Die häufigste Behinderung Neugeborener in Deutschland – 10.000 “Fälle” jedes Jahr – ist das Fetale Alkoholsyndrom (FASD), doppelt so häufig wie das Down Syndrom. 4.000 Kinder werden mit dem Vollbild dieser schrecklichen Behinderung geboren. Die Charité Berlin ermittelte in einer Studie, dass 58 Prozent der befragten Frauen angaben, in der Schwangerschaft gelegentlich Alkohol zu trinken. Die Symptome von FASD reichen von leichten körperlichen und psychischen Schädigungen, über spätere Verhaltensauffälligkeiten, bis hin zu einer Behinderung, durch die das Kind nie ein eigenständiges Leben führen kann. Nur etwa 20 Prozent der mit dem Fetalen Alkoholsyndrom diagnostizierten Kinder sind später in der Lage selbstständig zu leben. Die übrigen 80 Prozent sind ein ganzes Leben lang auf Betreuung angewiesen.
Auf diesen schrecklichen Missstand hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Frau Sabine Bätzing, SPD, am 9.9.2008, dem Tag des alkoholgeschädigten Kindes, hingewiesen. Zur Erinnerung an dieses Elend werden an diesem Tag auch die Kirchglocken geläutet. Die Drogenbeauftragte erklärt dazu:
“Es gibt keinen sicheren Grenzwert für den ungefährlichen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft. Das Kind ist dem Alkohol genauso ausgesetzt wie die Mutter, hat allerdings weitaus mehr unter dem Konsum zu leiden, da der Fötus Alkohol erst mit einer Leistung von 4 % im Vergleich zur Mutter abbaut. Ein vollständiger Alkoholverzicht in der Schwangerschaft ist somit unabdingbar. Das Bewusstsein um die Existenz des Fetalen Alkoholsyndroms, den Umgang mit den Betroffenen und die Möglichkeit der Prävention ist sowohl bei Ärzten, Hebammen und werdenden Müttern noch nicht ausreichend ausgeprägt.”
Und was bringt’s? Diese vereinsamten Mahnungen werden nicht gehört im Chor der abermillionen Bundesbürger, die Tag für Jahr “König Alkohol” hoch leben lassen. Er ist ein furchtbarer Herrscher, der gnadenlos seine Opfer aus allen Teilen der Gesellschaft holt. Wir alle müssen früh lernen, dass es ohne seine Huldigung kaum ein soziales Leben in unserer Gesellschaft gibt. Wer nicht mittrinkt, ist ein Miesepeter, der ausgegrenzt wird. Sei’s drum!
Alkohol ist ein zerstörerisches Körpergift
Alkohol ist eine höchst reaktionsfreudige chemische Substanz. Sie reagiert mit lebenden Substanzen und zerstört sie dabei. Unser Körper reagiert sofort nach seiner Ankunft und fängt an, ihn abzubauen, um Schäden zu vermeiden. Bekanntlich gelangt der Alkohol, der zum kleinen Teil schon über die Mundschleimhaut und etwas mehr im Magen resorbiert wird, hauptsächlich über den Dünndarm ins Blut und wird aufgrund seiner Wasserlöslichkeit schnell im ganzen Körper verteilt. Man sollt sich bewusst machen, dass die sechs Liter Blutmenge in unserem Körper über die insgesamt einschließlich der Kapillaren 10.000 km (!) langen Arterienwege innerhalb einer einzigen Minute einmal komplett vom Herzen durch den Körper gepumpt und damit an den 70 Billionen Zellen (!) unseres Körpers entlang geführt werden.
Seiner Natur nach wirkt das Gift überall im Körper sofort, natürlich am stärksten in höherer Konzentration und bei längerer Einwirkung. Aber es erreicht auch bald die Leber, den großen Gegenspieler des Alkohols.
