AIG nicht mehr in der Champions League?

Die American International Group, kurz AIG, kämpft gegen den Konkurs. Das einstmals größte Versicherungsunternehmen der Welt (der Börsenwert sank gestern um knapp 60 Prozent) versucht sich, mit Notenbankkrediten liquide zu halten und weitere Wertabschreibungen zu verhindern. Wie lange die Spieler des englischen Meisters und Champions League Siegers Manchester United noch

ManU-Logo. Photo: semuthatanDie American International Group, kurz AIG, kämpft gegen den Konkurs. Das einstmals größte Versicherungsunternehmen der Welt (der Börsenwert sank gestern um knapp 60 Prozent) versucht sich, mit Notenbankkrediten liquide zu halten und weitere Wertabschreibungen zu verhindern. Wie lange die Spieler des englischen Meisters und Champions League Siegers Manchester United noch mit dem Kasten und den drei Buchstaben auf dem Trikot in dieser Saison erscheinen werden, wird sich zeigen. Somit kommen die Erdbeben im amerikanischen Finanzsektor auch beim Sportsponsoring an. Denn knapp 20 Millionen Euro zahlt der strauchelnde Versicherer pro Jahr an die Red Devils.

Der Vertrag mit AIG ist das größte Geschäft in der Geschichte des englischen Fußballs mit Werbung auf Trikots und dürfte im Haushaltsbuch von ManU-Generaldirektor David Gill ein Loch reißen. Ohnehin ist der Verein ein Privatvergnügen des US-amerikanischen Milliardärs Malcolm Glazer, der nach der Übernahme im Jahr 2005 drei seiner fünf Söhne im Vorstand installierte. Dessen Holding First Allied Corporation verliert wohlmöglich auch Geld in der Hypothekenkrise und könnte an einem Verkauf der Weltmarke Manchester United zwecks Liquidität interessiert sein. Ronaldo noch in AIG-Kluft. Photo: vuhlser

Ähnliches geschieht beim traditionsreichen Liverpooler FC. Die Eigner aus den USA wollen ihre Mehrheitsanteile verkaufen und warten auf Angebote. Die kommen meist aus den reichen Emiraten am Persischen Golf, wo das Öl und damit das Geld noch fließt. Nach der Übernahme von Uniteds Lokalrivalen Manchester City im September durch die Abu Dhabi United Group dementierte Sheikh Mohammed vom Staatsfond Dubai International Capital (DIC) weitere Gespräche oder Angebote für den Liverpooler Klub. Anscheinend waren die aufgerufenen Preise der Eigner Hicks und Gillett zu hoch. Insgesamt wären 500 Millionen Pfund, darunter 350 Millionen Pfund Verbindlichkeiten, im Gespräch gewesen. Oder war es nach der Übernahme der Citizens durch die einheimische Konkurrenz nicht mehr schicklich in der selben Liga anzutreten?

Fußball und Vereine als Projektionsfläche für die kapitalistische Geschäftswelt? Taugen die Prinzipien des Profitstrebens und des plötzlichens Verfalls für einen sehen- und erlebenswerten Sport oder prägen sie den Wettbewerb in einem Maße, dass das Wort Spiel obsolet ist?

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