Neuer EU Report sieht drastische Klimafolgen für Europa – Was ist dran?

In den letzten Wochen und Monaten musste der interessierte Zeitungsleser ein wahres Wechselbad der Gefühle auf sich nehmen. Zunächst wurde von Seiten der etablierten Klimawissenschaft behauptet, dass uns eine Abkühlung bevorstehe (hier und hier). Dies wurde von anderer Seite stark angezweifelt und in einem Fall wurde sogar eine Wette unter

bruesn.jpgIn den letzten Wochen und Monaten musste der interessierte Zeitungsleser ein wahres Wechselbad der Gefühle auf sich nehmen. Zunächst wurde von Seiten der etablierten Klimawissenschaft behauptet, dass uns eine Abkühlung bevorstehe (hier und hier). Dies wurde von anderer Seite stark angezweifelt und in einem Fall wurde sogar eine Wette unter Wissenschaftlern (!) angeboten, um diesen Disput zu klären (?). Zuletzt wurde der aufmerksame Leser mal wechselweise mit dem Kommen einer neuen (kleinen) Eiszeit oder mit einer beschleunigten Erwärmung verunsichert.

Die in dieser Reihe jüngste Publikation stammt von der Europäischen Umweltagentur (European Environment Agency, EEA). Diese veröffentlichte einen Bericht mit dem Titel “Impacts of Europe´s changing Climate” (Die Auswirkungen des Klimawandels auf Europa). In diesem Report werden die Folgen einer (möglichen) Erwärmung für Europa in besonders drastischen Bildern nachgezeichnet. So wundert es dann nicht, dass auch in der Presse ausgiebig darüber berichtet wurde (wie hier und hier).

Die EEA setzt nach eigenen Angaben ihre Bemühungen daran “durch die rechtzeitige Bereitstellung von sachdienlichen und zuverlässigen themenspezifischen Informationen für Entscheidungsträger und für die Öffentlichkeit eine nachhaltige Entwicklung zu fördern und zu einer deutlichen, messbaren Verbesserung der Umwelt Europas beizutragen.” Es geht also vor allem um gesellschaftliche und politische Einflussnahme.

Daher erscheint es angebracht, den Wahrheitsgehalt des Reports einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Hauptaussagen der Studie sind die Folgenden:

TEMPERATUR: Die Temperatur in Europa ist seit der Industrialisierung im Durchschnitt um 1,0 Grad Celsius gestiegen, weltweit dagegen nur um 0,8 Grad. Auch für die Zukunft sagt der Report für Europa einen Anstieg von 1 bis 5,5 Grad voraus, der höher ist als der weltweite Schnitt.
Dass die Temperatur in Europa stärker gestiegen ist, als im weltweiten Durchschnitt mag dramatisch klingen, hat aber so überhaupt keine Aussagekraft. Unbestrittene Tatsache ist, dass es seit 1850 global wärmer geworden ist. Das sollte zunächst niemanden wundern, nennt man die Periode von 1350 bis 1850 doch zu Recht die “Kleine Eiszeit”. Und im Zuge der “Erholung” aus eben dieser Periode erwärmt sich die Erde wieder. Dabei kann man beobachten, dass die Erwärmung an den Polen stärker ausfällt, als am Äquator und auf der Nordhalbkugel der Erde stärker als auf der Südhalbkugel. Das hätten die Autoren ebenfalls so schreiben können. Was die Initiatoren der Studie mit der Aussage allerdings implizieren möchten ist das Folgende: “Wenn es für die Erde schon schlimm kommt, in Europa wird alles noch schlimmer”. Folglich soll dann auch die postulierte globale Erwärmung in Europa stärker ausfallen, als global. Und das natürlich mit schlimmen Folgen, wie die Studie im Weiteren ausführt.

