“Das Internet ist eine mediale und prozessuale Revolution”, ist sich Helmut Hoffer von Ankershoffen, Mitgründer der Berliner Softwarefirma Neofonie, ziemlich sicher. Im Kurzinterview erklärt er, was das Internet für ihn bedeutet.
RE: Sie haben bereits sehr früh – 1996 – mit dem Internet gearbeitet, als dieses noch in den Kinderschuhen steckte, und dafür Websiten (fireball) programmiert. Eine Dekade später reden wir von dem tollen, neuen Internet – aber ist das alles wirklich so ein großer Umbruch oder nur ein weiteres Medium bzw. eine neue Infrastruktur?
Hoffer von Ankershoffen: Mit dem Internet produktiv gearbeitet habe ich seit 1992, als ich an der Technischen Universität Berlin begonnen habe, Informatik und Mathematik zu studieren. Gleich im ersten Semester entwickelte ich Software, die dann an einer Universität in den USA eingesetzt wurde – diese Form der grenzenlosen Zusammenarbeit faszinierte mich ungemein. Das World Wide Web als graphische Schnittstelle des Internet war damals gerade in Entstehung begriffen.
Das Internet ist nicht nur ein weiteres Medium oder eine neue technische Infrastruktur, sondern eine mediale und prozessuale Revolution. Kein anderes Medium (Fernsehen, Radio, Print etc.) vor dem Internet hatte die Eigenschaften:
- SEARCH: Suche im gesamten Informationsbestand – versuchen Sie mal in der Tagesschau zu suchen.
- READ & WRITE: Das auf den Kopf Stellen der Produzenten/Leser-Beziehung sowie deren Interaktion – versuchen Sie mal mit dem Tagesschau-Reporter zu interagieren oder ein Video in die Tagesschau upzuloaden.
- CONNECT, COMMUNICATE, COLLABORATE: Kommunikation zwischen und Zusammenarbeit der Leser, also der Aufbau von Communities – versuchen Sie mal mit anderen Tagesschau-Zuschauern zu interagieren.
Die ersten Jahre beschäftigten wir uns in der neofonie primär mit dem Aspekt SEARCH (Portale, Content Management Systeme, Suchmaschinen), danach zusätzlich mit READ & WRITE (Kleinanzeigen-Systeme, Bewertungs-Portale) und ca. 3 Jahren mit den Aspekten CONNECT, COMMUNICATE & COLLABORATE (Communities) und seit Mitte letzten Jahres mit der Konvergenz dieser Aspekte – das Referenzprodukt in diesem Bereich wird WeFind sein, eine neue Art der Suchmaschine, die schrittweise im vierten Quartal 2008 launched.
RE: Sie entwickeln hauptsächlich Suchmaschinen für die Wirtschaft. Letztere war bekanntermaßen schon immer ein Motor der Entwicklung. Sehen Sie jedoch darüber hinaus Ansätze, wie diese Energie stärker zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden könnte, um vorherrschende globale Probleme zu bewältigen? Wozu ist das Internet fähig?
Hoffer von Ankershoffen: Wir beschäftigen uns aktuell aktiv mit den Themen Social Responsibility und Social Businesses aufbauend auf unseren Erfahrungen im Bereich Suche und Community. Ziel ist den Markt für Hilfe zu vergrößern sowie Transparenz und Effizienz zu schaffen.
Das Projekt ist leider noch geheim, mehr dazu kann ich leider nicht sagen. Investoren die bereit sind im Bereich Social Business zu investieren sind jedoch herzlich eingeladen mit uns Kontakt aufzunehmen.
RE: Außer Suchmaschinen unterstützen Sie noch andere Forschungsgebiete. Welche sind das und mit welchem nennbaren langfristigen Ziel?
Hoffer von Ankershoffen: Wir beschäftigen uns in unserer aktuell 26 köpfigen Forschungsabteilung insbesondere mit den Themen Semantische Suche, Textmining, Hypermining, Web 2.0 Marktanalyse, skalierbaren und dynamischen ad-hoc Communities sowie mobilen Technologien.
Die Vision ist die Konvergenz der drei genannten Aspekte des Internet technisch optimal zu unterstützen, um eine neue Form von Anwendungen zu schaffen die den Menschen jederzeit und überall bei der Bewältigung seiner täglichen Aufgaben optimal durch IT unterstützen.
RE: ‚Ich bin online, also bin ich’ – Sieht so der zukünftige Leitspruch aus, bestimmt das Internet unsere Identität? Wie verändern wir uns durch die Informations- und Kommunikationstechnologien?
Hoffer von Ankershoffen: … komplett. Beispielsweise hat man ja heute online nicht nur eine sondern mehrere Identitäten, es müsste also eher heissen: “Ich bin online, mehrfach, finde mich!”.
Informations- und Kommunikationstechnologien insbesondere im mobilen Bereich werden unser Leben stark verändern. Um dem Rechnung zu tragen, haben wir Anfang 2008 die neofonie mobile GmbH gegründet. Wir entwickeln mobile Anwendungen, welche die Kluft zwischen dem Internet am PC und dem Leben abseits des Schreibtischs überwinden. Das Internet mit all seinen Services wird den Menschen jederzeit unterstützen, der Mensch (auf Wunsch) für das Internet erreichbar sein.
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Dieser Beitrag ist Teil der Serie ZUKUNFT INTERNET – Was die Menschen bewegt der Schwerpunkt-Themenreihe “Das gefährliche Internet?” auf Readers Edition.
Interview: Felix Kubach & Nicole Oppelt
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