Es ist noch gar nicht so lange her, da hat der Caritas-Verband meine Fragen zu Entschädigungen für ehemalige Heimkinder abgebügelt. So teilte mir die Pressestelle dieser Organisation am 13. Juni 2008 mit, dass Caritas-Präsident Peter Neher sich am 16. Februar 2006 in einem Artikel der “Tagespost” zwar für Akteneinsicht, Bescheinigungen für die Rentenversicherung und für Gespräche ausgesprochen habe, keinesfalls jedoch für Entschädigungen.
Doch nach einer Dokumentation, die von der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Hannover in Auftrag gegeben worden ist, kommt Schwung in die Sache, dem sich wohl auch die katholische Kirche nicht entziehen kann. Sonst könnte wieder einmal gelten: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Die katholische Seite zieht sich noch darauf zurück, dass es bei Schilderungen negativer Erlebnisse in kirchlichen Heimen um seltene Entgleisungen in den 1950er- und 1960er-Jahren geht, aber in besagter Studie steht es anders. Demnach sind in jener Zeit viele Kinder in kirchlichen Heimen geschlagen, gedemütigt und sogar vergewaltigt worden. Auch Zwangsarbeit habe es gegeben.
Schon haben sich die ersten evangelischen Einrichtungen bei ehemaligen Heimkindern entschuldigt, jetzt sickert auch noch durch, dass der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, der sich lange mit dem Thema beschäftigte, eine Vorlage erarbeitet hat, in der es um die lange verschwiegene Ausbeutung von Heimkindern geht. Jetzt werde nach einem Weg für eine Wiedergutmachung gesucht.
Damit dürfte der katholische Ausweg, der an “Runden Tischen” enden sollte, zu einer Sackgasse werden, aus der diese Kirche aus eigener Kraft nicht mehr herauskommt.
Doch: Vielleicht kann man ihr dabei noch helfen. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt, obwohl es noch gar nicht so lange her ist, dass ein Geschäftsführer einer katholischen Einrichtung allen Ernstes behauptete, ehemalige Heimkinder hätten sich Misshandlungen so lange eingeredet, bis sie selbst daran glaubten.
Rund um dieses Thema: http://kinderinheimen.blogspot.com
Wer halbwegs über die Inquisition informiert ist, den wundert die Haltung der katholischen Kirche sicher nicht. Da sympathisiere ich doch lieber mit der Giordano-Bruno Stiftung.
Bernd Stichler