GESUNDHEIT: Der Klimawandel hat große Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Allein der Hitzesommer 2003 führte in zwölf europäischen Ländern zu insgesamt 70000 Todesfällen. Solche Hitzewellen wird es dem Report zufolge künftig häufiger geben – die Zahl der Opfer wird entsprechend steigen. Auf der anderen Seite gibt es Hinweise darauf, dass im Winter immer weniger Menschen sterben. Aber das könnte auch andere Gründe als das Klima haben, etwa eine bessere Vorbeugung gegen Krankheiten. Insgesamt muss sich nach Ansicht der Experten das Gesundheitssystem an die Hitzewellen anpassen und vor allem für ältere Menschen sorgen.

Die Zahlen von vermehrten Todesfällen, vor allem im Sommer 2003 werden gerne bemüht, um auf die Gefahren einer Erwärmung hinzuweisen. Unterschlagen wird dabei gerne, dass durch mildere Winter im Gegenzug weit weniger Menschen sterben, als in einer Kälteperiode. In Summe führt eine Erwärmung also zu weniger Toten. Die hier vorliegende Studie erwähnt nur lapidar “das könnte auch andere Gründe als das Klima haben”.

Wenn man obiger Argumentation folgt, müssten vor allem in südlichen Ländern die Menschen vermehrt an der Hitze sterben und folglich weniger alt werden als in nördlichen Ländern. Ein solcher Trend ist allerdings in Europa und auch in den USA nicht zu beobachten.  Auch der gesunde Menschenverstand fragt sich in Anbetracht solcher Zahlen zu Recht, warum wohl gerade ältere Menschen ihren Wohnsitz so gerne in südliche (klimatisch angenehmere) Gefilde verlegen.

FLUTKATASTROPHEN: Die Zahl der Überflutungen ist stark gestiegen. Seit 1990 zählt der Report 259 große Fluss-Überschwemmungen, davon allein 165 seit dem Jahr 2000. In den nächsten Jahrzehnten soll sich dieser Trend fortsetzen.

Diese Aussage ist nachweislich falsch. Wie verschiedene Studien von historischen Hochwasserereignissen in Europa zeigen, kam es besonders während der Kaltphasen zu vermehrtem Hochwasser. So kommen auch die Autoren der Studie “Zur Temperatur- und Hochwasserentwicklung der letzten 1000 Jahre in Deutschland” zu dem Schluss:

Ein Blick auf die langen Reihen offenbart die hohe Variabilität des mitteleuropäischen Klima- und Hochwassergeschehens. Während einzelne Temperatur- und Niederschlagstrends des vergangenen Jahrhunderts auch im historischen Vergleich bemerkenswert erscheinen, waren andererseits unsere Vorfahren in den in dieser Studie diskutierten Flussgebieten offenbar zeitweise einem höheren Hochwasserrisiko ausgesetzt. Unter diesem Eindruck erscheint so manches Bild von ‘niedagewesenen Klimakapriolen’ oder den ‘hausgemachten Hochwässern’ in einem anderen Licht.“

Im Weiteren beschäftigt sich die EEA Studie mit weiteren Auswirkungen eines wärmeren Klimas auf die Umwelt.

NATUR: Einige Fischarten sind in den vergangenen 40 Jahren um etwa 1000 Kilometer nordwärts gezogen. Von den 120 europäischen Säugetierarten sind in diesem Jahrhundert bis zu neun Prozent bedroht – wenn sie nicht auswandern. Pflanzen steigen aufgrund des Klimawandels in immer höhere Bergregionen. Zum Ende des Jahrhunderts könnten daher bis zu 60 Prozent der Pflanzen in den Bergen vom Aussterben bedroht sein.

