Unwertes Leben…

Oder: wer nicht arbeitet, braucht auch nicht essen Es ist nicht zufällig, dass Professoren nun errechnet haben, dass man die Hartz-Sätze drastisch kürzen kann, um die Arbeitswilligkeit der Empfänger zu forcieren. Es ist für mich auch nur noch eine Frage der Zeit, bis Arbeitsverweigerungen strafrechtlich sanktioniert werden. Unterscheiden wir aber

hapol.jpgOder: wer nicht arbeitet, braucht auch nicht essen

Es ist nicht zufällig, dass Professoren nun errechnet haben, dass man die Hartz-Sätze drastisch kürzen kann, um die Arbeitswilligkeit der Empfänger zu forcieren. Es ist für mich auch nur noch eine Frage der Zeit, bis Arbeitsverweigerungen strafrechtlich sanktioniert werden.

Unterscheiden wir aber erst einmal zwischen Erwerbstätigkeit und Arbeit. Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit Hartz-Empfängern zu unterstellen, sie würden nicht arbeiten. Jedes Tun ist Arbeit, auch die Kinder in den Kindergarten bringen, das tägliche Geschirr spülen, Wäsche waschen, Einkaufen, Wohnung reinigen etc., etc…

Doch für die Gesellschaft hat nur die Erwerbstätigkeit Nutzen.

In Kassel betreibt die evangelische Kirche ein Kaffee, Wäscherei und Klamottenladen: Sprungbrett. Dort arbeiten nur Ein-Euro-Jobber. Für jeden von ihnen erhält die Kirche 760 Euro vom Staat. Die Ein-Euro-Jobber haben einen Zuverdienst zu Hartz IV von 120 Euro pro Monat. Sie sind froh, diesen Job zu haben und sie verachten die zutiefst, die dieses Angebot nicht wahrnehmen: Das sind in ihren Augen “Schmarotzer”. Es besteht eine gewisse Form von Hass gegen die, die sich vor der Arbeit drücken, das kann man spüren. Gleichzeitig beschreiben sie sich selbst aber auch gegenüber dem Staat als billige Sklaven.

Erwerbstätigkeit macht frei

Der einzige menschliche Wert in der Gesellschaft ist die Erwerbstätigkeit. Wer diese nicht nachweisen kann, der hat bei der Bank keine Bonität und auch sonst nichts. Er ist außen vor. Betrachten wir es einmal mit Blick auf die jüngste Geschichte. Im Nazipropagandafilm “Erbkrank” lässt sich die ökonomische Strategie der damaligen Politiker deutlich aufzeichnen – am Beispiel von Geisteskranken. Sie rechnen dem deutschen Volk vor, was die Geisteskranken kosten und wie wenig erwerbsmäßigen Nutzen sie bringen: explizit. Gleichzeitig zeigen sie auf, welche Erholungsheime man dafür für die Erwerbstätigen erstellen könnte. Die Folgen für diese Politik sind bekannt. Würdelose Vernichtung.

Agenda 2010

Die hohe Arbeitslosigkeit ist eine Folge der Automation und der Globalisierung. Ein ganzes Heer von Menschen wird nicht mehr gebraucht. Gewinne von Banken und Großkonzernen werden nicht mehr in die regionalen Infrastrukturen investiert, sondern durch Geldanlagen verdoppelt. ( Bei Zusammenbruch der Banken, siehe USA, zahlen wieder die Steuerzahler) Aber das Heer der Arbeitslosen und Unzufriedenen ist innenpolitisch eine Gefahr. In der Agenda 2010 werden sie durch Billiglohnarbeit gebunden. Denn diese Agenda hat es nicht geschafft, Erwerbstätige leistungsgerecht zu entlohnen. Von diesen Jobs können Menschen gar kein würdevolles Leben gestalten. Diese Würdelosigkeit hat die Gesellschaft der SPD zu verdanken.

Kürzungen und Preissteigerungen

Nennen wir das Heer der Nichterwerbstätigen einmal provokant “Lumpenproletariat”. Ihre Bezüge werden in den kommenden Jahren aus Gründen der Umverteilung systematisch gekürzt werden, bei gleichzeitiger Steigerung der Lebenshaltungskosten und der Kosten der Selbstverwaltung des Staates. Dieser Staat kann und will sich keinen Zuwachs der Hartz-Kosten gegenüber seinen willigen Bürgern politisch mehr leisten. Jeder vierte deutsche Hauhalt sinkt so unter das Existenzminimum. Eine Teufelsspirale.

Es besteht eine gärende Masse der Armut, die eine Heimat suchen wird. Sie werden eine innenpolitische Bedrohung für das etablierte System, gerade auch hier die in Armut groß gewordenen Jugendlichen. Auf diese wird der Staat mit gesetzgeberischen Mitteln reagieren. Es ist nur eine Frage der Zeit, Verstöße gegen Arbeitsmarktlauflagen mit Inhaftierungen zu sanktionieren. Die schreckliche Vision: In “Umerziehungslager” könnte man solche unterbringen, denn der Begriff “Arbeitslager” oder “Konzentrationslager” klingt schließlich nostalgisch.

Eines kann man den Menschen für die Zukunft schon jetzt sagen: Nur Erwerbstätigkeit macht frei. Arbeit ist minderwertig.

Photo Quelle/Copyright: Klaus-Uwe Gerhardt, via pixelio.de

Kommentare

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  1. Insgesamt stimme ich Ihrem Artikel zu.

    Ihr Artikel fordert ja indirekt mehr finanzielle Unterstützung für sozial Benachteiligte. Gibt es denn auch schon einen Plan wie das Ganze finanziert werden soll?

    Ich meine, der Staat verschuldet sich immer noch Jahr für Jahr, das Gesundheitssystem und das Rentensystem sind faktisch nicht finanzierbar. Wo soll das Geld herkommen?