Geisterhände
Wenn es nicht so teuer und traurig wäre, könnte man fast darüber lachen. Da gerät die US-Investmentbank “Lehman-Brothers” letzte Woche in den Strudel der Finanzkrise. Hilfeschreie aus der Führungsetage hallen durch die Gazetten, Bettelbriefe um Milliardensummen laufen über die Ticker, die Gläubiger stehen vor dem Institut Schlange, der Konkurs ist nur noch eine Frage der Zeit – und genau zu diesem Zeitpunkt kippt die staatliche Kreditbank für Wiederaufbau (KfW) noch mal 300 Millionen in das Fass ohne Boden. Vielleicht sind es aber auch 600 Millionen berichtet die Financial Times Deutschland. Man weiß es nicht so genau. Es sind ja eh nur Steuergelder.
Vielleicht war es aber auch noch mehr. Wer weiß schon, welche Tranchen da insgesamt in letzter Zeit über den Atlantik gingen. Am wenigsten offensichtlich das Topmanagement des Superinstituts KfW.
Jeder kleine Sparkassenchef hätte sofort auf solche Warnsignale, wie sie letzte Woche von “Lehman Brothers” kamen, reagiert und in einem vergleichbaren Fall die vorgesehenen Riesenüberweisungen auf Eis gelegt. Nicht so, die KfW.
Nachdem man die 300 oder gar 600 Millionen Euro der Finanzleiche über den Tresen geschoben hat, erklärt nun der Vorstand, es habe sich um eine “technische Panne” gehandelt. Da sei automatisch etwas angelaufen, was man so nicht gewollt habe. Tja, Pech gehabt. Man bekommt Mitleid und fühlt sich an revoltierende Roboter erinnert, die eigenmächtig Schecks ausstellen oder an Leisler-Kieps Unterschriftenmaschine, die beim CDU-Spendenskandal wie von Geisterhand bedient ihre obskuren Machenschaften abwickelte.
Zum Trost für den Bürger erklärt der Vorstand der KfW, die Panne sei nicht ganz so schlimm, wie es aussieht, denn man könne eventuell damit rechnen, dass aus der Konkursmasse des Bankhauses Lehman die Hälfte des überwiesenen Geldes wieder zurückerstattet wird.
Karitatives Werk
Na, wunderbar, denkt sich der Steuerzahler, dann hat die KfW nicht nur ein karitatives Werk an den notleidenden Lehman-Brüdern getan, sondern bekommt ganz ohne Spendenquittung sogar noch etwas davon zurück. Bei der Pleite der Berliner Kreditbank zu Zeiten Diepgens und Landowskys war das ja nicht der Fall, da waren die ganzen Milliarden endgültig futsch gewesen.
800.000 Euro Jahressalär verdient, genauer bekommt, Ulrich Schröder, der von Steinbrück bestallte Vorstandschef der KfW. Wofür eigentlich fragt man sich.
Eine lange Leitung scheinen nicht nur die Repräsentanten der Bundesregierung beim aktuellen Krisenmanagement zu haben, sondern auch die von ihnen angestellten Manager. Von Peer Steinbrück weiß man ja schon aus seiner Zeit als oberster NRW-Steuerverwalter, dass er ein begnadeter Finanzschauspieler in der Ministerrolle ist, der es zwar glänzend versteht, sich grinsend und nassforsch, ins rechte – und wenn es der Karriere dient auch ins ganz rechte – Licht zu rücken, dass er aber vom Metier, von Geldgeschäften und dem Finanzdschungel herzlich wenig Ahnung hat. Man sehe sich die Entwicklung der WestLB unter seiner Ägide an, dann weiß man, was unter Abrissmanagement zu verstehen ist.
Entscheidungsträger
Seit 2005 macht Steinbrück diesen Job nun als Mitglied der Bundesregierung. Nachdem die IKB unter seiner Aufsicht Milliardensummen verzockt hatte und mit acht Miliarden an Steuergeldern “gerettet” werden musste, wurde Ulrich Schröder, der ehemalgie WestLB- und spätere NRW-Bank-Chef auf Empfehlung Steinbrücks als Sanierer der IKB und Vorstandschef der KfW bestellt.
Im April 2002 – damals war Steinbrück NRW-Finanzminister und Wolfgang CLement noch Ministerpräsident – wurde Ulrich Schröder Mitglied des Vorstandes der WestLB und bereitete dort die Abspaltung der NRW-Bank vor. Nach der Abspaltung im August 2002 wurde er Mitglied des dortigen Vorstandes. Zum 1. Januar 2006 dessen Vorsitzender.
Als Ulrich Schröder im Mai 2008 Chef der KfW wird, meint Peer Steinbrück:
“Ich kenne Ulrich Schröder, der seit 2002 im Vorstand der NRW-Bank tätig ist, aus meiner Düsseldorfer Zeit sehr gut. Ich schätze ihn als einen außerordentlich kompetenten Fachmann des Förderbankgeschäfts, der die Stärken der KfW gerade in schweren Zeiten erfolgreich weiterentwickeln wird.”
Am Freitag letzter Woche, als endgütlig klar war, dass Lehman Brothers in Konkurs geht, hätten alle Überweisungen an den maroden Partner gestoppt werden müssen. Es würde niemand wundern, wenn sich herausstellen würde, dass Ulrich Schröder am Freitag schon ins wohlverdiente Wochenende verschwunden war.
Wie dem auch sei, auf jeden Fall muss man seit der Hundert-Millionen-Panne der KfW wohl das Wort “Entscheidungsträger” in Deutschland semantisch umbuchstabieren. “Entscheidungsträger” werden in diesem Land offenbar jene, die “entscheidungsträger” sind als andere.
Photo Quelle/Copyright: Financial Aid Podcast, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
Was für ein Vorgang! Hoffentlich erfährt die Öffentlichkeit einmal mehr als die Hinweise, dass das eine “Panne” gewesen sei. Und vielleicht hat das mal mehr Konsequenzen, als dass drei Herren wortlos in den unverdienten Ruhestand geschickt werden!