See in der Nähe von hier zu machen”, sagte Mo, immer der gewiefte Geschäftsmann. “Die Amerikaner mögen so etwas. Willst du mit mir kommen, Peter?”
Als der Morgen anbrach, waren wir am Rande eines kleinen Sees, nur wir zwei in einer herrlichen natürlichen Wildnis.
Tausende von Vögeln begannen sich zu regen und miteinander zu kommunizieren.
“Lauf in Richtung See Peter”, sagte Amin. “Mache Lärm. Bring sie dazu, loszufliegen.”
Das tat ich. Amin bekam Bilder von einem herrlichen Ballett der Lüfte.
Später an diesem Tag waren Amin und ich Passagiere in einem VW-Käfer und wurden vom Herausgeber einer indischsprachigen Zeitung herumgefahren.
Wir reisten entlang einer schmutzigen Strecke, Meilen von jedermann und irgendwo entfernt, als wir zu einer Herde von 80 bis 100 Elefanten kamen.
Mo stieg aus, um zu fotografieren. Er schrie laut, um die Aufmerksamkeit eines großen männlichen Elefanten zu erregen.
Der Elefant wackelte warnend mit seinen Ohren, verärgert darüber, sein Mittagessen unterbrochen haben zu müssen. Mo schrie lauter. Der Elefant ging zum blinden Angriff über.
“Oh mein Gott, Amin”, stöhnte der Fahrer. “Kommen Sie in das Auto. Wir werden alle sterben.”
Während der Elefant seinen Angriff begann, und Mo sich an der Seite des Wagens festhielt, weiter Bilder schießend, fuhren wir davon.
Die größte Geschichte, die wir gemeinsam machten, war die Ermordung von Tom Mboya, des zweitmächtigsten Politikers in Kenia im Jahr 1969.
Er wurde erschossen, als er eines Samstag Mittags aus einer Apotheke im Zentrum von Nairobi kam. Er wurde erschossen nahe der Tür von einem Mann namens Nahashon Isaac Njenga Njoroge, der später für die Ermordung verurteilt wurde.
Mo lebte in einem Wohnblock gegenüber einer Apotheke. Er hörte die Schüsse und rannte zum Geschehen.
Als der Krankenwagen eintraf, stieg er mit ein und nahm neben der Leiche Platz. Die zwei Sanitäter, die Mboya erkannt hatten, waren so geschockt, dass sie Mo fragten, in welches Krankenhaus sie fahren sollten.
Als ich am Krankenhaus eintraf, die Geschichte für die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press aufzubereiten, stand Mo an der Treppe.
„Sie haben die Leiche in den Keller gebracht“, sagte er. „Komm mit, ich werde es dir zeigen.“
Die Beerdigung fand in der großen katholischen Kathedrale in Nairobi statt. Auf dem Vorplatz waren 10.000 von Mboyas Luo-Stammesbrüdern versammelt, die von der Polizei zurückgehalten werden mussten. Als Präsident Kenyatte in einer Mercedes-Stretchlimousine ankam, zogen die Luo ihre Schuhe aus und schleuderten diese auf das Auto, der erste gewalttätige Akt der Missachtung gegenüber seiner Präsidentschaft.
Mo war mit seiner Kamera vor Ort.
Später in dieser Woche wurde Mboyas Leichnam mit einer 200 Wagen umfassenden Autokolonne nach Norden zum Begräbnis gebracht, in sein Heimatland an der Küste von Lake Viktoria. Ich selbst befand mich in einem Land Rover, der von einen Reporter der internationalen United Press gefahren wurde. Mo Amin stand auf dem Rücksitz, Kopf und Kamera ragten aus dem Schiebedach.
Der UPI-Mann manövrierte uns rechts hinter den Leichenwagen. Die Luo-Dorfbewohner dachten, wir wären in einem Fahrzeug der verhassten Kikuyu dominierten Armee. Sie bewarfen den Land Rover mit Steinen, zertrümmerten seine Scheiben. Ein Speer wurde durch die Seite des Fahrzeugs geschleudert.
In Kisumu, einer Stadt mit 15.000 Einwohnern, hatten sich mehr als 25000 Luo versammelt, um ihren toten Helden zu betrauern.
