US Bankenkrise gewinnt dramatisch an Fahrt

Die Flucht der Investment Bank Lehman Brothers unter Chapter 11 des US-Insolvenzrechts kommt einer de facto Pleite gleich. Die gleichzeitig erfolgte Übernahme von Goldman and Sachs durch die Bank of America ist ein verzweifelter Rettungsversuch, weitere Pleiten insbesondere bei den führenden US-Investmentbanken zu verhindern. Die amerikanische Notenbank sieht sich zu

gsdfgfd.jpgDie Flucht der Investment Bank Lehman Brothers unter Chapter 11 des US-Insolvenzrechts kommt einer de facto Pleite gleich. Die gleichzeitig erfolgte Übernahme von Goldman and Sachs durch die Bank of America ist ein verzweifelter Rettungsversuch, weitere Pleiten insbesondere bei den führenden US-Investmentbanken zu verhindern. Die amerikanische Notenbank sieht sich zu weiteren massiven Stützungsmaßnahmen gezwungen und öffnet erneut das Diskontfenster für Wertpapiere niedriger Bonität. Sie geht dabei ein hohes Risiko ein, selbst in finanzielle Schieflage zu Lasten der Steuerzahler zu geraten. Damit bestätigt sich nun, dass die mit der Subprime-Krise vor einem Jahr begonnene umfassende Bankenkrise in den USA erst noch vor ihrem Höhepunkt steht.

Die Krise ist sehr viel mehr als eine reine Vertrauenskrise

Die derzeitige Krise der amerikanischen Geschäftsbanken ist sehr viel mehr als eine bloße Vertrauenskrise hypernervöser Anleger. Durch bloße Bereitstellung von kurzfristiger Liquidität durch die Zentralbanken wie in den zurückliegenden Monaten kann sie auch nicht nachhaltig behoben werden. Das blinde Vertrauen der Anleger in haltlose Ertragsversprechungen der Geschäftsbanken ist nicht dadurch wieder herzustellen, dass die kurzfristige Liquidität der Geschäftsbanken sichergestellt wird. Eine umfassende Neubewertung der Finanzanlagen hinsichtlich ihrer tatsächlichen Werthaltigkeit ist für eine dauerhafte Gesundung des amerikanischen Bankensystems unausweichlich. Die Versprechungen der Banken man hätte bereits im Frühjahr diesen Jahres die Fehlbewertungen umfassend korrigiert, zeigt sich jetzt als schlichte Fehleinschätzung, wenn nicht schlimmer noch als dumme Lüge. Das Ausmaß der Kapitalvernichtung, die vom IMF auf rund eine Billion US Dollar beziffert worden ist, könnte sich als immer noch zu optimistisch erweisen, da niemand aufgrund der Intransparenz der Finanzprodukte im Derivatehandel den Korrekturbedarf zuverlässig abschätzen kann. ein aber eine umfassende grundlegende Neubewertung der zahllosen junk-bonds nicht erfolgen kann und teilweise auch absichtvoll verhindert wird, dann droht eine lang andauernde Agonie der amerikanischen Finanzmärkte.

Insbesondere ausländische Anleger werden sich jetzt zunehmend dreimal überlegen, ob die USA als Finanzplatz auf Dauer für sich der geeignete Ort ist, um ihre gewaltigen Vermögenswerte sicher anzulegen. Die arabischen Ölstaaten sind eine der wichtigsten ausländischen Stammkunden der amerikanischen Geschäftsbanken. Hinzu kommen auch die asiatischen Staatsfonds und auch europäische Anleger insbesondere auch Versicherungs- und Pensionsfonds, die im Vertrauen auf langfristig höhere Renditechancen in den USA ihr Geld in den USA gerne angelegt haben. Müssen sie nun einsehen, dass dies nicht der Fall war und auch auf absehbare Zeit kaum anders werden wird, dann droht eine Kapitalflucht.

Andere Finanzplätze treten in Konkurrenz zur Wallstreet

Der Vertrauensverlust in das amerikanische Bankensystem einschließlich der massiven Regulierungsdefizite durch die entsprechenden amerikanischen Aufsichtsbehörden wird den Ruf nach anderen Bankplätzen in der Welt lauter werden lassen. Eine der neuen aufstrebenden Weltfinanzzentren könnte in Dubai das Dubai International Financial Centre (DIFC) werden. Die islamische Welt ist es zunehmend satt, von den USA als Kapitalgeber für riskante Finanzwerte missbraucht zu werden. Auch in Asien insbesondere Ostasien wächst der Unmut über das unseriöse Geschäftsgebaren der amerikanischen Geschäftsbanken. Man denkt bereits seit einiger Zeit laut über einen neuen asiatischen Finanzplatz nach.

Insbesondere die Führung in der VR China aber auch Südkoreaner und andere Schwellenländer möchten sich aus der babylonischen Gefangenschaft der US-Finanzmärkte befreien. Ob es Sydney, Singapore, Hongkong oder Shanghai gelingen wird dabei den Zuschlag zu bekommen bleibt abzuwarten. Es bewegt sich jedenfalls auch dort etwas. Russland denkt ebenfalls intensiv über eine größere Unabhängigkeit seiner Finanzmärkte von den USA nach. Last but not least werden insbesondere die Europäer auf dem Kontinent ihre Bemühungen verstärken sich unabhängiger von den USA als Finanzplatz zu machen. Dies sind alles keine guten Zeichen für eine Erholung des amerikanischen Finanzsystems. Insbesondere der Vertrauensverlust der ausländischen Anleger ist kurzfristig nicht mehr rückgängig zu machen. Man ist derzeit auch viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sich auf diese Probleme konzentrieren zu können.

Mithin kann die derzeitige Krise zu einem nachhaltigen Strukturbruch in der Architektur der Weltfinanzmärkte führen. Die USA könnten zusammen mit ihren angelsächsischen Partnern leicht ihre seit dem Ende des zweiten Weltkriegs bestehende Vorrangstellung einbüßen. Dies würde ähnlich wie der Zusammenbruch der Sowjetunion vor knapp zwanzig Jahren die weltpolitische Lage dramatisch verändern. Wir würden auch bei den Weltfinanzmärkten auf eine multipolare Ära zusteuern. Kenneth Rogoff, der ehemalige Chefökonom des IMF, hat mithin voraussichtlich Recht, wenn er den amerikanischen Banken eine drastische Schrumpfung von 20 bis 30 Prozent vorhersagt. Die jetzigen Pleiten, zwangsweise Übernahmen und Verstaatlichungen der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac werden nicht die letzten dramatischen Maßnahmen sein.

Photo: David Shankbone via Wikipedia

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