Die Grundaussage hier lautet schlicht: Wärmere Temperaturen verändern Flora und Fauna. Was dabei stillschweigend angenommen wird ist, dass Veränderung an sich schon ein Übel darstellt. Arten, die in kältere Regionen auswandern gelten als “Ausgestorben”, solche die aufgrund von veränderten Rahmenbedingungen neu erscheinen gelten als “Invasiv”. Unterschlagen wird dabei gerne, dass die Veränderung des Artenspektrums in Europa wohl hauptsächlich durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung verursacht wird. Großflächige Monokulturen und der übereifrige Einsatz von Dünger verändern die Lebensbedingungen nun einmal weit stärker, als einige zehntel Grad Erwärmung (hier und hier).

GLETSCHER UND SCHNEE: “Die europäischen Gletscher schmelzen rasch“, schreiben die Experten. Die Alpengletscher haben seit 1850 bereits zwei Drittel ihres Volumens verloren. Besonders schnell ist die Abnahme seit 1980. Die Schneedecke hat in den vergangenen 40 Jahren bereits um 1,3 Prozent pro Jahrzehnt abgenommen.

Über kaum ein “Klimathema” wird ähnlich emotional diskutiert, wie über das Abschmelzen der Gletscher. Tatsache ist, dass die Alpengletscher seit 1850 stark geschrumpft sind und weiter schrumpfen. Richtigerweise müsste man aber sagen, dass das keinesfalls für alle Gletscher dieser Welt zutrifft. So wachsen etwa zur Zeit die Gletscher in Alaska, Kalifornien, in der Antarktis, in Norwegen oder in Neuseeland. So wundert es denn nicht, dass so mancher Schreiber im Internet zu der Aussage kommt: “Gletscherschwund oder Gletscherwachstum – Eine Frage der Betrachtungsweise.”

Nachweislich falsch hingegen ist die Aussage, dass die Abnahme besonders schnell seit 1980 vonstatten ginge. Folgende Grafik ist aus der Arbeit “Ice ablation as evidence of climate change in the Alps over the 20th Century” entnommen. Hier kann man erkennen, dass etwa 2/3 des Massenverlustes schon vor 1950 stattgefunden hat. Auch die postulierte Beschleunigung des Massenverlustes sucht man vergebens.
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LANDWIRTSCHAFT: Die Agrarsaison ist in Nordeuropa länger, in einigen südlichen Regionen dagegen kürzer geworden. Zugleich befürchten die Experten mehr Unwetter und damit auch mehr Schäden. Viele Pflanzen blühen und reifen laut Report zwei bis drei Wochen früher, was das Risiko von Frostschäden erhöht.

Hier handelt es sich um ein klassisches Beispiel von “Obwohl es auf den ersten Blick nach einer Verbesserung aussieht, muss die Sache doch irgendwo einen Haken haben.” Fragte man hingegen einen Landwirt, ob er sich eine kürzere Agrarsaison wünschen würde, um so Frostschäden vorzubeugen, würde dieser einen sicher nur ungläubig anblicken.

Ein deutlich positiver Aspekt gerade von höheren CO2-Gehalten in der Atmosphäre hingegen wird meist gerne unterschlagen. CO2 ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Höhere Gehalte führen somit zu verbessertem Pflanzenwachstum und zu höheren Erträgen. Auch die Resistenz der Pflanzen gegen Trockenheit wird deutlich verbessert.

WÄLDER: Die Wälder wachsen schneller als vor 100 Jahren, weil sie mehr Stickstoff sowie Kohlendioxid erhalten und die Temperatur höher ist. Der Klimawandel wird, so der Bericht, einige Arten bevorzugen und andere benachteiligen. Insgesamt werden sich durch die höheren Temperaturen aber mehr Baumschädlinge verbreiten, zudem steigt das Risiko von Waldbränden, wie die Experten schreiben.

Die Wälder wachsen schneller besser und größer. Dem müsste man eigentlich nichts mehr hinzufügen, wenn es die Autoren der Studie nicht irgendwie geschafft hätten, auch hier noch die negativen Aspekte über zu betonen. Denn eigentlich weiß doch jeder, dass eine jede Veränderung in der Regel sowohl Gutes, aber auch Schlechtes bringt. Und in der aktuellen Klimadebatte neigen wir eben gerne dazu, negative Aspekte in den Vordergrund zu rücken.

