ZUKUNFT INTERNET (I): Neofonie, das Unternehmen

“Versuchen Sie mal mit dem Tagesschau-Reporter zu interagieren oder ein Video in die Tagesschau upzuloaden.” scherzte Helmut Hoffer von Ankershofen im Kurzinterview mit der Readers Edition. Früh hat sich der Unternehmer mit dem Internet beschäftigt. Mit der Neofonie GmbH mit Sitz in Berlin hat er sich seit nunmehr zehn Jahren

neofo.jpg“Versuchen Sie mal mit dem Tagesschau-Reporter zu interagieren oder ein Video in die Tagesschau upzuloaden.” scherzte Helmut Hoffer von Ankershofen im Kurzinterview mit der Readers Edition. Früh hat sich der Unternehmer mit dem Internet beschäftigt. Mit der Neofonie GmbH mit Sitz in Berlin hat er sich seit nunmehr zehn Jahren völlig auf die Bereiche Technologieentwicklung und Informationsmanagement spezialisiert. Nachfolgend nun ein kleiner Einblick in das Schaffen…

Die Vorgeschichte des Unternehmens

1992-1997 studieren Helmut Hoffer von Ankershoffen und Nurhan Yildirim, beide im Jahr 1973 geboren an der TU Berlin. Zusammen mit  Oli Kai Paulus arbeiten beide 1996 als wissenschaftliche Mitarbeiter im Institut für Kommunikations- und Softwaretechnik an der Gestaltung der Volltextsuchmaschine “Fireball”. Sie haben keinerlei Rechte an dieser Suchmaschine, denn diese liegen zu hundert Prozent beim Auftraggeber Gruner und Jahr. 1997 wird die Seite gelauncht und wird zu der meist besuchtesten Webseite in Deutschland. 1998 gründen die drei jungen Entwickler darauf hin ihre eigene Firma, zunächst unter dem Namen “infonie”. Die ersten Aufträge lassen nicht lange auf sich warten. Der erste große Kunde ist AOL Deutschland. Bis heute zählt das Unternehmen bis zu 140 Mitarbeiter.

Geschäftidee und Profil der Firma Neofonie

Für das Internet gibt es für das zeitraubende Suchen technische Lösungen: Die Berliner Softwarefirma Neofonie bietet so genannte “Suchmaschinen” an, die dem Internetnutzer den Zugang zu Informationen erleichtern sollen. Zu ihren Kunden gehören inzwischen AOL, web.de, BMW Group, Deutsche Bundesbank, deren Webportale Neofonie langfristig betreut. Für Kunden wie AOL erstellt Neofonie nicht nur die Suchmaschinen, sondern häufig die gesamte Softwaretechnik, die hinter den Internetseiten liegt. Suchmaschinen sind zwar nach wie vor das Spezialgebiet der Firma, allerdings investiert das Unternehmen inzwischen 30 Prozent ihres Umsatzes in die Forschung, auch für andere Web-Technologien.

Der Weg ins Internet-Business

Rückblickend war die Entwicklung der Suchmaschine Fireball die größte Überwindung und Herausforderung und der erste Schritt auf dem Weg zur Firmengründung. 1996 steckte die Entwicklung des Internets noch in den Kinderschuhen. Doch noch immer basiert ihre Geschäftidee auf der Suchmaschine für das Internet, allerdings haben die Entwickler ihr Angebot und Service weiter ausgebaut.

“Fireball zu bauen, davor hatten wir Respekt, wir wussten, dass es etwas großes ist. Wir haben schon damals Fireball als Kundenprojekt gesehen, als eine Dienstleistung. Wir haben uns an technische Dinge im Internet vorgewagt, woran sich bis dahin noch keiner rantraute”, erzählt Helmut Hoffer von Ankershoffen. Und sein Partner Yildirim ergänzt:  “Wir haben null verdient, wir waren ja noch an der Uni angestellt. Es war ja erstmal toll, dass man an einem solchen Projekt mitarbeiten durfte. Business war für uns so etwas wie böhmische Dörfer. Dass man uns finanziell beteiligt, auf die Idee bin ich gar nicht gekommen. Erst, als wir drauf angesprochen wurden, haben wir es in Betracht gezogen, mit unserem Know-How eine Firma zu gründen.”

Die Überwindung tatsächlich eine Firma zu gründen war gering. Zu dieser Zeit versuchen viele, mit dem Internet Geld zu verdienen. Für die Geschäftsführer ist die Gründung der Firma das konsequente Weiterführen von dem, was sie von der Pieke auf gelernt haben. Und das Wissen, dass ihre Grundidee einer Suchmaschine im Internet etwas Großes und Bedeutsames werden könnte.

Erfolgsrezept

Das Eigenkapital für die Firma leihen sich die jungen Entwickler von Freunden und Verwandten zusammen. Das Geld können sie ziemlich schnell nach den ersten Aufträgen zurückzahlen.

Hoffer von Ankershoffen erinnert sich: “Der Weg, den wir gegangen sind, war der richtige. Wir haben das Platzen des Internets mit einer Delle überstanden, weil wir keine übersteigerten Erwartungen hatten.” Und auch seine Partnerin betont: “Wir sind konservativ und bescheiden, wir sind vorsichtig, weil es das eigene Geld ist, wir hatten ja auch keinen Investor. Bei unseren Kalkulationen sind wir immer sehr skeptisch.”

