US-Finanzmartkkrise: AIG erhält TBTF

Die Entscheidung der Fed, in den USA der schwer angeschlagenen Versicherungsgesellschaft American International Group (AIG)eine vierundzwanzig monatige Kreditlinie in Höhe von 85 Mrd. US Dollar einzuräumen und im Gegenzug dafür 79.9 Prozent des Unternehmens zu übernehmen, stellt einen einmaligen Vorgang in der US-Wirtschaftsgeschichte dar. Erneut wurde mit dem Verweis –

Die Entscheidung der Fed, in den USA der schwer angeschlagenen Versicherungsgesellschaft American International Group (AIG)eine vierundzwanzig monatige Kreditlinie in Höhe von 85 Mrd. US Dollar einzuräumen und im Gegenzug dafür 79.9 Prozent des Unternehmens zu übernehmen, stellt einen einmaligen Vorgang in der US-Wirtschaftsgeschichte dar. Erneut wurde mit dem Verweis – too big to fail – letztendlich der US-Steuerzahler zur Kasse gebeten. Offenbar haben einige Finanzinstitute eine implizite Staatshaftungsgarantie, die man als TBTF (to big to fail) bezeichnen könnte. Wer dieses Label trägt, kann eigentlich unbesorgt jedes Risiko eingehen, denn am Ende greift ja die Staatshaftung aufgrund von TBTF.

Picking winners and losers

Das bezeichnende an dieser Angelegenheit ist, dass es der Fed möglich ist zwischen Gewinner und Verlierern innerhalb von Tagen entscheiden zu könnten. Lehman Brothers konnten in Insolvenz gehen. Bear Stearns erhielten ein bailout weil TBTF.  Sie gehören jetzt zu J.P.Morgan. Freddie Mac and Fannie Mae wurden verstaatlicht. AIG wird von der Zentralbank quasi übernommen. Was soll eigentlich eine Zentralbank mit einem großen weltweit operierenden Versicherungskonzern wie AIG? Eigentlich liegen Versicherungskonzerne außerhalb des Bereichs der Bankenaufsicht und der Sicherung der Stabilität der Finanzmärkte.

Macht nichts – Ben Bernanke entschied TBTF. Es wird wohl in den kommenden Tagen, Wochen oder sogar Monaten so weitergehen.  Der Staat oder seine Zentralbank gehen immer unter dem Hinweis TBTF für von der Insolvenz bedrohte Unternehmen in die Staatshaftung.  Das pikante an dem aktuellen Deal ist, dass man durch die Einräumung einer zweijährigen Kreditlinie für AIG den Umstand verschleiern möchte, dass man das Unternehmen weitgehend übernommen hat. Richtigerweise fragten sich Analysten in einer Fernsehdebatte bei Bloomberg, wie ein wirtschaftlich schwer angeschlagenes Unternehmen wie AIG es schaffen sollte, innerhalb dieser Zeitspanne von den zu erwarteten Verlusten herunterzukommen, dass man auf diese Kreditlinie verzichten könnte.

Vermutlich wissen dies die Fed und Ben Bernanke selber nicht, aber man hat Zeit gewonnen. In zwei Jähren sollte vermutlich das gröbste der derzeitigen Finanzmarktkrise in den USA überwunden sein.  Dann wird es wohl weniger Aufregung verursachen, wenn bis dahin der Konzern schrittweise abgewickelt und verkauft worden ist und am Ende die verbleibenden Verluste an den Steuerzahlen weitergereicht werden. Alles nur eine Frage des Pleiten-Marketings.

Das große Fressen

Es gibt jedoch nicht nur Verlierer in der gegenwärtigen Krise. Es trifft sich gut, dass damit andere Unternehmen wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und  J.P. Morgan-Chase von Stützungsmaßnahmen verschont geblieben sind. Dies verwundert nicht, da der amerikanischen Finanzminister Henry Paulson der ehemalige Vorstandvorsitzende von Goldman Sachs war. Man schont die eigene Firma. Morgan Stanley hat gleichzeitig hohe Überschüsse für das laufende Quartal bekannt gegeben. Diese werden voraussichtlich zu weiteren Übernahmen angeschlagener Finanzinstitute eingesetzt. Die Finanzmarktkonzentration in den USA schreitet somit drastisch voran. Am Ende stehen dann wenige US-Finanzriesen, die alle das TBTF-Gütesiegel tragen.

Die Opfer der Krise

Während sich die großen Finanzkonzerne trotz massiver Verfehlungen aufgrund ihres TBTF sanieren, gibt es zahllose Opfer der Krise.  Dies sind voraussichtlich rund zwei Millionen US-Haushalte, die durch die Hypothekenkrise in die Privatinsolvenz getrieben werden. Dies sind viele Kleinanleger, die durch den Finanzmarktcrash ihre Vermögensanlagen bei Wertpapieren aller Art verlieren. All diese arglistig getäuschten Anleger und Kreditnehmer sind leider nicht TBTF – sie müssen ihre Verluste selbst tragen. Zugleich kriegen die amerikanischen Steuerzahler die Verluste, die durch TBTF-Maßnahmen dem Staat aufgebürdet werden, irgendwann als höhere Steuerlasten oder sinkende Staatsleistungen aufgebürdet. Mal sehn, ob dies so klaglos hingenommen wird, wie sich dies die Finanzakrobaten der Wallstreet vorstellen.

Kommentare

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  1. Dazu ein interessanter Artikel in der FTD.de: “US-Regerung verstaatlicht AIG”.

    AIG hatte immer gesagt, dass sie ncht überschuldet ist sondern in Liquidationsschwierigkeiten steckt. AIG hatte daher händeringend einen Kredit über 75 Mrd. US-$ gesucht. Genau dies hat die Regierung getan. AIG erhält einen Kredit über 85 Mrd. US-$, der voll abgesichert ist.

    Es machr einen riesigen Unterschied, ob der Staat Schulden von Lehman von über 600 Mrd- US-$ übernimmt oder einen besicherten Kredit an AIG vergibt.

    Die Folgen einer Pleite von AIG nicht nur für die USA stehen in keinem Verhältnis zu dem Kreditvolumen. AIG ist in 130 Ländern aktiv und AIG stark engagiert im Absicherungsgeschäft für Anleihen.

    Vermutlich war diese AIG-Lösung das einzig richtige.

    http://www.ftd.de/unternehmen/versicherungen/:Milliardenhilfe-f%FCr-Versicherer-US-Regierung-verstaatlicht-AIG/414728.html