Die PopCamp-Teilnehmer des Jahrgangs 2007 gehen zielstrebig ihren Weg
Etwas eigentümlich wirkt es schon, wenn sich der geneigte Zuschauer vor eine Bühne begibt und statt der zu erwartenden Musiker lediglich vier Pferdeköpfe zu Gesicht bekommt. Doch sei’s drum. Denn erstens, so die dahinter stehende Band, “stehen die Mädels drauf” und zweitens heißt das ja noch lange nicht, dass nicht auch vermeintliche Huftiere ordentlich rocken können…
Stupides Wiehern ist also nicht das Ding der Nürnberger Formation “MY NEW ZOO“. Vielmehr geben sich die PopCamp-Absolventen der dritten Staffel ganz selbstbewusst und behaupten doch glatt: “Wir können besser Musik machen und zaubern als David Copperfield!” Ihre handgemachte Mixtur aus Wave und Rock’n'Roll – zusammen Wave’n'Roll genannt, die uns Sänger Danijel Bubic, Gitarrist Robert Zovko, Bassist Christian Glaser und Drummer Wolfram Glaser als metaphorische Prügelrunde zwischen Keath Richards und Paul McCartney verkaufen möchten, kommt an. Von der Dorfkneipe ging es in diesem Jahr auf die ganz großen Bühnen.
“Es geht immer nur um die Musik, die Band und das Publikum. Die heilige Dreifaltigkeit.”
Nachdem Robert und Danjiel, der eine als Bassist, der andere als Schlagzeuger, zunächst jahrelang Zeit damit verschwendeten anderen Leuten ihre Vision von Rock’n’ Roll zu erläutern, wurde das kleine Projekt der jungen Leute aus dem ehemaligen Jugoslawien im November 2005 auf die nächste Stufe gestellt. Der “Zoo” erblickte das Licht der Welt und hat seitdem nicht nur die Mission, die Welt zu erobern, sondern auch skurrile Gigs und Erlebnisse in Massen hinter sich gebracht – jüngst sogar bei Rock im Park, auf dem Sinnflut Festival in Erding und beim SZIGET Festival in Ungarn. Auch Italien, Rumänien, die Schweiz und Österreich haben sie in diesem Jahr schon gesehen. Doch von Abgehobenheit weit und breit keine Spur: “Wir erwarten nichts, geben aber immer alles”, erklärt Frontmann Danjiel die schlichte, aber effektive Herangehensweise an all ihr Streben. „”Wir versuchen eine gute Zeit mit dem Publikum zu haben und uns einen adrenalinreichen, hormonellen Tag zu bescheren. Es geht immer nur um die Musik, die Band und das Publikum. Die heilige Dreifaltigkeit.”
Lassen wir jetzt also das eingangs gemalte Bild mit den Pferdeköpfen, die ihnen allerdings nach eigenen Angaben sicherlich den Weg ins PopCamp geebnet haben (Aussehen ist schließlich alles) außen vor und konzentrieren uns nun auf das, was diese vier Jung-Musiker auszeichnet. Von Berlin bis München und natürlich darüber hinaus haben sich diese vier Wilden, die ihr Revier gerne auch mal mit Sprühdosen markieren, schon eine ansehnliche Fangemeinde erspielt. Bayern 3 begleitet sie nahezu seit ihrer Entstehung, obwohl sie keine Platte auf dem Markt haben und Auftritte mit Silbermond oder Fidler’s Green können sie ebenso vorweisen wie 3000 verkaufte Demos, die sie natürlich selbst produziert haben.
