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Wirtschaft + Internetkultur

“Vom Safer Sex zur Freien Liebe”

Dienstag, den 7. Oktober 2008 um 14:40 Uhr von nicole oppelt
Willms Buhse auf DNAdigital.de. Photo: screenshot

“Any content, anywhere in a trusted universe”, so das Motto des IT-Unternehmens CoreMedia mit Sitz in Hamburg. Seit zwölf Jahren am Markt, zählt es heute, laut dem US-Wirschaftsmagazin Red Herring, zu den Top 100 der innovativsten Technologie-Unternehmen in Europa und beschäftigt aktuell mehr als 140 Mitarbeiter. Im Rahmen eines Livestreams diskutierten nun Sören Stamer, CEO, und Willms Buhse, Head of Marketing, gemeinsam mit so genannten “Digital Natives” über die kürzlich gestartete Plattform DNAdigital.de und ihre Vorstellungen von einer “Enterprise 2.0“.

“Besteht auf Seiten der Non-Digitalen eine Notwendigkeit, Natives zu verstehen?”, “Können Unternehmenskulturen wirklich durch Technologie verändert werden?” oder “Lässt sich E 2.0 nur in Firmen mit hohem Bildungsgrad umsetzen?”: Fragen über Fragen hatten die Chat-Teilnehmer auch am heutigen Dienstag parat. Wie schon eine Woche zuvor in der Gesprächsrunde mit Christian Korff von CiSCO Deutschland, so gestaltete sich das virtuelle Treffen auch heute sehr offen und zuweilen gar äußerst humorvoll.

“Es können spannende Dinge entstehen”

Nach einem kürzlich per Email eingegangenen Schreiben, das harsche Kritik an der Plattform äußerte, ging es denn auch sogleich um die Ziele, die beide mit DNAdigital.de verbinden. Stamer und Buhse, die mit CoreMedia die Administration der Seite unterstützen, sind sich einig: Es gehe ihnen darum, eine Verbindung zwischen jenen herzustellen, die in der neuen digitalen Welt zuhause seien und denjenigen, die bis dato noch Hemmungen in Bezug auf diese hätten. Es gelte, eine Schnittmenge zu finden und beide Parteien sozusagen an einen Tisch zu bringen. Wie diese Vision nach dem anstehenden IT-Gipfel am 20. November allerdings nachhaltig ausgebaut und fortgesetzt werden könnte, darüber können die beiden Unternehmer  zu diesem Zeitpunkt noch keine konkreten Aussagen machen. Praktika oder direkte Kontakte von Digital Natives mit Unternehmen seien hier jedoch, neben der Herausgabe eines Buches, das die Ergebnisse des kommenden OpenSpaces zusammenfasst, erste Ansätze, mit denen weitergearbeitet werden könnte. “Es können spannende Dinge entstehen”, freuen sich beide und hoffen, dass sich in Zukunft noch mehr Unternehmen in die Sache einbringen wollen.

Sören Stamer auf DNAdigital.de. Photo. screenshot

Langfristig schwebt ihnen allerdings ein viel komplexeres Ziel vor: Es müsse sich ein Bewusstsein entwickeln, Dinge anders zu beleuchten, betonen sie einhellig und erklären, dass auch sie während dieses Projekts sehr viel dazu lernen. Neue Technologien und Strukturen werden das Verhalten des Einzelnen ändern, prophezeien sie. Und mit Blick auf das hier vorherrschende Copyright verweisen Stamer und Buhse auf innovative Lösungen in Japan, im Speziellen auf die Verbreitung der beliebten Mangas, was schlicht eine ganz andere Denke und Toleranz voraussetzen würde. Das Credo für die Zukunft müsse daher lauten: “Eher öffnen, statt schließen”. Dies gelte für Märkte genauso wie für Unternehmen. Ein “Switch vom Safer Sex zur Freien Liebe”, sozusagen.