Zukunfstvisionen

Yildirim und Hoffer von Ankershoffen halten das Internet technisch gesehen für kaum weiter entwicklungsfähig, allerdings wird sich das Internet noch weiter auf unsere Lebensweise auswirken. Wie das aussehen wird, da haben die beiden ganz unterschiedliche Ansichten. Yildirim ist die Skeptikerin, die das Internet kritisch beäugt, Hoffer von Ankershoffen würde sich, eigenen Angaben zu folge, am liebsten einen UMTS-Chip in den Kopf transplantieren (Ich müsste nicht mehr meine Mails checken). Wie das Internet in zwei bis drei Jahren aussehen wird, hat zu einer ordentlichen Diskussion geführt. Einig sind sich beide, dass das Internet in den nächsten Jahren enorm an Einfluss in unserem täglichen Leben gewinnen wird.

Hoffer von Ankershoffen: “Die Lebensgewohnheiten haben sich sehr verändert, bei mir sieht das so aus, dass ich mir jetzt meine Pizza online bestelle. Die Lebensprozesse werden einfach ins Internet gehievt.”

Hoffer von Ankershoffen: “Mich hat das Internet in der Uni geprägt, inzwischen ist das Internet mehr als Teil meines Lebens. Wir, als neofonie, sind inzwischen Innovatoren, die mit großen Unternehmen zunehmend nicht nur überlegen, wie sich das Internet verändern wird, sondern auch wie werden wir das Internet verändern?”

Wie sich der Einfluss des Internets ausweiten wird, wird so beschrieben: Beispiel: Person A will sich mit Freunden und seiner Frau treffen, erst zum Essen, anschließend soll noch etwas unternommen werden. Im Moment sieht es so aus, dass es viele verschiedene Kommunikations- –und Informationsmöglichkeiten gibt. Genau an diesem Punkt wird das Internet noch eine größere Rolle spielen. Es soll für mich Routinehandlungen übernehmen.

Hoffer von Ankershoffen: “Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Es ändert sich so viel, trotzdem braucht er immer wieder Ansatzpunkte. Das menschliche Leben und der Umgang mit dem Internet wird sich verändern. Die Kunst wird darin bestehen, dabei die menschliche Perspektive, das Internet und Gewohnheiten so miteinander zu verweben dass der menschliche Bedarf bestehen bleibt. Die spannende Frage ist also, wer kann Kultur, Mensch und Technik am besten zusammenbringen? Es ist deshalb spannend, weil Akzeptanz und Machbarkeit klappen müssen. Wer das schafft, der hat gewonnen!”

Yildirim: “Ich bin eher der skeptische Typ, ich brauche das Internet nicht zum atmen. Ich finde, Internetdienste müssen überlegt sein, macht es Sinn, dass der Mensch gläserner wird? Datenbanken machen den Menschen schließlich auch kontrollierbar.”

Yildirim: “Ich glaube, der Mensch wird aufgrund von traditionellen Werten vorgeben, wie sich das Internet verändert. Das Internet kann die Welt nicht verändern, es ist immer noch ein Medium und keine eigenständige Gewalt.”

Hoffer von Ankershoffen: “Meine Vision ist, dass die Menschen sich auf das konzentrieren sollen, was sie gut können und das ist kreativ sein. Alle greifbaren Arbeitsvorgänge, also Routinen sollen abgeschafft werden!”

Arbeitsroutinen, damit mein Hoffer von Ankershoffen, sind die von Menschen, die beispielsweise nur mit der Reisedisposition zu tun haben. Oder alleine die Routine, sich zu informieren zu welchem Restaurant man geht, welche gibt es, ist es ausgebucht, was mache ich danach – all diese Vorgänge sind Routinen, die abgeschafft werden sollen. Der Mensch soll sich auf das Denken und Kommunizieren beschränken, das Internet soll Arbeitsvorgänge ersetzen. Das findet zumindest Hoffer von Ankershoffen. Yildirim will sich erstmal ansehen, was in diesem Zusammenhang überhaupt Sinn macht.

Braucht das der Mensch? Und wenn ja, in welcher Form? Wird es sich durchsetzen? Sicher ist, dass in zwei bis drei Jahren sich das Internet noch mal grundlegend verändern wird. Bis dahin haben Hoffer von Ankershoffen und Yidirim einen Mittelweg gefunden, welche Dienste es geben wird, versichern sie. Wie die aussehen soll, wollen sie nicht verraten, schließlich ist es gerade DAS Thema in der Internetwelt. Und sowieso, beruhigen die beiden am Ende des Gesprächs, das Internet sei ein Ökosystem. Dort herrsche das Prinzip vom Survival of the fittest. So komplex wie die Natur miteinander zusammenspielt, so tut es das Internet eben auch. Nur, was gut ist, setzt sich durch.

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Text und Recherche: Manka Heise

Dieser Beitrag ist Teil der Serie ZUKUNFT INTERNET – Was die Menschen bewegt der Schwerpunkt-Themenreihe “Das gefährliche Internet?” auf Readers Edition.

Mehr: Zum Interview mit Helmut Hoffer von Ankershoffen

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  1. Haben die letzen Studien nicht gezeigt, dass ein Großteil der Bevölkerung gar kein Interesse daran hat mit einem Tagesschau Reporter zu interagieren oder dort ein Video hochzuladen?