Wenn Topmanager auf “Digital Native” trifft, dann kann das nicht nur spannend, sondern sogar äußerst amüsant werden. Der soeben zu Ende gegangene Livestream von dnadigital.de mit Christian Korff, Mitglied der Geschäftsführung CISCO Deutschland, wurde überaus offen und auf Augenhöhe geführt. Dabei förderte das Gespräch mit Jonathan Imme, Dominik und Simon Wind sowie den zugeschalteten Chat-Teilnnehmern einige interessante Einblicke in die Unternehmenskultur eines weltweit agierenden Konzerns zutage und wagte darüber hinaus sogar einen Blick in die Zukunft.
Der 39-jährige Diplomingenieur der Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Nachrichtentechnik, der seit 2007 in der Position des Technischen Leiters ist, hatte so einiges über die Nutzung von Web 2.0 Tools in seinem Unternehmen, dessen Vision es ist, “die Art und Weise zu verändern, wie Menschen arbeiten, leben, spielen und lernen”, zu berichten. Besonders stolz schien er dabei auf die Einrichtung einer Art internen “YouTubes” zu sein. Jeder Mitarbeiter habe hier sein eigenes Profil und könne frei Inhalte einstellen und verbreiten ohne dass diese einer Zensur zum Opfer fallen würden.
Aufzwingen müsse man solche Angebote nicht, stellt er auf die Frage fest, wie solch neue Kommunikationsmöglichkeiten eingeführt und etabliert werden. “Man kann eine solche Sache nicht hierarchisch einführen”, ist er sich sicher. Denn ein Patentrezept für ein derartiges Vorhaben gebe es sowieso nicht, vielmehr scheint es so zu sein, dass “es lebt”. Die Einführung eines Wikis etwa scheiterte, erzählt er von anderen Versuchen, die weniger erfolgreich waren. “80 Prozent der Projekte werden weniger genutzt”, fasst er das Verhalten der Mitarbeiter gegenüber neuen Technologien zusammen, “die anderen 20 Prozent sind dafür aber super erfolgreich.”
Survival of the Fittest
Rund 65.000 Mitarbeiter, davon allein 20.000 in der Forschung und Entwicklung, beschäftigt der weltweit führende Anbieter von Netzwerk-Lösungen für das Internet. 750 sind es allein in Deutschland. Mindestens 60 bis 70 Prozent davon würden diese Tools in unterschiedlicher Intensität nutzen. Instant Messaging, Telefon- und Webkonferenzen seien an der Tagesordnung und auch oder besser gesagt gerade in der Aus- und Weiterbildung spielen sie mittlerweile eine entscheidende Rolle. “Web 2.0 bedeutet für mich, nicht hierarchisch Inhalte vorzugeben, sondern dass jeder welche dazu gibt”, erklärt er vor allem mit Blick auf das Erfindungsmanagement bei Cisco. Jeder könne dort seine Ideen und Vorschläge eingeben, die dann, ab einer gewissen Popularität, auf die nächste Stufe gestellt werden würden: “Survival of the Fittest” in Sachen Technologie und Kreativität, sozusagen.
Web 2.0 im Unternehmen, für Christian Korff, der seinem Arbeitgeber eine sehr “zielorientierte Kultur” ohne feste Bürozeiten, dafür aber mit zielvariabler Vergütung und Homeoffice zuschreibt, ist klar: “Wir wollen den Mitarbeitern so das Leben leichter machen.” Gemeinsam wird versucht einen Mittelweg zwischen absoluter Freiheit, wie sie so genannte “Fellows” genießen, und einer strengeren Vorgabe, etwa für Call-Center-Mitarbeiter, zu schaffen. Die Hemmschwellen werden dabei bewusst niedrig gehalten. “Jeder kann jeden ansprechen”, erklärt er die Kommunikation innerhalb der Firma. “Die USA ist nur eine Email entfernt.” Und das, dank moderner Geräte wie etwa Smartphones oder entsprechenden PCs mit Wireless LAN von fast jedem Punkt auf der Welt. Auch könne jeder auf diese Weise sein eigenes Wissensmanagement zusammenbauen und die Infoströme auf seine speziellen Bedürfnisse hin filtern. Doch genau hier lägen auch die Probleme, gibt er zu. “Für uns ist es eine große Herausforderung die große Anzahl an Inhalten zu bewältigen.” Ideal wäre es, wenn die richtige Information zur richtigen Zeit den richtigen erreichen würde.
“Man muss den Dialog mit Menschen mögen. Die Technik kann das nicht ersetzen.”
Und genau darauf arbeite man auch hin. Durch einen Anstoß aus dem Chat, der immer wieder Zweifel an der Umsetzung solch “nicht-hierarchischer Lösungen” hegt, wagt Korff einen Blick in das Jahr 2015. Wie wird die Kommunikation dann vonstatten gehen? Welche Ziele hat man sich gesetzt? Unter dem Stichwort “Human Network” sprudelt es nun nur so aus ihm heraus und man spürt, dass er schon jetzt am liebsten in dieser nicht mehr allzu fernen Zukunft leben wollen würde. Die Vernetzung menschlicher Intelligenz solle weiter vorangetrieben werden, auch die tägliche Arbeit dadurch angenehmer und effektiver laufen. Er träumt von virtuellen Präsentationen, die er ganz ohne zu reisen abhalten kann und die dann auf vielen Endgeräten zu empfangen sein werden. “Virtualisierung der Mitarbeiterschaft”, nennt er seine Vision, die in seinen Augen schon jetzt erfolgreich angelaufen ist.
Die Angestellten pflegen ihre Profile, sie sind kreativ und haben sogar Spaß daran, fasst er die Annahme solcher Tools zusammen. Eines dürfe jedoch bei allem Enthusiasmus für solche Angelegenheiten nicht außer Acht gelassen werden: “Man muss den Dialog mit Menschen mögen. Die Technik kann das nicht ersetzen”, mahnt der IT-Experte. In seinen virtuellen Konferenzraum gehe er jedenfalls gerne. Er spreche heute sogar häufiger und intensiver mit seinen Mitarbeitern als zuvor. “Kommunikation mit der ganzen Welt als wäre sie bei mir im Wohnzimmer”, lautet deshalb auch sein großes Ziel mit Blick auf die nächsten Jahre. Er persönlich habe viel Lust darauf Neues auszuprobieren und auch einmal los zu lassen von alten Vorstellungen der “Email-Generation”. Doch funktioniert das wirklich so einfach?
Jasmin, eine Chatteilnehmerin schreibt kurze Zeit nach dem Livestream jedenfalls ins Forum: “‘Momo’ musste Rückwärts-gehen, um schneller voranzukommen: Wie schafft man es, tatsächlich “loszulassen” und sich und seinen Kollegen und Mitarbeitern zu vertrauen, ohne sich an bisherige “Erfahrungen” (engmaschige Zielsetzungen oder Hierarchien) zu klammern?” Das herauszufinden, sei in der Tat noch ein weiter Weg. Korff beschreibt die Bemühungen in diese Richtung als eine Art Reise und Angst vor neuen Technologien habe er jedenfalls nicht. “Web 2.0 ist eine Chance, Menschen und Systeme produktiver zu machen”, schließt er die Diskussionsrunde. “Wir müssen den Menschenverstand nutzen, um etwas besser zu machen.” Das würde auch vermeintliche Risikien minimieren.
Photo Quelle/Copyright: Konstantin Gastmann, via pixelio.de
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