“Die Menschen verstehen sich plötzlich”

Im Hinblick auf ihr eigenes Unternehmen scheinen die erste Schritte in diese Richtung schon gemacht: Ein eigener Blog wurde installiert, klassische Hierarchien abgeschafft. “Veränderung schafft Angst”, geben Buhse und Stamer zu. Doch beide haben festgestellt, dass durch eine solche Öffnung das Miteinander viel kreativer geworden sei. Durch die intensivere Vernetzung wurde nicht nur mehr Verständnis füreinander geschaffen, sondern auch viele neue Talente entdeckt. “Die Menschen verstehen sich plötzlich”, erzählen die Herren mit leuchtenden Augen. Die Welt würde mit anderen Augen gesehen werden. Das Loslassen von alten Konzepten, wie etwa starre Abteilungen, führe dazu, dass sich jeder einbringe und auch Verantwortung übernehme. Was daraus entstehen kann, zeigt CoreMedia am eigenen Leib. So genannte dynamische Hierarchien, die nach etwa einem Jahr neu bewertet werden und jedem die Möglichkeit einer neuen Selbsteinschätzung gäben, führen automatisch dazu, dass auch verstärkt über Ziele gesprochen wird und ein neues “Wir”-Gefühl eintritt. Aber auch ganz pragmatische Ergebnisse können vorgewiesen werden: Durch den Einsatz eines Blogs konnte zum Beispiel die tägliche Email-Flut um rund 60 Prozent gesenkt werden. Die nun notwendige Filterung funktioniere jetzt, anders als früher, über die eigene Umgebung und ähnlich dem menschlichen Gehirn – die Relevanz wird zu einer Entscheidung des Bauches.

Auch eine eigene Studie zum Thema “Enterprise 2.0″ haben beide im Gepäck. “Der Wandel zum Enterprise 2.0 ist die konsequente Antwort auf aktuelle Herausforderungen globaler und dynamischer Märkte. Enterprise 2.0 setzt auf die Talente von Menschen und unterstützt deren intelligente Vernetzung. So können Unternehmen schneller, flexibler und besser reagieren, Innovationszyklen verkürzen und sich im Kampf um Talente besser positionieren”, heißt es in der Einleitung. Zusammenfassend stehen dabei drei Thesen im Vordergrund: “1) Enterprise 2.0 wird bedeutende Impulse der Web-2.0-Technologien in Unternehmen tragen. 2) Wandel zum Enterprise 2.0 ist die Antwort auf diversifizierte, globale Märkte. 3) Enterprise 2.0 ist als ganzheitliche Unternehmensphilosophie zu verstehen.”

“Reputation wird enorm an Bedeutung gewinnen!”

Am Ende des lebhaften Chats konnte deshalb festgehalten werden: Je mehr “Wissensarbeiter” in einem Unternehmen beschäftigt sind, desto leichter greifen auch neue Technologien. Die Kernkompetenz, die jeder Einzelne jedoch entwickeln müsse, sei die Fähigkeit zu lernen und vor allem mit den rasanten Veränderungen umzugehen. Gerade der Generationenkonflikt in so manchem Betrieb gilt es daher aufzulösen. Sören Stamer und Willms Buhse sind überzeugt: “Reputation wird in Zukunft enorm an Bedeutung gewinnen!”

Viel Euphorie und Aufbruchsstimmung wurde auch am heutigen Dienstag verbreitet. Jugendliche Naivität oder unkritische Hinnahme waren allerdings diesmal ebensowenig angezeigt wie schon in der Woche zuvor. So manch Aussage wurde skeptisch beurteilt und einer eingehenden Prüfung unterzogen: Könne etwa wirklich ganz auf Hierarchien verzichtet werden und wie sieht es dann eigentlich mit der Bezahlung der einzelnen Mitarbeiter aus? Oder ist gar unser gesamtes Rechtssystem im Bezug auf Unternehmensstrukturen ziemlich veraltet? Werden neue Technologien in Betrieben nicht schnell auch zu einer kulturellen Frage? Und was passiert, wenn gar auf die falsche Person mit der falschen Kompetenz gesetzt wird? Eine abschließende Beantwortung steht in manchen Fällen wohl noch eine ganze Weile aus…

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  1. mindlounge» Blogarchiv » Aller guten Dinge sind 3!

    am 27. Oktober 2008 um 17:01 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] Aller guten Dinge sind 3: Kaum zurück aus Berlin ging es am 17.10. mit dem ICE (pünktlich!) zurück in die Hauptstadt. Zum ersten Open Space, der sogenannten Digital Natives. Dieser fand in der Homebase am Podsdamer Platz statt. Sie fragen sich gerade was, oder wer Digital Natives sind und was sie machen? Im Rahmen des 3. IT-Gipfels der Bundesregierung hat sich eine Plattform (DNAdigital) etabliert, die den Austausch von Top-Entscheidern aus der Wirtschaft und den Digital Natives fördern und voranbringen will. […]

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