Vor genau 30 Jahren ist Johannes Paul I., geboren 1912 als Albino Luciani in Norditalien, gestorben. Das Jahr 1978 ging damit als das Dreipäpstejahr in die Geschichte ein. Über seine Todesursache herrscht bis zum heutigen Tage keine absolute Klarheit – die möglichen Ursachen reichen vom Herzinfarkt bis hin zum Mord.
Warum Lucianis Pontifikat trotz seiner nur 33 Tage dauernden Amtszeit eine fundamentale Zäsur des Papsttums bedeutete.
Geboren in der norditalienischen Provinz von Belluno als Sohn eines sozialistischen Tagelöhners, begann Luciani bereits im Alter von elf Jahren seine theologische Ausbildung im Knabenseminar von Feltre. Und er sollte in den nächsten Jahren eine geradlinige und beachtliche Kirchenlaufbahn hinlegen: Vom Aushilfspriester über die Leitung des Priesterseminars, theologische Promotion an der päpstlichen Universität Gregoriana bis hin zur Bischofsweihe und der Position des Patriarchen von Venedig.
Jedoch sah sich Luciani selbst immer am liebsten in der Rolle des Seelsorgers. Dies hat er immer wieder betont und für die Gesamtkirche gefordert: Seelsorge solle betreiben werden. Sie solle sich von unnötigem Prunk trennen und zu ihrer Armut zurückfinden, da der größte Schatz für sie selbst die Armen seien.
Theologisch vertrat er weitestgehend die päpstliche Enzyklika “Humanae Vitae” Papst Pauls VI., die sich mit den Fragen außerehelicher Liebe, der Institution Ehe als solche sowie mit Empfängnisverhütung auseinandersetzte. Die Grundlage dieser Enzyklika wurde auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil gelegt, wo neben bekannten Teilnehmern wie den späteren Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. und dem Theologieprofessor Hans Küng auch der gerade frisch ins Amt gekommene Bischof von Vittorio Veneto, Albino Luciani zugegen war.
Aus dem Namen des neuen Papstes – Johannes Paul I. – ergaben sich sodann wildeste Spekulationen um die inhaltlich-traditionelle Ausrichtung des neuen Pontifikats. Worauf er dies mit folgendem Satz relativierte: “Johannes XXIII. hat mich zum Bischof, Paul VI. mich zum Kardinal gemacht.” Als absolutes Novum galt die Wahl eines Doppelnamens und die Durchnummerierung vom ersten Namensträger an ohnehin. Für die Kurie sehr provozierend galt zudem sein Ausspruch, dass Gott sowohl “Vater, aber mehr noch Mutter” sei, was sich nach einem Verweis auf ein Zitat des Alten Testaments in einer erleichterten Kurie auflöste. Ebenfalls soll er sich vehement gegen die “Krönungsmesse” des Papstes eingesetzt haben, da er sich selbst, wie bereits erwähnt, nicht als Monarchen sondern als Seelsorger verstand.
Auch gegen die mediale Inszenierung der Papsttums bezog er Stellung: “Die Figur des Papstes ist zu sehr gepriesen. Man riskiert, in eine Art des Personenkultes zu verfallen, was ich absolut nicht möchte.” 30 Jahre nach diesen Worten haben wir nun mit Johannes Paul II. einen wirklichen Medienprofi erlebt und auch Joseph Ratzinger weiß, mediale Mittel und auch Massenveranstaltungen wie den Weltjugendtag publicityträchtig einzusetzen.
Als offizielle Todesursache gilt Herzinfarkt.
Was aufgrund des Alters von 65 immerhin als möglich gelten kann, jedoch spricht David Yallop in seinem Buch “Im Namen Gottes” von Mord. Als mögliche Motive nennt Yallop die Angst bestimmter vatikanischer Kreise und mafianaher Personen, die vor einer personellen Umbesetzung vatikanischer Spitzenämtern in Kurie und Vatikanbank und damit den möglichen Schutz vor Strafverfolgung durch italienische und amerikanische Behörden fürchteten. Als mutmaßliche Täter kamen für ihn mit Michele Sindona ein verurteilter Verbrecher in Frage, der 1974 für den Zusammenbruch der damals zwanziggrößten Bank der USA, Franklin National Bank, verantwortlich war. Er war über seine Bekanntschaft zu Papst Paul VI. ebenso wie Roberto Calvi – genannt Bankier Gottes – mit der Vatikanbank verbändelt. Calvi wurde 1982 auf der Flucht aus Italien ermordet, nachdem die Banco Ambrosiano, deren Präsident er war, in den Konkurs gehen musste. Beide waren – ebenso wie der aktuelle italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi – Mitglieder der Geheimloge P2, der mafiöse Strukturen sowie mutmaßliche Täterschaft bei verschiedenen Terroranschlägen und Morden nachgesagt wurden und werden.
Für Papa Luciani, wie er noch heute liebevoll genannt wird, läuft seit 2007 der römische Teil des Seligsprechungsverfahrens.
“Il sorriso di dio”, der “lächelnde Papst” oder “das Lächeln Gottes” war, glaubt man der Überlieferung aus dem Konklave 1978, der Kandidat Gottes…
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.