Wie zu erwarten war, haben die Energieversorger sich ob der großen Nachfrage auf dem Weltmarkt gezwungen gesehen, die Gaspreise ab 1. Oktober 2008 zu erhöhen (vermutlich, damit nur noch das Gas verbraucht wird, das auch wirklich benötigt wird, verdammt noch mal!). Somit scheidet – mit Rücksicht auf die Sippenhaftung – die uralte Methode des “Kopf in den Herd”- Legens als Weg zum Bilanzsuizid aus (Anm. d. Red: gilt aufgrund steigender Strompreise auch für Elektroherde). Jedoch sollte dieser interessante Ausweg aus der Energiekrise insgesamt nicht vorschnell ad acta gelegt werden.
Im Winter dreifach Pullover, Fernreisen als Lebens-(Spar-)Ziel, Tschüss Auto & Bahn
Es wird nunmehr nämlich eine Zeit kommen, in der alles voller UwÄ (Anm. d. Red. “Unzumutbare wirkliche Ärgernisse”) sein wird. Da fossile Brennstoffe nun nämlich plötzlich und gänzlich unerwartet knapp werden (und in der Kürze der Zeit auch durch unsere hochentwickelte Kultur keine Alternativen erschlossen werden konnte), wird nämlich demnächst (eigentlich schon ab vor-vorletztes Jahr) alles teuer. Bedeutet: Die Urlaubs-Fernreisen, die wir früher Last-Minute mehrmals pro Jahr gemacht haben, werden künftig etwas sein, worauf man sein Leben lang anspart. Die Heizung ist insbesondere für Hartz-4-Bezieher fortan ein Tischdeckenhalter, warm schlafen werden wir statt sie anzustellen mit drei Pullovern (aber keine Angst, gewissen Leuten hat das schließlich auch nicht geschadet). Schließlich werden dafür die Wohnungen ja auch kleiner, weil sie ansonsten gar nicht mehr bezahlbar sind. Das Autofahren wird bereits jetzt langsam eingestellt denn die einstigen Vorzeigemodelle der legendären deutschen Mobilindustrie werden zu unverkäuflichen Benzingeldgräbern.
Kerzenromantik und blöde Brettspiele
Also behaglich zu Hause bleiben, es gibt ja noch das Internet? Nix da, eine einzige Google-Abfrage verbraucht so viel Energie, als wenn eine Elf-Watt-Energiesparlampe eine Stunde lang leuchtet. Und ein Second-Live-Avatar verbraucht in einem Jahr sogar mehr Energie als ein durchschnittlicher echter Brasilianer in demselben Zeitraum. Energie-krise-technisch betrachtet bedeutet das schlichtweg, dass wir als arme Normalverdiener mittelfristig alle mächtig offline sein werden – weil unsere Kohle hauptsächlich für Zugfahrten und kühlschrankgekühltes Bier draufgeht (aber vielleicht kehren wir ja aber auch bloß zu einer eher textbasierten da energieeffizienten Version des WWW zurück, Stand etwa 1995). Ebenso wie wahrscheinlich zu abendlicher Kerzenromantik und – oh Horror – zu blöden Brettspielen, mit denen wir wohl einen Gutteil des Restes unserer energielosen Abende zubringen werden.
Bilanzsuizid, der –
Bilanzsuizid bezeichnet einen auf rationalen Überlegungen basierten Selbstmord, der ungetrübt durch irgendeine psychische Erkrankung als logische Folgerung aus einer nicht gerade annehmlichen Situation zustande kommt. Schon aus ethischen Gründen empfiehlt sich ja schließlich die Überlegung, als Energieverbraucher einfach etwas verfrüht auszusteigen (Rente ist heute eh ja auch nicht mehr so dolle). Zu beachten wäre hierbei allerdings, dass eine energieeffiziente Methode verwendet wird. Verzichten Sie deshalb unbedingt auf alle stromverbrauchenden Maßnahmen und schalten Sie vorher alle technischen Geräte ab. Zudem lohnt es sich, die CO2-Bilanz von Hanfseilen gegenüber der von Synthetikstricken zu vergleichen. So viel Zeit muss sein.
Bildquelle: pixelio.de (Gerd Altmann)
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