So auch bei wirtschaftlichen Aspekten. Der Wohlstand in Europa ist in den letzten 30 Jahren kontinuierlich angestiegen. Demzufolge steigt auch die Höhe der Versicherungsschäden z.B. bei Unwettern.

WIRTSCHAFT: Etwa 90 Prozent der Naturkatastrophen in Europa seit 1980 sind direkt oder indirekt auf Wetter und Klima zurückzuführen – keinesfalls alle jedoch auf den Klimawandel. Die wirtschaftlichen Schäden durch solche Katastrophen sind nach Angaben der Forscher von 7,2 Milliarden Euro im Durchschnitt der Jahre 1980 bis 1989 auf jährlich 13,7 Milliarden Euro von 1998 bis 2007 gestiegen.

Europa ist kein klassisches Gebiet für Erdbeben und Vulkanausbrüche. Nicht mehr und nicht weniger sagt die Studie damit aus. Damit geht zwangsläufig auch ein Großteil der Naturkatastrophen auf das Konto des Wetters. Das war im Mittelalter nicht anders als heute. Und die so gern bemühten Schadenssummen der Versicherungen sagen hauptsächlich aus, dass der Wohlstand zugenommen hat, und damit auch die versicherten Werte gestiegen sind. Interessant ist außerdem, dass die imensen Kosten der CO2-Reduktionsmaßnahmen bei der wirtschaftlichen Betrachtung keine Erwähnung finden.

Negative Auswirkungen beherrschen die Diskussion

Auch in dieser neuen Studie wurde nach Kräften dramatisiert. Negative Aspekte einer Klimaveränderung wurden überbetont und positive Auswirkungen wurden klein geredet oder unterschlagen. Insgesamt wird man beim Lesen des Reports immer wieder an die Worte des Physikers und Klimaforschers Stephen Schneider erinnert:

“Um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen, müssen wir ein paar Schauerszenarien auftischen, vereinfachende dramatische Erklärungen abgeben und eigene Zweifel, die man hat, möglichst verschweigen. Jeder von uns muss selbst entscheiden, das richtige Gleichgewicht zwischen Wirksamkeit und Ehrlichkeit zu finden.”

Und auch nicht vergessen werden darf, dass es sich bei den “Klimavorhersagen” nur um Projektionen handelt, die eventuell genauso eintreten könnten, oder eben auch nicht. Momentan jedenfalls sieht es ganz so aus, als wenn das Klima sich weigern würde, den Modellen entsprechend wärmer zu werden. Die folgende Abbildung zeigt, dass die Globaltemperatur in den letzten Jahren fällt – und das trotz der Rekordwerte bei den CO2-Emissionen. Es sieht demnach eher so aus, dass unser Klima nicht vor allem vom CO2 bestimmt wird.

CRUT3.jpgEin nüchternes Betrachten der Datenlage verhilft einem vermehrt zu der Einsicht, dass Katastrophenszenarien bezüglich der Zukunft unseres Planeten unangebracht sind. Auch aufgrund der riesigen gesellschaftlichen Kosten, die mit dem Glauben daran verbunden sind dass CO2 als DER Klimaveränderer angesehen wird, erscheint es daher ebenfalls angebracht zu fragen, wie zuverlässig die Voraussagen auf ein Klima in 100 Jahren wirklich sind. Vor allem vor dem Hintergrund, dass man kaum in der Lage ist, das Wetter in drei Tage präzise vorauszusagen.

Kommentare

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  1. @ Rudolf Kipp

    Auf die Schnelle – Vielen Dank für den interessanten Artikel, der hoffentlich zu einer regen Diskussion führen wird.
    Ich will mir aber zunächst die vielen interessanten Lnks ansehen, die angegeben sind.

    Wie war das doch? – Herrschaft braucht Angst?