BEST OF READERS EDITION – eine Wochenbilanz

Na, Dirndl oder Lederhose schon eingepackt? Die letzten Stunden bis zum größten Volksfest der Welt sind angezählt. Ob es aber nun direkt nach München oder vielleicht auch “nur” nach Kühlungsborn geht, wo man dem 175. Treiben um ganze 165 Jahre hinterher hängt, das sollte an dieser Stelle weniger ins Gewicht

lerohr.jpgNa, Dirndl oder Lederhose schon eingepackt? Die letzten Stunden bis zum größten Volksfest der Welt sind angezählt. Ob es aber nun direkt nach München oder vielleicht auch “nur” nach Kühlungsborn geht, wo man dem 175. Treiben um ganze 165 Jahre hinterher hängt, das sollte an dieser Stelle weniger ins Gewicht fallen als die Tatsache, dass an diesem Wochenende mächtig was los sein wird in der Republik. Doch zwischen Kofferpacken und Warm up bleibt sicherlich noch etwas Zeit die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen. Und wie könnte das besser geschehen als mit unserer kleinen Wochenbilanz.

Ab über den großen Teich: USA und Brasilien im Fokus

Starten wir also auch heute chronologisch. Es ist Montagmittag, 11.25 Uhr als unser fleißiger Autor Georg Erber meldet “US Bankenkrise gewinnt dramatisch an Fahrt“. Turbulent geht es in den Vereinigten Staaten zu. Die Investmentbank Lehman Brothers ist pleite, Goldman and Sachs wird durch die Bank of America übernommen. Erber prophezeit: Die “umfassende Bankenkrise in den USA steht erst noch vor ihrem Höhepunkt”. Er verdeutlicht, dass die derzeitige Talfahrt der amerikanischen Geschäftsbanken allerdings viel mehr sei als eine bloße Vertrauenskrise hypernervöser Anleger. Es wurde viel Schmuh getrieben. Eine umfassende Neubewertung der Finanzanlagen hinsichtlich ihrer tatsächlichen Werthaltigkeit müsse kommen, um das hiesige Bankensystem nachhaltig zu gesunden. Bis es jedoch soweit ist, zeitigen sich die Folgen der aktuellen Lage: “Insbesondere ausländische Anleger werden sich jetzt zunehmend dreimal überlegen, ob die USA als Finanzplatz auf Dauer für sich der geeignete Ort ist, um ihre gewaltigen Vermögenswerte sicher anzulegen.” Die Wallstreet bekommt Konkurrenz. Kommt es gar zu einem Strukturbruch der Architektur der derzeitigen Weltfinanzmärkte? Das Drama jedenfalls ist noch nicht ausgestanden, da ist sich der Autor sicher.

Doch nun genug der trüben Gedanken. Folgen wir unserem Autor Alexander Kippes lieber ins ferne Brasilien. Seit drei Wochen ist er im Land von Samba und Co. heimisch und berichtet uns seitdem auch, wie es ihm in seinen neuen Gefilden ergeht. Nach geringfügigen Startschwierigkeit hat er sich schon binnen kürzester Zeit einen fest strukturierten Tagesablauf eingerichtet. Anhand eines literarischen Rundgangs durch seine Stadt berichtet er uns von seinem täglichen Gang zum Training, von jenem schicksalshaften Ort, an dem er seine jetzige Freundin kennen lernen durfte und erzählt uns schmunzelnd von den Tücken eines brasilianischen Internet-Shops. Viel Zuspruch hat er seit seinen ersten Zeilen hier auf der Readers Edition geerntet. “Bin gespannt, wie’s bei Dir weitergeht”, schreibt da zum Beispiel eine junge Dame. Ein anderer Auswanderer, der ebenfalls unter südlicher Sonne gelandet ist, ermutigt ihn euphorisch und ruft ihm zu: “Du machst das genau richtig!” Auch wir sind gespannt, was uns der junge Mann in den nächsten Wochen und Monaten zu berichten hat. Freuen wir uns also schon jetzt auf die ein oder andere Andekdote und Erfahrungen, die wir über das Internet mit ihm teilen können.