Der Hauptweg der Metabolisierung des Alkohols wird im flüssigen Inneren, dem Zytosol derLeberzellen von einem uns von der Natur mitgegebenen höchst komplexen körpereigenen Enzym namens Alkoholhydrogenase (ADH) gespalten und zunächst zu dem immer noch hoch giftigen Acetaldehyd und dann zu Essigsäure oxidiert. Diese wird hauptsächlich in den Zitratzyklus des Körpers eingeschleust und dort zu Kohlendioxyd und Wasser umgesetzt. Erst dann endet die Gefahr. Aber es ist in Wahrheit schon alles zu spät, denn Körper und Geist haben dann längst den Kampf verloren.
Alkohol korrumpiert Geist und Gemüt.
Leider hatte der Alkohol bis zu seinem vollständigen Abbau ausreichend Zeit, akut auf die Psyche Einfluss zu nehmen. Einer der gefährlichsten Schäden, die eintreten, wenn das Gift sich im Körper ausbreitet ist, dass es mit interessant erscheinenden psychischen Belohnungen Geist und Gemüt des Menschen korrumpiert. Je nach Veranlagung und sozialer Beeinflussung kann schon die erste Begegnung des Menschen mit dem Alkohol prägend sein. In unserer Gesellschaft, in der bei jeder Gelegenheit und fast von jedermann immer wieder Alkohol konsumiert wird, gelingt es kaum jemand, nicht näher mit den psychischen Wirkungen des Alkohols konfrontiert zu werden. In der Folge nehmen viele Menschen immer wieder und auch immer mehr Alkohol auf, gleich wie zerstörerisch die Wirkungen dieses Giftes sind. Selbst wenn den Menschen bewusst ist, dass sie ihre Funktionsfähigkeit, ihre Gesundheit, die Verantwortung vor sich selbst und ihrer Lieben, ihre Selbstachtung und sogar ihr ganzes Leben aufs Spiel setzen, kommen sie von dem chronischen Alkoholgenuss nicht los.
Vom Alkohol abhängig sind Millionen, die sich bisher sicher wähnten
Weit verbreitet ist die falsche Vorstellung, dass eine Abhängigkeit vom Alkohol nur vorläge, wenn ein Absetzen des Alkohols zu messbaren Entzugserscheinungen führt. Gewiss sind aber auch die schwer betroffen, die zwar keine Entzugserscheinungen zeigen, aber antisoziale Auffälligkeiten zeigen und häufig auch zu anderen Drogen greifen sowie die Menschen, die den Alkohol brauchen, um mit den Ängsten in ihrem Leben fertig zu werden (Cloninger und Mitarbeiter, 1978). Viel zu großzügig und auch unzuverlässig ist die Messung des Eiweißstoffes Carbohydrat-Defizienz-Transferin (CDT), dessen Wert immer dann erhöht ist, wenn mehr als 50 bis 70 Gramm Alkohol in der zurückliegenden Woche getrunken wurden. Einleuchtend ist dagegen die Definition der Alkoholabhängigkeit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wonach drei oder mehr der folgenden Kriterien im Verlauf der letzten zwölf Monate vorgelegen haben müssen:
- Starker Wunsch oder Zwang, Alkohol zu konsumieren.
- Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und Menge des Alkoholkonsums.
- Körperliches Entzugssyndrom.
- Nachweis einer Toleranzentwicklung.
- Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums
- Anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen.
Nach halbamtlichen Zahlen sollen rund 1,6 Millionen Bundesbürger alkoholabhängig sein. Bedenkt man, dass jemand, der oft den Wunsch hat, alkoholische Getränke zu sich zu nehmen, viel Alkohol verträgt (Toleranzentwicklung) und einfach nicht aufhören mag, obwohl er weiß, dass er vielleicht längst eine Fettleber entwickelt, zweifellos ein Abhängiger ist, auch wenn er im sozialen Umfeld nicht stark auffällt, muss man gewiss einige Millionen Betroffener hinzu rechnen. Die extreme Gewöhnung an Alkohol trifft alle Schichten der Bevölkerung, die Armen, die sich mit der alkoholischen Massenware begnügen müssen und die Betuchten und Mächtigen, die sich tagtäglich die edleren Tropfen gönnen.
