Vergangene Nacht sind sie zum ersten Mal in einem TV-Duell an der University of Mississippi aufeinandergestoßen. Die US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain lieferten sich einen massiven Schlagabtausch, aus dem – sechs Wochen vor der Wahl – letztlich jedoch keiner als Sieger hervorgehen konnte.
“Der nächste Präsident muss eine breiter aufgestellte strategische Vision haben”
In Anbetracht der Ereignisse der vergangenen Wochen mussten sich beide Politiker auch der US-Finanzkrise annehmen. “Beide Politiker zeigten sich optimistisch, dass der Kongress das Hilfspaket verabschieden werde. Sie blieben jedoch konkrete Antworten schuldig, was die Kosten des Plans für ihren Haushalt bedeuten würden”, fasst Focus Online die Diskussion zusammen. “Vor zehn Tagen, John, haben Sie gesagt, dass die Fundamentaldaten der amerikanischen Wirtschaft vernünftig aussehen. Und ich bin da fundamental anderer Meinung”, läutete Obama provokant ein. Was McCain allerdings nicht nur mit einem Lächeln, sondern auch mit ungebrochenem Optimismus beantwortete. “Wir müssen durch diese harten Zeiten kommen, aber ich habe ein grundsätzliches Vertrauen in die Vereinigten Staaten. Und ich glaube, unter der richtigen Führung liegen die besten Tage noch vor uns.”
Streitpunkte waren jedoch nicht nur der milliardenschwere Rettungsplan für den Finanzsektor, den Noch-Präsident George W. Bush derzeit forciert, sondern auch die Außen und Sicherheitspolitik des Landes. Während Obama versuchte seinen Konkurrenten McCain immer wieder mit Amtsinhaber Bush in Verbindung zu bringen, hielt dieser ihm entgegen, die Staatsausgaben massiv erhöhen zu wollen und darüber hinaus unfähig zu sein, über die eigenen Parteigrenzen hinweg zu arbeiten. Und so herrschte über weite Strecken alles andere als Harmonie. “Der nächste Präsident muss eine breiter aufgestellte strategische Vision haben, die alle unsere Herausforderungen umfasst”, forderte Barack Obama. Woraufhin ihm John McCain Unerfahrenheit, wenn nicht gar Naivität in Konfliktsituationen vorwarf.
Beide Politiker vom alten Schlag
Kollege Wilfried Eckl-Dorna, WirschaftsWoche, resümiert das erste TV-Duell enttäuscht: “Trotz aller Wahlversprechen vom Wandel und von einem Neuanfang in Washington haben sich beide als Politiker vom alten Schlag herausgestellt. Mögen die aktuellen Wirtschaftsprobleme noch so drängen: Beide Kandidaten ratterten ihre Lieblingsthemen herunter. Bei McCain sind dies Ausgabenkürzungen und die Verschwendung von Steuergeldern für sinnlose Lieblingsprojekte von Politikern. (…) Obama wiederum versuchte sich als Bewahrer.” Beide Kandidaten blieben für ihn am Ende “seltsam farblos und blass”. Neues wurde seiner Meinung nach nicht geboten.
Bleibt also abzuwarten, wie sich beide in der nächsten Runde präsentieren. Die Herren treffen am 7. Oktober erneut aufeinander.
Hier die TV-Debatte:
Part I
Part II
Part III
Part IV
Part V
Part VI
Part VII
Part VIII
Part IX
Part X
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