“Lügen entlarven” – Ralf Sokoll, Internet-Notruf Deutschland e.V.

“Über Jahrtausende werden Menschen ideologisch verführt, weil man ihnen Wissen vorenthält”, so Ralf Sokoll. Der Gründer des Internet-Notruf Deutschland e.V. sieht die Stärke des Internets vor allem darin, sich dieses Wissen schnell und kostengünstig anzueignen und womöglich Lügen dadurch entlarven zu können. Dennoch, so Sokoll, bedürfe es einer professionellen Anleitung,

regtdfd.jpg“Über Jahrtausende werden Menschen ideologisch verführt, weil man ihnen Wissen vorenthält”, so Ralf Sokoll. Der Gründer des Internet-Notruf Deutschland e.V. sieht die Stärke des Internets vor allem darin, sich dieses Wissen schnell und kostengünstig anzueignen und womöglich Lügen dadurch entlarven zu können. Dennoch, so Sokoll, bedürfe es einer professionellen Anleitung, mit diesen Informationen sorgsam umzugehen. Dass ohne das Medium Internet “unsere Leistungen, die wir täglich erbringen, in dieser Größenordnung weder durchführbar noch finanzierbar” wären, daran lässt Sokoll keinen Zweifel. Lesen Sie hierzu Ralf Sokoll im Kurzinterview unserer Serie ZUKUNFT INTERNET.

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RE: Sie haben die Chance ergriffen und sind im Netz aktiv. Was war damals Ihre Intention, ins Netz einzusteigen?

Sokoll: Unsere Prioritäten lagen in 1997 in der Optimierung und Vernetzung regionaler Projekte im Kampf gegen Gewalt, Drogen und Kriminalität an Schulen in der BRD. Doch bereits in den Anfängen kristallisierte sich deutlich heraus, dass die Nutzung des Mediums Internet die Arbeit wesentlich effizienter macht, viel mehr Menschen, Schulen und Institutionen mit aktuellen Informationen erreicht werden und dass darüber eine professionelle Beratung von nach Hilfe suchenden Schülern schneller, zukunftsorientierter und auch anonym erfolgen kann. Aufgrund ständig wachsender Nachfrage bauten wir das Beratungsangebot bis zum Jahr 2000 auch für Frauen, Männer, Studenten, Lehrern, Eltern und Senioren aus. Ohne das Medium Internet wären unsere Leistungen, die wir täglich erbringen, in dieser Größenordnung weder durchführbar noch finanzierbar.

RE: Was ist für Sie das Internet – ein großer Umbruch oder nur ein weiteres Medium bzw. eine neue Infrastruktur?

Sokoll: Bereits seit 1988 nutzte ich zur Kommunikation auch das BTX. Als dann das Internet langsam in die heimischen Wände einzog, empfand ich es erst einmal als weiteres Medium in der Kommunikation. Die technische Fortentwicklung, die Senkung der Nutzungsentgelte, die rasant zunehmende Fülle an abrufbaren Informationen, Dienstleistungen etc. und die permanent wachsende Annahme durch die Nutzer hat deutlich gemacht, dass es sich zu einem gewaltig großen Umbruch entwickelte, dessen Prozess meiner Meinung nach noch lange nicht beendet ist.

RE: Wo liegen Ihres Erachtens die Stärken und Schwächen des WWW in seiner jetzigen Form?

Sokoll: Über Jahrtausende werden Menschen ideologisch verführt, weil man ihnen Wissen vorenthält. Über das Internet können sich heute Menschen schnell und kostengünstig Wissen verschaffen und womöglich Lügen entlarven. Das ist seine große Stärke. Allerdings muss ein Mensch angeleitet werden, mit diesen Informationen sorgsam umzugehen. Nur weil es im Internet steht, muss es nicht die Wahrheit sein. Die Schwäche des Internets ist, dass darüber Wissen und Informationen, ungeprüft dessen Wahrheitsgehalts, veröffentlicht werden. Der Nutzer steht in der persönlichen Verantwortung nach Kenntnisnahme den Wahrheitsgehalt sorgsam zu prüfen.

“Wir erfahren mehr, wir können Lügen aufdecken, Wahrheiten erfahren”

RE: Wo sehen Sie die wichtigsten Entwicklungen?

Sokoll: Die wichtigsten Entwicklungen beim Medium Internet sehe ich darüber hinaus darin, dass Menschen heute miteinander via E-Mail und auch visuell schnell und unkompliziert kommunizieren können, ohne hierfür große Fahrzeiten und Reisekosten aufzuwenden. Das ist z. B. für Unternehmen, die überregional bzw. weltweit agieren, ungemein wichtig. Aber auch ältere Menschen, die aufgrund Gebrechlichkeiten ans Haus gebunden sind, werden hiervon mehr und mehr an Lebensqualität gewinnen.

RE: Inwiefern hat das Internet durch die neue Art der Kommunikation Einfluss auf das soziale und kulturelle Leben?

Sokoll: In der Form, dass sich für diese Bereiche interessierte Nutzer des Internets 24 Stunden am Tag beim Durchsuchen veröffentlichter Angebote – eine im realen Leben oftmals nicht erkannte Fülle -, soziale und kulturelle Angebote ausfindig machen und sich durch die dort dargestellten Informationen zu entscheiden, diese in Anspruch zu nehmen. Soziale und kulturelle Angebote können oftmals aus Kostengründen von den Betreibern nicht ausreichend und flächendeckend beworben werden. Hier steht das Internet für eine äußerst kostengünstige Plattform, sein Angebot umfassend und detailliert zu präsentieren.

RE: Wird das Internet unsere Art zu denken verändern?

Sokoll: Das kommt auf den einzelnen Menschen, den individuellen Nutzer dieses Mediums, an. Hierüber heute eine für die Millionen von Nutzern erschöpfende und aussagekräftige Antwort zu geben, halte ich derzeit für zu spekulativ. Es wäre wünschenswert, wenn wir alle kritischer in unserem Denken werden, mehr Zeit darauf verwenden, die uns gebotene Informationsfülle sorgsam zu sichten und zu hinterfragen. Ob wir uns beeinflussen lassen, unsere Art zu denken zu verändern, obliegt uns selbst, jedem einzelnen Individuum. Meine persönliche Erfahrung ist die: Wir erfahren mehr, wir können Lügen aufdecken, Wahrheiten erfahren und insgesamt kritischer und wissender werden. Aber wir müssen gleichzeitig wachsam sein. Lernen, mit der Vielfalt an neuen Informationsquellen umzugehen. Wir müssen ausreichend Zeit darauf aufwenden, die neuen Erfahrungen zu bewerten und zu verarbeiten. Wenn wir nicht bereit sind, diese Zeit zu investieren, füttern wir uns permanent mit unsagbar vielem “Halbwissen”. Diese Entwicklung würde ich als sehr bedenklich und besorgniserregend einstufen. Aus diesem Grund halte ich es für unabdingbar, dass fähige und bezüglich des Internets versierte und geeignete Pädagogen die Jugend offen, aber behutsam und kritisch an dieses Medium heran führen und sie wertfrei mit den Vorteilen und Risiken vertraut machen.

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Dieser Beitrag ist Teil der Serie ZUKUNFT INTERNET – Was die Menschen bewegt der Schwerpunkt-Themenreihe “Das gefährliche Internet?” auf Readers Edition. 

Interview: Felix Kubach/ Nicole Oppelt

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