Eine Warnung: Wer regelmäßig gern Alkohol in nicht geringen Mengen trinkt und ihn gut verträgt, also mehr als die von fast allen Experten zugestandenen 20 Gramm Alkohol in 0,25 l Wein oder 0,5 l Bier (Frauen nur die Hälfte), und eigentlich meint, dass ihm das weder aktuell noch künftig groß schaden wird, soll besser nicht weiter lesen, weil er sonst den Nachweis eindeutig schädlicher Folgen auch dieses Alkoholkonsums erfährt und er dann unweigerlich zu den Abhängigen zu zählen ist, wenn er weiter trinkt.
Allgemein verbreitet ist das Wissen, dass die genannten Obergrenzen für Trinkmengen auch als eine Empfehlung genommen werden dürfen, diese Mengen tatsächlich zu trinken. Denn der Alkohol soll in geringen Mengen helfen, die Adern geschmeidig zu halten. Im Wein sind Resveratrol und Quercetin enthalten, segensreiche Nebenstoffe, die auch gute Fänger Freier Radikaler sind. Bei solchen Mengen soll sogar die Lebenserwartung ein wenig größer sein als bei Abstinenzlern. Ob das stimmt, ist höchst zweifelhaft. Vielleicht sind Abstinenzler auch allgemein keine Frohnaturen und sterben aus aus Gründen weniger gelungener sozialer Anpassung früher. 20 Gramm Alkohol ist keine geringe Menge. Jeder weiß, dass beim Ungeübten schon ein erstes kleines Glas Alkohol die Sinne trübt. Wie kommt man nur auf die Idee, dass das harmlos wäre?!
Auch kleine Mengen Alkohol schaden nur
In Wahrheit ist unsere Gesellschaft als solche vom Alkohol abhängig, weil sie – anders als jetzt endlich beim Nikotingenuss – vor den Gefahren des Alkohols für die Einzelnen und die ganze Gesellschaft kapituliert hat und der Öffentlichkeit an führender Stelle in Politik, Kultur und Wirtschaft fast nur freudige Mittrinker präsentiert. Wie könnte man das auch anders sehen, wo der Staat sich – beileibe nicht im Interesse einer Prohibition oder Einschränkung der Sucht – hemmungslos über die Branntweinsteuer, Sekt- und Biersteuer an den armen Betroffenen bereichert. Bezeichnend ist die Begründung der Ablehnung der Rheinland-Pfalzischen Landesregierung gegen die von der EU geplante Mindestweinsteuer: “Eine Weinsteuer würde den Konsum verteuern, das gute Konsumklima belasten, erhebliche Bürokratie verursachen und dem Fiskus unverhältnismäßigen Aufwand bescheren.” So kann man das auch sehen.
Männlein und Weiblein, Säuglinge und Greise eingerechnet konsumiert jeder Bundesbürger Jahr für Jahr durchschnittlich elf Liter reinen Alkohol. Auf den Tag gerechnet sind das 35 Gramm am Tag! Sollte man nicht vielleicht ehrlicher Weise fragen wie viele oder wie wenige Millionen der am stärksten betroffenen deutschen Männer denn nicht abhängig sind?! Die Lage ist so erschreckend, weil man nach den Forschungen der letzten Jahre aus aller Welt noch weit genauer als je zuvor weiß, was wir uns als Einzelne und als Gesellschaft mit dem immer unmäßigeren Alkoholkonsum antun. Von den mittelbar Betroffenen, den Tausenden mit Erbschäden zur Welt kommenden Kindern Alkoholkranker und den zigtausend Opfern trunkener Verkehrsteilnehmer will ich gar nicht reden, auch nicht von den Millionen mitbetroffenen Coalkoholkern, den Versäumnissen in der Erziehung der Kinder und dem Milliardenverlust an Wirtschaftsleistung sowie der gewaltigen Kosten der Behandlung der Symptome der Alkoholkrankeit.