Next Generation – Gedanken über das Internet und das Altwerden

Apropos “Internet”: Anlässlich unseres neuen Schwerpunktthemas hat sich auch unser Autor Marius Baumann erneut zu Wort gemeldet und fragt seit vergangenen Dienstag: “Diskussionen von Vor-Vorgestern: Ist das Internet Teufelswerk?” In seinem Beitrag nimmt er sich den Skeptikern neuer Möglichkeiten an. Nach ein paar beispielhaften Anekdoten etwa aus der Zeit Kaiser Wilhelms, stellt er auch für die Neuzeit fest: “Die sich wirtschaftlich wie technologisch rasant wandelnde Gesellschaft wird zur Oase der Technik-Paranoia.” Wundern tut sich der Autor jedoch nicht: Denn die vielfältigen, sich überschlagenden Neuerungen bilden quasi eine Oase, um die allerorts stimulierte, innere Veränderungsparanoia nach Außen zu verlagern – und dort natürlich auch zu bekämpfen. Die Folge: Die Nutzung der sich nun ergebenden Chancen wird immens erschwert. “Die größte Erfindung des Jahrtausend – aus Marketinggründen zur Gefahr für das Hirn verteufelt”, konstatiert er die derzeitige Stimmung. Dabei lassen sich die Entwicklung und Bedeutung dieser neuen Technologien noch in keinster Weise abschätzen. Baumann drückt es in seinem Schlussappell so aus: “Alexander Bell, einer der Erfinder des Telefons, hätte wohl niemals mit der Allgegenwart des Handys gerechnet.” Und was halten wir heute in Händen?…

Doch nicht nur Marius Baumann hat in dieser Woche kritisch seine Stimme erhoben. Auch Julien Germain meldet sich an diesem Freitag mit “Von ‘Corega-Tubbies’ zu ‘Best-Agers’” zu Wort. Und auch ihm geht es um vorherrschende Skepsis – Skepsis gegenüber der Leistungsfähigkeit und Relevanz von Menschen jenseits der 50. “Der Jahre lang vernachlässigten Zielgruppe ’50-plus’, welche in eindeutiger Form Menschen im Alter über 50 Jahren bezeichnet, wird erst in jüngster Zeit annähernd ausreichende Beachtung geschenkt”, stellt er ernüchternd fest. Viel zu lange blieben sie außen vor. “Arbeitswillige, reifere Personen mit mehr Lebenserfahrung und oft nicht fachlich begrenzten Tätigkeitskompetenzen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen” erhielten oft gar keine Chance sich aktiv an beruflichen Aufgaben zu beteiligen. Der Verlust des Know-how-Potentials ist unausweichlich. Alleinig die Kommunikationsbranche scheint derweil aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und pflegt nun “reife Kommunikation für eine mündige Zielgruppe”. Ausreichend ist das aber noch lange nicht. “Unqualifiziertes ‘Übereinander’ muss jetzt zu einem qualifizierten Miteinander der Generationen sowohl im beruflichen alsgleich privaten Umfeld willentlich gewandelt werden.” Denn die Bestagers kommen… und zwar gewaltig.

Wenn Gelder auf Reisen gehen…

Mit einem Paukenschlag in den USA haben wir begonnen, mit einem solchen beenden wir auch unsere heutige Rundschau. “Steinbrücks Profitgruppe oder wie Millionen den Weg allein über den Atlantik fanden“, titelt am heutigen Freitag unser neuer Autor Zbigniew Menschinski, den wir an dieser Stelle ganz herzlich begrüßen möchten. “Wenn es nicht so teuer und traurig wäre, könnte man fast darüber lachen. Da gerät die US-Investmentbank ‘Lehman-Brothers’ letzte Woche in den Strudel der Finanzkrise. Hilfeschreie aus der Führungsetage hallen durch die Gazetten, Bettelbriefe um Milliardensummen laufen über die Ticker, die Gläubiger stehen vor dem Institut Schlange, der Konkurs ist nur noch eine Frage der Zeit – und genau zu diesem Zeitpunkt kippt die staatliche Kreditbank für Wiederaufbau (KfW) noch mal 300 Millionen in das Fass ohne Boden”, macht der Autor seinem Ärger Luft. Dabei hätte doch wohl jeder kleine Sparkassenchef sofort auf solche Warnsignale, wie sie letzte Woche von Lehman Brothers kamen, reagiert und vor allen Dingen nicht überwiesen. Ob technische Panne, wie offiziell erklärt, oder nicht. Dieser Vorgang erscheint Menschinski mehr als ungeheuerlich. Das Wort “Entscheidungsträger” müsse nun wohl gänzlich neu buchstabiert werden. Denn “‘Entscheidungsträger’ werden in diesem Land offenbar jene, die ‘entscheidungsträger’ sind als andere.”…

Wie es in dieser Sache weitergeht bleibt abzuwarten. Wir wünschen Ihnen jedoch nun erst einmal ein schönes Wochenende – ob nun auf dem Oktoberfest oder auch anderswo. Haben Sie herzlichen Dank für Ihre engagierte Beteiligung ob als Autor und Kommentator. Machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag.

Ihre Redaktion Readers Edition

Photo Quelle/Copyright: MsAnthea, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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