Der Klimawandel als Sicherheitsproblem

Folgt man aktuellen Meinungsumfragen wie dem ARD DeutschlandTrend September 2008, so steht der Klimawandel zwischen Datenmissbrauch und Staatsverschuldung weit oben in der Liste der wahrgenommenen gesellschaftlichen Probleme, bei denen es seit etwa sieben Jahren vornehmlich um die Sicherheitsfrage geht. Immer wieder tauchen Probleme wie Terrorismus, Arbeitslosigkeit, die Finanzlage (die persönliche

hummus.jpgFolgt man aktuellen Meinungsumfragen wie dem ARD DeutschlandTrend September 2008, so steht der Klimawandel zwischen Datenmissbrauch und Staatsverschuldung weit oben in der Liste der wahrgenommenen gesellschaftlichen Probleme, bei denen es seit etwa sieben Jahren vornehmlich um die Sicherheitsfrage geht. Immer wieder tauchen Probleme wie Terrorismus, Arbeitslosigkeit, die Finanzlage (die persönliche und die der Gemeinschaft) sowie das leidige Thema des Datenmissbrauchs in den Sorgen-Listen der Meinungsumfragen auf, verbunden mit impliziten Befürchtungen, die Sicherheit gehe verloren, die Sicherheit von Leib und Leben, die soziale Sicherheit, die Sicherheit der persönlichen Daten.

Wie passt hier der Klimawandel hinein?

Zunächst freilich als Bedrohungsszenario, dass uns in Deutschland über Naturkatastrophen unmittelbar betrifft. Dann aber auch mittelbar in Bezug auf gesellschaftliche Klimawandelfolgen sowie deren sicherheitspolitische Aspekte. Ist diese Sorge berechtigt?

John Podesta und Peter Ogden kommen in ihrem Artikel “The Security Implications of Climate Change” (erschienen in: “The Washington Quarterly”, 31, 1, 115-138) nach regional fokussierten Analysen zu Afrika, Südasien und China sowie zur Rolle von UNO, EU und USA, die sie im Rahmen der Klimawandelfolgen geopolitisch in der Pflicht sehen, zu einem differenzierten Urteil: Zwar stünden keine durch Dürren provozierte “Wasser-Kriege” unmittelbar bevor, wie häufig prognostiziert, aber dennoch sei der Klimawandel eine Frage der Sicherheit, weil sich durch dessen Folgen (also Naturkatastrophen und in weiterer Folge Knappheit und Seuchen) zum einen das Problem des Staatszerfalls in verschärfter Form stelle, was zum Souveränitäts- und damit Sicherheitsvakuum vor Ort führe (die Autoren nennen Ost-Afrika und Nigeria), zum anderen dieses Problem über Flüchtlingsströme nach Europa getragen werde, wo sich im Zuge einer mittelbaren Betroffenheit nicht nur die demographische Situation und die Sozialstruktur ändere, sondern sich gleichfalls die Sicherheitslage verschlechtere; die Autoren verweisen auf die wachsende Gefahr ethnisch und religiös motivierter Konflikte.

Podesta/Ogden sind der Meinung, dass in der Sicherheitsfrage zwar de jure die Vereinten Nationen zuständig, de facto aber die USA gefordert sind, weil sie den Betroffenen als erster Ansprechpartner gelten: “Although some of the emergencies created or worsened by climate change may ultimately be managed by the UN, nations will look to the United States as a first responder in the immediate aftermath of a major natural disaster or humanitarian emergency.” (132). Interessant ist dabei die Tatsache (und sie offenbart eine gewisse Ironie), dass die USA, die präventiv kaum engagiert sind, reaktiv in die Pflicht genommen werden und dass sich zudem die Bush-Doktrin des Anti-Terror-Kriegs (“If the UN will not act, the U.S. will.”) als normative Forderung im Rahmen der Klimawandel-Problematik positiv wenden lässt: “Wenn die Vereinten Nationen nicht können, dann sollen die USA.”

Doch auch Deutschland muss den Klimawandel ernst nehmen, als gesellschaftliches und sicherheitspolitisches Problem.

Sicherheit, soviel scheint festzustehen, ist nicht nur eine Frage, die sich mit Biometriedaten oder Auslandseinsätzen der Bundeswehr beantworten lässt, sondern auch mit energiesparenden Haushaltsgeräten und veränderten Mobilitätskonzepten.

Photo Quelle/Copyright: kenyan observer, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

Kommentare

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  1. In wieweit findet der Klimawandel statt, und wie gefährlich ist er, wenn er denn ja stattfindet ?
    Ich sehe einen abwärtstrend seit 10 Jahren, auch Forscher wie Latif tendieren von einer Stagnation zu reden.
    Also wozu all der Alarmismus ?

    Abzocke.