Schwerste körperliche Schäden
Mit dem Beginn der Metabolisierung des Alkohols in der Leber geraten andere von der vollen Funktion der Leber abhängige Stoffwechselprozesse aus dem Gleichgewicht. Neben dem Abfall des Blutzuckerspiegels ist dies vor allem die nicht ausreichende Freigabe des für alle Körperteile, auch das Gehirn, wichtigen Energieträgers Glukose. Das führt zur so genannten Hypoglykämie, die mit Nervosität, Gereiztheit und Dauerkopfschmerz beginnt und im Extremfall zur Bewusstlosgkeit führen kann.
Bei regelmäßigem hohen Alkoholgenuss droht Schlimmeres: neben dem Alkoholabbau verbleibt der Leber nur noch zehn bis 20 Prozent ihrer normalen Aktivität. Sie wird so nicht mit dem Fettabbau fertig, so dass sich das überschüssige Fett in der Leber dauerhaft einlagert. Es entsteht eine Fettleber. Vom ständigen Auftreten des giftigen Abbauprodukts Acetaldehyd werden zudem Leberzellen geschädigt. Diese machen Platz für Narbengewebe und funktionsunfähiges Bindegewebe, das nach und nach die ganze Leber durchzieht. Das ist die Fibrose der Leber, die mit der Leberschrumpfung oder Leberzirrhose endet, eine Krankheit, die statistisch gesehen nach zehnjähriger Fettleber jeden fünften Betroffenen erwischt.
Es gibt aber noch eine Vielzahl akuter und chronischer Alkoholwirkungen auf den Organismus. Die chronischen Alkoholwirkungen sind oft irreversibel, einschließlich der ihr folgenden Alkoholabhängigkeit. Eindeutig sind die Erkenntnisse, dass regelmäßiger starker Alkoholgenuss das Risiko eines Schlaganfalls wesentlich erhöht. Auch die Zusammenhänge zwischen starkem regelmäßigen Alkoholgenuss und Krebserkrankungen in Speiseröhre, Magen und Leber sind bestens bekannt. Bei Frauen, die täglich zwölf Gramm reinen Alkohol trinken (0,3 l Bier!), erhöht sich die Brustrebsrate um vierzig Prozent, bei doppeltem Alkoholkonsum um 70 Prozent!
Katastrophale mentale Schäden
Der Alkohol hat kein Problem, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Dort verteilt er sich schnell im Hirngewebe und führt zu den bekannten Rauschzuständen. Unweigerlich folgen einer dauerhaften Überschwemmung des Gehirns mit diesem Körpergift die ersten allgemeinen Hínveränderungen, das Wernicke-Korsakow-Syndrom und die allmähliche Atrophie erst des Großhirns, voran im frontalen Kortex, dann auch im Hippokampus und dem Kleinhirn. Nachdem man lange meinte, dass diese Schäden irreversibel wären, kann man nach neuen Studien annehmen, dass eine langfristige Abstinenz wenigstens zum Teil die Hirnatrophie zurückbildet.
Nachdem man früher annahm, dass der Alkohol nur unspezifisch auf die Lipidmembranen der Nervenzellen wirke und sie dadurch schädige, kennt man heute viel weiterreichende nachteilige Folgen. Nach neuen Untersuchungen weiß man , dass schon niedrige Konzentrationen von Alkohol im Hirn deutliche nachteilige Wirkungen auf die Ionenkanäle, die Neurotransmitterrezeptoren und andere der Informationsweitergabe dienenden Teile haben. Man konnte zwar keine Rezeptoren für Alkohol finden. Doch sind schwere nachteilige Einflüsse auf mehrere Rezeptorsystem erforscht, so für GABA, Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Cholin und die endogenen Opiode. Alkohol hemmt auch den Abtransport des diese Hormone hemmenden Adenosins.