Als die Paramilitärs versuchten die Menge zu kontrollieren, rannten wir durch Wolken von Tränengas. Fürchterliche Gewalt entbrannte.
„Bleibt stehen“, schrie Amin. Er steuerte auf das Zentrum der Gewalt zu, die Filmkamera auf seiner Schulter, und das war das letzte was wir von ihm an diesem Tag sahen.
Später in dieser Woche rief er mich an. „Ich habe es arrangiert ein Buch über eine Momentaufnahme dieses Meuchelmords zu machen. Ich habe gute Bilder geschossen. Wirst du für mich die Texte schreiben?“ Ich wandte ein, dass ich beschäftigt sei. „Wann würdest du mich überhaupt brauchen?“
„Morgen, komm in meine Wohnung.“ Ich verbrachte einen langen Tag damit, Bildunterschriften zu schleifen. Zur Belohnung kochte Mir Amin das schärfste Curry, das ich je gegessen hatte.
Ein überzeugender Mann, Mo Amin. Ein brillanter Journalist, der viele Preise gewonnen hat. Der tapferste Mann, den ich je getroffen habe.
Mo wurde 1943 in Nairobi geboren. Er startete sein Bildgeschäft 1963 in Dar es Salaam und verlagerte es drei Jahre später nach Nairobi.
Er traf und filmte die meisten afrikanischen Führer. Der verrufene Idi Amin aus Uganda wurde von einem Journalisten gefilmt, der seinen eigenen Namen trägt. Im November 1996 bestieg Amin den Flug 961 der Ethopian Airlines, um zurück nach Nairobi zu fliegen.
Mit ihm flog Brian Tetley, ein Kollege, der viele Texte für Amins Bücher geschrieben hatte. Brian und ich saßen Schreibtisch an Schreibtisch, als wir für die “Daily Nation” in Nairobi arbeiteten.
Während des Fluges stürmten drei mit Messern bewaffnete Luftpiraten das Cockpit und befahlen dem Piloten nach Australien zu fliegen. Als ihnen gesagt wurde, dass man nicht genügend Treibstoff habe, um das zu tun, weigerten sie sich, ihm zu glauben.
Amin versuchte die Passagiere dafür zu gewinnen, die Luftpiraten zu überwältigen, doch keiner war mutig genug.
Das Flugzeug kam von Kurs zu den Komoren ab. Amin und Tetley waren unter denjenigen, die bei der Bruchlandung starben.
Vor zwei Jahren erschien ein Dokumentarfilm über Mos spannendes und erfülltes Leben, „Mo und Ich“. Er gewann den Preis der besten internationalen Dokumentation auf dem internationalen Filmfestival von Los Angeles.
Der Film und weitere Details über einen unvergesslichen Mann können auf Wikipedia gefunden werden.
War Mo der beste Fotojournalist seiner Zeit? Meiner Meinung nach, ja, und viele tausende Äthiopier würden wahrscheinlich diese Meinung teilen.
In dieser Woche stellte das Internationale Flüchtlingskomitee der Demokratischen Republik Kongo, eine der größten NGOs, die sich der Rettung von Leben in diesem Land widmet, fest, dass 5.4 Millionen Menschen seit 1998 durch vermeidbare und heilbare Krankheiten gestorben sind.
Der Kongo und die Welt braucht einen Mo Amin des 21. Jahrhunderts.
Mehr als jeder mit dem ich gearbeitet habe, hat Mo das Gute, das Journalisten tun können, empor gehalten, die Effektivität aufrichtiger Berichterstattung an gefährlichen Orten.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf OhmyNews. Die Übersetzung und Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von OhmyNews.
Danke für den herrlich engagiert verfassten Artikel.
Ich stehe immer fassungslos vor den mutigen Menschen, die unter bewusstem Einsatz ihres Lebens direkt mitten aus den Krisen dieser Welt in Wort und Bild berichten. Wenn ich an das von Napalm verbrannte weinende Kind im Vietnamkrieg denke, weiss ich, dass Bilder wirkungsvoller sind als Worte.
Nur leider, Menschen wie Mo Amin rütteln viele auf. Die wirklich Verantwortlichen dieser Welt lassen sich davon aber nicht beeindrucken.
Ich freue mich auf weitere Beiträge von Ihnen auf der Platform RE.