Ihr Motto “Tiere, Gitarre, Emotionen” bahnt sich forschen Schrittes durch die Lande. Kontinuierliches Live-Spielen, “ausgeprägter Geschäftssinn, graphische Phantasie, musikalisches Scheuklappenverhalten” und dank der “Zähigkeit eines Gummistiefels”, sind sie, wie Danijel betont, heute da, wo sie eben sind: Kurz vor der Veröffentlichung ihrer ersten Platte A.I.D.A. am 24. Oktober dieses Jahres. “Geprägt hat uns unser Instinkt und die eigene Unzufriedenheit sowie der Jieper aufs Neue. Vermeintlich gute Angebote haben wir ausgeschlagen und haben My New Zoo nach unserem Gusto definiert bis wir das Gefühl hatten einen überregionalen optoakustischen Angriff auf die Republik starten zu können”, sagt er nicht ohne Stolz. Denn Geld gebe es sowieso nicht. Und so würde alles reinvestiert und der Band zugeführt werden. Doch dabei gibt es für die Vier nur eine Devise: “Wir müssen nur uns und unserer Idee treu bleiben und dabei Spaß haben.”
“Es gibt kein Rezept für Erfolg”
Diese Einstellung muss auch Sven Bünger (Produzent von Madsen) und Oliver Pinelli (Produzent von Wolfsheim) beeindruckt haben. Immerhin ging man mit den Jungs, die am liebsten alles selbst machen, vor noch nicht allzu langer Zeit zusammen ins Studio und bastelte nach gemeinsamen Stunden im PopCamp an der Perfektionierung ihres Sounds, der mit Themen wie Liebe, Polizeikontrollen oder auch Politik ausdrucksstark, aber weiß Gott nicht mainstream daher kommt. “Es gibt kein Rezept für Erfolg”, sagen sie bestimmt. “Wir als musikalische Formation sind geprägt durch unsere kroatisch-deutsche Herkunft, die angloamerikanische Rock und Popmusik, die katholische Kirche, Sozialismus im Kapitalismus, unser soziales Umfeld, jugoslawischen Rock und westliche Kultur.” Sich an die Fersen anderer Musiker zu heften und es ihnen gleich zu tun liegt ihnen fern. Vielmehr müsse sich ein Musiker ständig selbst definieren, aber vor allem mutig sein, sonst bleibe er ein Abkömmling – auf ewig.
Kein Wunder also, dass sie vor gut eineinhalb Jahren einfach ihr eigenes Label gegründet haben. “Nach 160 Live Gigs, vielen Ersparnissen, kontinuierlichem Schaffen und der finanziellen Unterstützung der ‘Initiative Musik’ haben wir alle nötigen Partner am Start und sind auch so gereift um My New Zoo mehr Menschen zugänglich zu machen”, bringen sie ihre Einschätzung über das derzeitige Musikgeschäft zum Ausdruck. “Wir versuchen (es) nicht neu einzuschätzen noch bringt es etwas darüber zu lamentieren. Wir sind nur My New Zoo verpflichtet und unserer Musik und greifen die Möglichkeiten, die uns richtig erscheinen konsequent am Schopf. Wir versuchen überhaupt erst einmal M.N.Z auf die musikalische Landkarte als kleinen Punkt zu setzen. Vielleicht wird dann mal daraus ein großer Fleck mit ‘nem Fluss.”
Die Außenansichten durch die Dozenten des PopCamps haben sie jedoch sehr genossen, gestehen sie ein. Viele der damaligen Kontakte bestehen noch und der kleine Punkt auf der musikalischen Landkarte wird im Augenblick immer wahrscheinlicher. “Unsere Businessfähigkeiten wurden geschärft und wir konnten noch mehr feststellen, das uns niemand als wir selbst helfen kann”, resümieren die Newcomer ihre Erfahrungen aus dieser Zeit. “Man bekommt eine ordentliches Feedback. Den Rest muss man dann selbst in die Hand nehmen.”
MY NEW ZOO greifen also an: Der erheblichen Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage stellen sie die Forderung nach mehr Publikum gegenüber. Und dieses wird sie hoffentlich treu begleiten auf der “Jagd nach dem alles erfüllenden Glück”…
Wie es ihnen auf der “Pirsch” bisher ergangen ist, das seht Ihr hier. My New Zoo bei Rock im Park…
… und auf dem Sinnflut Festival in Erding:
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.