Reichlicher und häufiger Alkoholgenuss stört auch die Funktionen von Glutamat, das abgesehen von seinem möglichen Missbrauch in der Lebensmittelinustrie als Geschmacksverstärker der wichtigste Erregung schaffende aller Neurotransmitter ist. Der Alkoholkranke kann deswegen immer mehr Alkohol trinken ohne sediert zu sein – ein Weg der immer tiefer in die Sucht führt.
In der Hirnanhangdrüse hemmt er die dort erfolgende Ausschüttung des für die körperliche Flüssigkeitsverwaltung zuständigen Hormons Vasopressin. In der Folge kann der Flüssigkeitsverlust über die Nieren nicht mehr verhindert werden. Dies ist der Grund, weshalb mächtige Trinker ständig zur Toilette streben. Auch wenn immer wieder nachgetrunken wird, ist dieser Vorgang schädlich. Denn bei jedem Toilettengang werden immer wieder wichtige Mineralien wie insbesondere Magnesium, Kalium und Natrium ausgeschwemmt. Der Elektrolytmangel hat wieder Rückwirkungen auf die Aktivität der Nervenzellen des Gehirns, was zunächst psychisch etwas lockert, am Ende aber eine Lethargie und Trägheit hervorruft.
Der Alkohol schafft sein eigenes hormonelles Gleichgewicht
Alkohol wie auch die meisten anderen Drogen kann sich in die Strukturen des Gehirns hineinmogeln, weil er die im Gehirn vorherrschenden Wirkmeschnismen nutzt. Diese Drogen wirken direkt auf die Neurotransmitter ein, die sie in ihre Kommunikationsstrukturen einbinden. Der Körper sucht dann ein neues Gleichgewicht mit den neuen Einflüssen. Beispielsweise führt der Alkohol zu einer vermehrten Freisetzung des Glückshormons Dopamin, was zu der anfänglichen Euphorisierung des Trinkers beiträgt. Die inneren Regulationsmechanismen des Hirns lassen aber kein Überangebot an Dopamin zu, offenbar wäre das für den Menschen nicht zu ertragen. Man hat daher festgestellt, dass das Hirn dann die Dopaminrezeptoren entweder verringert oder desensibilisiert. Die Folge sind Entzugserscheinungen nach Trinkende und erneutes Trinken zur neuen Ausschüttung des Glücksbringers beim nächsten Mal.
Häufiger schwerer Alkoholgenuss führt zu Veränderungen der Hirnstrukturen. Im Zusammenhang damit steht die Schädigung des Hippocampus, der Schaltzentrale für Konzentration und Gedächtnis. Bei Alkoholikern kommt es daher zu Konzentrationsstörungen und Gedächtnissschwäche. Sie entwickeln ein so genanntes episodisches Gedächtnis, d.h., sie erinnern sich nur noch an Bruchstücke des Erlebten. Neue Erfahrungen werden fehlerhaft in diese Erfahrungswelt eingebaut und es kommt beim Abhängigen zu unrealistischen Einschätzungen. Der Alkoholiker fixiert sich auf bestimmte sehr subjektive Erklärungsmuster, z.B., dass seine Frau Schuld ist an allem Elend in das er geraten ist.
Alkohol verändert insbesondere nachteilig den Serotoninhaushalt im Gehirn. Erst führt er zur vermehrten Ausschüttung dieses als Wohlfühlhormon am besten bekannten Neurohormons und zentralen Botenstoffes. Danach fehlt dieser wichtige Steuerstoff, der tagtäglich gebraucht aber auf herkömmliche Weise nur schwer und meist nur unzureichend neu gebildet werden kann. Ich werde nachfolgend darlegen, dass sich da neue Wege aufgetan haben, die auch in vorliegenden Zusammenhang hoffnungsfrohe neue Möglichkeiten aufzeigen.
Die Folgen des Fehlens des zerebralen Serotonins jedenfalls sind vielfältig und fürchterlich. Voran leidet der Trinker unter aufsteigenden Depressionen. Jeder kennt die Trinker, die sich wie die Jammerlappen lauthals selbst bemitleiden. Das Fehlen von Serotonin, das auch das Anti-Stress- und das Impulskontrollhormon ist, kann aber alternativ auch zu ungezügelten Aggressionen führen. Es ist zu vermuten, dass das Fehlen des Kontrollhormons Serotonin nachteilige Auswirkungen auf die Verfügungsstellung des “Dämfungshormons” GABA hat oder dass der Alkohol an den GABA-Rezeptoren ansetzt. Der maßlose Verbrauch des Neurohormons Serotonin, das auch die Funktion der Kontrolle der Suizidneigunghat, lässt Aggressionen auch gegen sich selbst leichter zu.
Es kommt bei vielen Menschen nach starkem Trinken, erst recht nach Alkoholentzug zu Übererregung, Hyperaktivität, Schweißausbrüchen und Kreislaufproblemen. Fehlt Serotonin als Schmerzkontrollhormon, ist auch der Alkoholkater mit seinen schweren Kopfschmerzen nicht weit. Nach neueren Erkenntnissen bilden sich im Körper aus dem Alkoholabbauprodukt Acetaladehyd und Dopamin und Serotonin bisher nicht bekannte suchterregende Substanzen, aus Dopamin der Stoff Norlaudanosolin und das Opiat Salsonilol und aus Serotonin das einer pflanzlichen Droge ähnliche Tetrahydro-ß-Carbolin.
Alkohol schädigt das zentrale serotonerge Transmittersystem
Die Wissenschaft geht nach vielen einschlägigen Studien davon aus, dass die als belohnend empfundenen Wirkungen aktueller Alkoholaufnahme maßgeblich auf die gesteigerte Aktivität des “Wohlfühlhormons” Serotonins zurückzuführen ist, wobei eine indirekte Anhebung auch des Glückshormons Dopamin eine ergänzende Rolle spielen mag. Unklar ist nur, ob mehr Serotonin ausgeschüttet wird oder ob Serotonin als Transmitter langsamer aus dem Synaptischen Spalt, in dem die Informationsweitergabe stattfindet herausgenommen und wiederaufgenommen, also “recycelt” wird. Für eine Neusynthese, die nicht ausgeschlossen wird, spricht allerdings nicht der kleinste Umstand.
In Kenntnis der lokalen Verteilung der vielen fast autonomen Zentren des Gehirns und der Bedeutung der großen globalisierenden und harmonisierenden Wirkung gerade des serotonergen Systems kann man unschwer verstehen, wie eine übermäßige Ausschüttung oder ein übermäßiger Verbrauch von Serotonin auf die Befindlichkeit des Menschen drückt, bei dem mangels des hierfür unverzichtbaren Botenstoffes das Urvertrauen in diefunktionable Einheit seines zentralnervösen Systems abhanden kommt. Dazu kommt der weitgehende Ausfall des Neurohormons, das im ungestörten Zustand und bei ausreichender Verfügung darüber ohne bewusste Beteiligung des Menschen die Kontrolle über Hunger, Schlafen und Wachen, Schmerz- und Temperaturemfindung, Impuls, Stress und Sexualität hat. Serotonin ist nicht nur der große Moderator der lokalen Hirnareale, es ist auch der die Kontrollinstanz, die unter Modulation all der anderen Hormone die mentalen Abläufe des Gehirns steuert. Auch Ausfälle bei dieser Kontrollarbeit führen zu Ausfällen, wie sie bei aktuell Alkoholisierten und generell bei Alkoholkranken immer wieder zu sehen sind. Die Aufgabe des Neurohormons und Botenstoffes teilt sich auf auf 15 Varianten dieses Steuerstoffes, die sämtlich ihre eigenen Rezeptoren in besonderen Bereichen des Gehirns haben. Die Fülle ihrer Aufgaben ist so groß, dass Endokrinologen schon gemutmaßt haben, dass dieser Stoff mehr leiste als alle anderen Hormone und Botenstoffe zusammen. Richtig ist, dass er mitten im mentalen Geschehen steht und dass sein Fehlen existenziell problematisch ist.
Im Tierversuch hat man festgestellt, dass eine Steigerung der Verfügung über Serotonin bei Ratten, die eine Alkoholpräferenz hatten, zu einer deutlichen Abnahme der Alkoholaufnahme führte. Man kann also annehmen, dass der Drang Alkohol zu konsumieren, auch eine Suche nach dem fehlenden Serotonin ist, weil Alkohol ja zu einer Aktivierung des vorhanden Serotonins führte. Ähnlich ist es mit dem Drang, Süßes und Fettes, vorzugsweise Schokolade zu esssen, um die Lebensstimmung durch eine bessere Verfügung über das Wohlfühlhormon anzuheben. Einen Automatismus, dass die Verbesserung der Verfügung über Serotonin ein Ende der Alkoholsucht bedeutete, gibt es aber leider nicht.
Warum denn keine Prohibition mit Augenmaß?
In der Öffentlichkeit wird das allgemeine Vorurteil gepflegt, dass die Prohibition oder auch nur die teilweise gesetzliche Beschränkung des Zugangs zum Alkohol auch für Erwachsene kontraproduktiv seien. Man erinnert sich gern daran, wie das organisierte Verbrechen mit der Prohibition wuchs.
Aber Al Capones kommen überall da auf, wo etwas gesetzlich verboten wird. Sie sind doch auch heute überall zu finden. Nur schießen sie nicht mehr so blindwütig herum. Tatsächlich wurde die Alkoholprohibition seinerzeit nicht aufgehoben, weil sie unwirksam gewesen wäre – ganz im Gegenteil war die Menge des insgesamt vom Volke genossenen Alkohols dramatisch gesunken. Insbesondere aber waren die alkoholbedingten Schädigungen bei Neugeborenen signifikant zurückgegangen! Der einzige Grund für die Abschaffung der Prohibition war sehr profan: in der schrecklichen wirtschaftlichen Depression wollte der Staat mit der Alkoholsteuer die große Masse an Stelle der Einflussreichen und der Mächtigen schröpfen. Dies erschien als eine gute Alternative zur Einkommenssteuer, die doch vorwiegend die oberen Schichten betroffen gehabt hätte. Wer denkt da nicht an heutige Zeiten in der Bundesrepublik?
Wenn Politiker die Notwendigkeit zum Handeln erkennen, aber keine “Traute” haben, ein so heißes Eisen anzufassen, sollten Sie über Gedenktage und Mahrungen hinaus konkrete Schritte einleiten, die Bevölkerung, insbesondere die schwangeren Frauen und die jungen Menschen besser zu informieren und auch mit Verboten zu schützen. Auf schwangere Frauen, die rauchen, zeigt man heute schon zu Recht mit dem Finger. Wir sind einen Schritt weiter, wenn wir den schwangeren Frauen auch jeden Genuss von Alkohol ausreden.
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Ohne Witz, ich hab am “Tag des alkoholgeschädigten Kindes” Geburtstag!?! Das gibt mir zu denken, erklärt aber einiges
Davon mal abgesehen. Lassen sie die Leute doch bitte selbst entscheiden… Ich kenne nen Haufen alter Menschen, die weit mehr als die empfohlene Tagesdosis getrunken haben, bereits das höchste Alter im Stammbaum (seit dem entsteigen aus der Ursuppe) aller Zeiten erreicht haben,… Wo ist das Problem. Die hatten wenigstens Spaß.
Ihr Artikel beginnt mit einem interessanten Thema und driftet dann in eine völlig unangenehme Richtung ab, die zum guten Schluss die “Verantwortung” der Politik und das Verbot von Alkohol fordert…
Wo bleibt denn da die Eigenverantwortung? Und wo bleibt bitte der Genuss?
Nach ihrer Argumentation müsste die Menschheit im Mittelalter bereits ausgestorben sein. Schließlich hat man da quasi ausschließlich Alkohol getrunken (Ob des Mangels an sauberem Wasser).
Gruß
Rainhelt